Franz Kempner
5. März 1945, Berlin-Plötzensee
Der Jurist Franz Kempner arbeitet ab 1906 in der Kolonialverwaltung in Deutsch-Ostafrika und wird dort im Ersten Weltkrieg mehrfach verwundet. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland ist er zunächst im Wiederaufbau-Ministerium tätig, bevor er 1922 in die Reichskanzlei eintritt, wo er von 1925 bis 1926 das Amt des Staatssekretärs innehat. In den folgenden Jahren zieht er sich weitgehend ins Privatleben zurück.
Franz Kempner, der während der Weimarer Republik Mitglied der Deutschen Volkspartei (DVP) ist, verbindet seit der gemeinsamen Tätigkeit in der Reichskanzlei mit Erwin Planck eine enge Freundschaft. Wie dieser lehnt Kempner den Nationalsozialismus ab, hat Verbindung zu zahlreichen Persönlichkeiten des Widerstands und nimmt an einem Gesprächskreis oppositionell eingestellter ehemaliger Diplomaten, Beamter und Wissenschaftler im Hause von Johanna Solf teil. Zudem hat er Kontakt zum Kreis um Ulrich von Hassell, Johannes Popitz und Carl Goerdeler, den er 1943 kennenlernt und der ihn im Falle eines gelungenen Umsturzes für das Amt des Staatssekretärs der Reichskanzlei zu gewinnen versucht.
Nach dem 20. Juli 1944 gesteht er in Verhören der Gestapo seine Vorbehalte gegenüber der nationalsozialistischen Rassen- und Kirchenpolitik. Die einzelnen Stationen der Haft Kempners lassen sich nicht mehr rekonstruieren. Am 7. Oktober 1944 wird er in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingewiesen. Am 12. Januar 1945 wird er zusammen mit Ernst von Harnack vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt. Beide werden am 5. März in das Strafgefängnis Plötzensee überführt und noch am gleichen Tag ermordet.
Mit Franz Kempner hatte Ernst von Harnack nach seiner Verurteilung einen ständigen, wenn auch meist auf Klopfzeichen beschränkten freund-nachbarschaftlichen Verkehr unterhalten. Er verhehlte nicht, daß ihm diese wortlosen Grüße besonders wohltaten, wenn er sie während der jetzt häufiger gewordenen Fliegerangriffe vernahm. ,Kempner scheint noch vor der Urteilsvollstreckung zu bangen’, so sagte er mir – da muß ich ihn manchmal ermutigen. Bei Fliegerangriffen bin ich aber der Unruhige und selber auf Zuspruch angewiesen.
Theodor Baensch über Ernst von Harnack und Franz Kempner in seinem Erinnerungsbericht an die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße, 1948
Quelle: Bundesarchiv, DY 55, V 278/6/613
Die beiden in den Kerkerzellen zu persönlichen Freunden gewordenen Männer [Franz Kempner und Ernst von Harnack] boten uns allen das Bild einer starken sittlichen Kraft. Wir wussten, die Mächte der Furcht würden sie auch im Angesicht des Todes nicht mehr überwältigen können.
Theodor Baensch über Franz Kempner und Ernst von Harnack vor ihrem Transport nach Plötzensee, 1948
Quelle: Bundesarchiv, DY 55, V 278/6/613






