Ludwig Kaiser
28. September 1978, Kassel
Ludwig Kaiser absolviert ein Studium der Rechtswissenschaften und etabliert sich gleichzeitig als Pianist. 1913 heiratet er Anna Reimer, aus der Ehe gehen vier Töchter hervor. Im Dezember 1914 meldet er sich als Kriegsfreiwilliger und wird als Kriegsgerichtsrat eingesetzt. 1920 wird er Regierungsrat beim Kasseler Finanzamt. Weiterhin betätigt er sich als Pianist und organisiert in Kassel diverse Musikfeste.
Ludwig Kaiser hat bereits seit Anfang der 1930er Jahre, als die NSDAP in Kassel an Bedeutung gewinnt, Konflikte mit Parteifunktionären. Im Juni 1933 scheidet er aus dem Staatsdienst aus und tritt in die Geschäftsleitung des Elektrozweckverbandes Mitteldeutschland ein, wird aber nach dessen Gleichschaltung 1937 zum Justitiar degradiert.
Im September 1939 wird er als Oberkriegsgerichtsrat d. R. einberufen und 1940 zur Heeresrechtsabteilung des Oberkommandos des Heeres in Berlin versetzt. Durch seinen Bruder Hermann Kaiser kommt er 1942 in Kontakt mit Carl Goerdeler und unterstützt den geplanten Umsturzversuch.
Ludwig Kaiser wird einen Tag nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 in Kassel festgenommen und am 3. August in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 überführt, wo auch sein Bruder inhaftiert ist. Ende 1944 wird er in die Festung Küstrin verlegt, ohne dass es zu einer Anklageerhebung vor dem „Volksgerichtshof” kommt. Aufgrund des Kriegsverlaufs wird er seit Frühjahr 1945 mehrfach in verschiedene Haftanstalten verlegt und am 19. April 1945 von französischen Truppen befreit.
Nach 1945 ist Ludwig Kaiser als Rechtsanwalt in Kassel tätig. Auch seine Karriere als Pianist kann er bis 1956 fortsetzen.




