Imrich Karvaš
22. Februar 1981, Bratislava
Der Wirtschaftsjurist Imrich Karvaš wird 1930 Sekretär des Verbandes slowakischer Banken und lehrt an der Juristischen Fakultät der Universität Bratislava. Er gehört zu den Mitbegründern des nationalen Wirtschaftsinstituts der Slowakei und Ruthenien und wird 1932 dessen Generalsekretär. 1938/1939 gehört er der tschechoslowakischen Regierung als Minister für Industrie, Handel und Gewerbe an.
Nach der Gründung der Ersten Slowakischen Republik im März 1939 wird er Gouverneur der Nationalbank und 1942 Vorsitzender der obersten Versorgungsbehörde. 1943 schließt er sich dem slowakischen Widerstand an und steht in Verbindung mit dem Slowakischen Nationalrat, dem politischen Zentrum des im August 1944 beginnenden Slowakischen Nationalaufstands.
Imrich Karvaš unterstützt die Vorbereitungen des Aufstands in finanzieller Hinsicht und stellt Getreidevorräte und Brennstoffe zur Verfügung. Am 3. September 1944 wird er festgenommen und über Wien und Brno nach Berlin gebracht, wo er am 5. Januar 1945 in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert wird.
Am 23. Februar wird er in die Prinz-Albrecht-Straße 8 überstellt. In den folgenden Wochen beginnt für ihn und weitere weiteren Sippen- und Sonderhäftlinge eine Odyssee durch verschiedene Konzentrationslager und Haftanstalten, die mit der Befreiung Ende April 1945 in Tirol endet.
Nach der Rückkehr nach Bratislava nimmt er zunächst seine Lehrtätigkeit wieder auf. 1949 wird er von den kommunistischen Machthabern des Landesverrats beschuldigt und zu zwei Jahren Haft, 1958 dann wegen Spionage und Hochverrats zu weiteren 17 Jahren Gefängnis verurteilt. 1969 wird Imrich Karvaš rehabilitiert.
Zum Frühstück gab es tagtäglich deutschen Tee (nur Gott weiß, woraus der gemacht wurde) mit einem trockenen Stück Brot. Zum Mittagessen hatten wir zweimal wöchentlich Kaffee mit Brot, zwei mal, meistens schon ungenießbare, Mehlspeisen (Macaroni, Spaghetti und ähnliches) und dreimal wöchentlich Kartoffeln, manchmal mit Schale, manchmal geschält und oft nicht fertig gekocht, mit z.B. Gulasch aus der Dose; wenn einer Glück hatte, konnte er in der Sauce auch kleine Fleischfetzen finden. Zum Abendessen gab es drei mal wöchentlich 'schwarzen Kaffee', natürlich Ersatz, mit einem Stück Brot, welches auch Margarine 'gesehen' hatte, zweimal gab es Kartoffeln ohne Sauce mit Brot, einmal Mehlspeisen, und Sonntags war das Abendessen ausgiebiger, und das waren 50g Salami, welche oft schon stanken, Brot, welches Margarine 'gesehen' hatte und deutschen Tee. Das wiederholte sich wöchentlich mit kleinen Abwechslungen, welche keine Verbesserung bedeuteten. In zwei Monaten nahm ich 30kg ab, mein Masse reduzierte sich auf 50kg.
Imrich Karvaš über die Ernährung während der Haft im Zellengefängnis
Quelle: Imrich Karvaš, Moje pamäti. V pazuroch Gestapa, Bratislava 1994.




