Ewald von Kleist-Schmenzin
9. April 1945, Berlin-Plötzensee
Der Jurist und Gutsbesitzer Ewald von Kleist-Schmenzin bekennt sich zu einem monarchistisch und christlich geprägten Konservativismus und gehört der Deutschnationalen Volkspartei an. In der Endphase der Weimarer Republik bekämpft er entschieden den Nationalsozialismus und versucht, die Machtübernahme Hitlers zu verhindern. Bereits im Mai und Juni 1933 wird er zweimal verhaftet, nach kurzer Zeit aber wieder freigelassen.
Zur Zeit des Münchener Abkommens reist Kleist-Schmenzin im Auftrag der Verschwörergruppe um den damaligen Generalstabschef des Heeres Ludwig Beck nach London. Im Dezember 1943 trifft er sich mit Carl Goerdeler und sagt seine Unterstützung für den Staatsstreich zu. Später wird er in die Pläne von Stauffenberg eingeweiht und billigt auch das Attentat, an dem sich sein Sohn Ewald-Heinrich aktiv beteiligt. Er selbst ist nach dem Umsturz als Politischer Beauftragter für den Wehrkreis II (Stettin) vorgesehen.
Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wird er am 21. Juli 1944 festgenommen und am 18. August 1944 in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße eingeliefert. Dort trifft er auf seinen Sohn Ewald-Heinrich, der am 20. Juli im Bendlerblock festgenommen worden ist.
Am 3. Februar 1945 findet der Prozess gegen Ewald von Kleist vor dem „Volksgerichtshof“ statt, der durch einen Fliegeralarm unterbrochen wird. Nach einer weiteren Verhandlung wird er am 15. März 1945 zum Tode verurteilt und am 9. April 1945 in Plötzensee ermordet.
Die Zelle 177 ist seit heute früh leer, man hat unseren Leidensgefährten Ewald v. Kleist abgeholt. Die schmerzliche Kunde geht beim Kübeln draußen leise von Mund zu Mund. Keiner unter uns ist sich im Unklaren darüber, was das für den armen von Kleist bedeutet, dass er wohl bald, vielleicht schon heute oder morgen den letzten Gang antreten wird. Uns, die wir nach wie vor in der gleichen Gefahr schweben, packt dieses Erlebnis, das sich in unserer Mitte abspielt, stärker als die Außenstehenden.
Andreas Hermes in einem Brief vom 9. April 1945 an seine Frau Anna
Quelle: Archiv für Christlich-Demokratische Politik, 01-090-176/1




