Ewald-Heinrich von Kleist-Schmenzin
8. März 2013, Prien am Chiemsee
Der Infanterie-Leutnant Ewald-Heinrich von Kleist ist das älteste von sechs Kindern von Ewald von Kleist-Schmenzin und dessen erster Ehefrau Anna, geborene von der Osten. Ewald-Heinrich von Kleist wird von Stauffenberg für den Widerstand gegen Adolf Hitler angeworben.
Nachdem Axel von dem Bussche im Januar 1944 schwer verwundet wird und somit als Attentäter ausscheidet, fragt Stauffenberg im Februar 1944 Kleist, ob stattdessen er bereit wäre, sich während einer Uniformvorführung mit Hitler in die Luft sprengen. Dieser erbittet sich einen Tag Bedenkzeit und fragt seinen Vater um Rat, bevor er zusagt. Der rät ihm, sich der tödlichen Aufgabe zu stellen: „Du musst das tun. Wer in so einem Moment versagt, hat nie wieder Freude am Leben.” Das Vorhaben scheitert dennoch, weil Hitler den Vorführtermin von Tag zu Tag verschiebt.
Während des Umsturzversuchs am 20. Juli 1944 fungiert Kleist im Berliner Bendlerblock als einer der zahlreichen Helfer. Er wird am 21. Juli festgenommen und zunächst in der Sicherheitspolizeischule Drögen bei Fürstenberg inhaftiert. Es gelingt ihm, bei den Verhören seine Aktivitäten im Widerstand zu vertuschen.
Am 18. August wird er in das Zellengefängnis Lehrter Straße verlegt, wo er seinen Vater bei der Einlieferung noch einmal kurz sieht. Im Dezember 1944 wird er aus Mangel an Beweisen aus der Haft entlassen und bis Kriegsende an der Front eingesetzt.
Nach 1945 ist er als Verleger und Herausgeber tätig. 1962 gründet er die Wehrkundetagung in München, die später in Internationale Konferenz für Sicherheitspolitik umbenannt wird, und moderiert sie bis 1998.
[M]ich quälte der Gedanke an Ewald-Heinrich, von dem ich wußte, daß er auch im Gefängnis saß, da wir beide zufällig im selben Augenblick eingeliefert wurden und uns dabei gesehen haben. Ich habe immer wieder gebeten, mir eine Nachricht über Dich und Hermann zukommen zu lassen, ob Ihr noch lebtet. Alles vergeblich, nicht einmal eine Ablehnung meiner Gesuche erfolgte – nichts. Es war, als ob ich lebend im Sarge läge.
Ewald von Kleist-Schmenzin über seinen Sohn Ewald-Heinrich in den an seine Frau Alice gerichteten Haftaufzeichnungen aus dem Zellengefängnis, 8. Oktober 1944
Quelle: Bodo Scheurig, Ewald von Kleist-Schmenzin. Ein Konservativer gegen Hitler. Biographie, Frankfurt am Main 1994.


