Hermenegild Kleist
unbekannt
Hermenegild Kleist wächst in Oranienburg auf, sein Stiefvater Martin Walter, Mitglied der SPD und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, flieht 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft nach Paris. Kleist engagiert sich während seines Jurastudiums im demokratischen Studentenbund sowie in der Liga für Menschenrechte und ist später als Grundstücks- und Vermögensverwalter tätig.
Im Mai 1940 wird er zum Kriegsdienst einberufen und an der West- und Ostfront eingesetzt. Ende 1942 holt ihn der befreundete Arzt Albrecht Olbertz, der Angehörigen des Stiefvaters zur Emigration verhalf, in seine Sanitätsdienststelle in Güterfelde. Dort bildet sich um den Kommunisten Herbert Kosney ein Kreis von NS-Gegnern.
Nach dem 20. Juli 1944 leistet Olbertz Fluchthilfe für Arthur Nebe, dem mit ihm befreundeten Chef des Reichskriminalamtes. Nach dessen Verhör werden am 21. August 1944 auch Kleist und weitere Personen im Zellengefängnis Lehrter Straße inhaftiert. Mangels Beweisen wird er Mitte September 1944 zur Frontbewährung entlassen.
Am 14. Februar 1945 wird Hermenegild Kleist wegen Beihilfe zur Flucht des Leutnants Ludwig, dem er Unterkunft gewährt hat, erneut von der Gestapo festgenommen und im Sammellager in der Großen Hamburgerstraße festgehalten. Die Befreiung durch die Rote Armee verhindert seine weitere Aburteilung.
Nach Kriegsende ist er in Berlin als Kaufmann und Prokurist tätig.
Nach der Verhaftung des Dr. O[lbertz] durch die Gestapo wurde ich selbst u.a. mit den Genossen [Herbert] Kosney, [Victor] Schulz, Blochwitz und Doris Linden wegen Beihilfe zum Hochverrat festgenommen und war ca. 7 Wochen im Gefängnis Lehrterstrasse-Sonderabteilung 20. Juli in Einzelhaft. Ich war während dieser Zeit gefesselt und den jetzt bekannten Vernehmungsmethoden und Misshandlungen ausgesetzt. Dennoch gelang es der Gestapo nicht, ... mich zum Reden zu bewegen und somit meinen Schuldbeweis zu erbringen.
Hermenegild Kleist über die Haft im Zellengefängnis, 28. Juni 1945
Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 4529