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Hermenegild Kleist

24. April 1909, Stettin (Szczecin)
unbekannt

Hermenegild Kleist wächst in Oranien­burg auf, sein Stief­vater Martin Walter, Mitglied der SPD und des Reichs­banners Schwarz-Rot-Gold, flieht 1933 auf­grund seiner jüdischen Herkunft nach Paris. Kleist enga­giert sich während seines Jura­studiums im demo­kra­ti­schen Stu­den­ten­bund sowie in der Liga für Men­schen­rechte und ist später als Grund­stücks- und Ver­mögens­ver­wal­ter tätig.  

Im Mai 1940 wird er zum Kriegs­dienst ein­be­rufen und an der West- und Ost­front einge­setzt. Ende 1942 holt ihn der befreun­dete Arzt Albrecht Olbertz, der Ange­hörigen des Stief­vaters zur Emigration verhalf, in seine Sani­täts­dienst­stelle in Güterfelde. Dort bildet sich um den Kommu­nisten Herbert Kosney ein Kreis von NS-Gegnern. 

Nach dem 20. Juli 1944 leistet Olbertz Flucht­hilfe für Arthur Nebe, dem mit ihm befreun­deten Chef des Reichs­krimi­nal­amtes. Nach dessen Verhör werden am 21. August 1944 auch Kleist und weitere Personen im Zellen­ge­fäng­nis Lehrter Straße inhaftiert. Mangels Beweisen wird er Mitte September 1944 zur Front­be­wäh­rung ent­las­sen. 

Am 14. Februar 1945 wird Hermenegild Kleist wegen Bei­hilfe zur Flucht des Leutnants Ludwig, dem er Unter­kunft gewährt hat, erneut von der Gestapo festge­nommen und im Sammel­lager in der Großen Ham­burger­straße fest­gehalten. Die Befreiung durch die Rote Armee ver­hindert seine weitere Abur­teilung.

Nach Kriegs­ende ist er in Berlin als Kauf­mann und Prokurist tätig. 

Nach der Verhaf­tung des Dr. O[lbertz] durch die Gestapo wurde ich selbst u.a. mit den Genossen [Herbert] Kosney, [Victor] Schulz, Blochwitz und Doris Linden wegen Beihilfe zum Hoch­verrat festge­nommen und war ca. 7 Wochen im Gefäng­nis Lehrter­strasse-Son­der­abteilung 20. Juli in Einzel­haft. Ich war während dieser Zeit gefesselt und den jetzt bekannten Verneh­mungs­methoden und Miss­hand­lungen ausge­setzt. Dennoch gelang es der Gesta­po nicht, ... mich zum Reden zu bewegen und somit meinen Schuld­beweis zu erbringen.

Hermenegild Kleist über die Haft im Zellengefängnis, 28. Juni 1945

Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 4529