Walter Klaus
4. Oktober 1957, Berlin (Ost)
Walter Klaus kommt als Sohn des Zigarettenfabrikanten Hermann Klaus und seiner Frau Emilie zur Welt, 1896 zieht die Familie nach Berlin. Ab 1905 absolviert Walter Klaus eine Werkzeugmacherlehre bei der AEG in der Ackerstraße. 1911 wird er zum Militär eingezogen, nimmt am Ersten Weltkrieg teil und wird im November 1918 als Kriegsverletzter entlassen. Seit 1923 ist er Mitglied des Roten Frontkämpferbunds.
Er gehört seit Mai 1933 der Unterbezirksleitung Berlin-Neukölln der verbotenen KPD an und verteilt Flugblätter zum Reichstagsbrandprozess. Mehrere Male wird er von der Gestapo festgenommen, aber immer wieder auf freien Fuß gesetzt. In den Kriegsjahren gehört er der betrieblichen Widerstandsgruppe in der AEG Drontheimer Straße in Berlin-Wedding um Richard Weller an und wirbt unter anderem Alois Splanemann für die Mitarbeit.
Am 26. Februar 1945 wird er am Arbeitsplatz festgenommen und in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert. Bei dem anschließenden Prozess vor dem Kammergericht wird er am 24. März 1945 wegen „Hochverrats, Feindbegünstigung und kommunistischer Gruppenbildung” zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Am selben Tag wird er ins Gefängnis Alt-Moabit und von dort in das Strafgefangenenlager Griebo an der Elbe überführt.
Am 25. April 1945 werden die Insassen des Zuchthauslagers wegen des Vormarsches sowjetischer Truppen vom deutschen Kommandanten entlassen.
Ich war mit [Walter] Klaus zusammen in der AEG, Drontheimerstrasse, beschäftigt. ... Da wir konspirativ arbeiteten, erfuhr ich erst um die Mitte des Jahres 1944, dass K. in der Widerstandsgruppe tätig war. ... Die Widerstandsgruppe arbeitete eng mit den sowjetischen Zwangsarbeitern, die in unserem Betrieb beschäftigt und in der Seestraße untergebracht waren, zusammen. 70% der Angeklagten wurden hingerichtet.
Heinrich Leistikow über Walter Klaus und die Betriebsgruppe der AEG Drontheimer Straße, 26. Januar 1951
Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep 118-01 Nr. 3466


