Hermann Kaiser
23. Januar 1945, Berlin-Plötzensee
Hermann Kaiser beginnt 1912 als Studienrat an einem Wiesbadener Gymnasium zu unterrichten, bis er 1914 an der Westfront eingesetzt wird. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitet er wieder als Lehrer.
Aufgrund seiner nationalkonservativen Haltung begrüßt Hermann Kaiser zunächst die nationalsozialistische Machtübernahme, wendet sich dann aber vom Nationalsozialismus ab. 1939 wird er zur Wehrmacht einberufen und ab Juni 1940 als Kriegstagebuchschreiber im Oberkommando des Heeres eingesetzt. Dort entstehen Verbindungen zu Friedrich Olbricht, Ludwig Beck und Carl Goerdeler und durch seine Position kann er zwischen dem zivilen und dem militärischen Widerstand vermitteln. Nach dem Umsturz soll er Staatssekretär im Kultusministerium werden und ist als Verbindungsoffizier im Wehrkreis XII (Wiesbaden) vorgesehen.
Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 wird Hermann Kaiser mit seinen Brüdern festgenommen und in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße eingeliefert. Seine Tagebücher werden beschlagnahmt und von der Gestapo als wichtige Quelle über die Verschwörung ausgewertet. Am 27. September wird er in das Gefängnis Tegel verlegt, jedoch nach einem schweren Bombenangriff am 7. Oktober 1944 wieder zurück in die Lehrter Straße, wo ihn seine Schwestern am 22. November 1944 das erste Mal besuchen dürfen.
Am 17. Januar 1945 wird Hermann Kaiser vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 im Strafgefängnis Plötzensee ermordet.


Brief von Hermann Kaiser an seine Schwestern Marie und Hedwig aus dem Zellengefängnis vom 9. November 1944 Privatbesitz
Abs. Hermann Kaiser, Berlin I, NW 40 Lehr[ter]strasse 3
9. November 1944
Fräulein Mariechen u. Hedwig Kaiser,
Kassel-Wilhelmshöhe. Kubergstr. 5
Meine lieben Schwestern.
Heute erhielt ich Eure ersten Briefe, ich war sehr glücklich und danke Euch für Euer treues Gedenken. Besonders habe ich mich über den Brief von Schwester Alma gefreut und die Nachrichten von Rüdiger. Er ist ja dort bei mir als mein Sohn aufgewachsen, und er wird in meinem Herzen immer mein Sohn bleiben. Ich bete zu Gott, daß er in allen Kämpfen besteht so wie er es bisher getan hat, nachdem er viermal verwundet war. Wenn er jetzt eine Batterie führt, so ist dies das schönste Kommando, das ein strebsamer, sich selbst getreuer Soldat haben kann. Vor 29 Jahren hatte ich das gleiche Kommando. - Ich erhielt ferner Eure lieben Briefe vom 7., 15., 22. Oktober. Ich habe sofort die Vollmacht für den Rechtsanwalt Dr. Kurt Valentin (10) Torgau, Postschließfach 120 ausgestellt zur Übernahme der Vertretung meiner Angelegenheit bei den zuständigen Dienststellen. Ich werde darum bitten, daß der Brief heute noch abgeht. Eure lieben Worte haben mir so wohl getan und mich innerlich gestärkt u. erhoben. Habt innigen Dank für Eure Güte und all die Mühe und Arbeit, die Ihr für mich habt. Auch hat es mich beruhigt, daß Ihr bei den letzten Fliegerangriffen
unbeschädigt geblieben seid. An die davon betroffenen denke ich fortgesetzt. Aus Eurem Garten erhielt ich einmal Äpfel, die besonders gut waren. Meine Quartierleute Direktor Gerth sorgen - allwöchentlich mit Wäsche u. Stärkung für mich u. ich bin Ihnen dafür von Herzen dankbar. Wie schön, daß mein Patenkind, Heinis Söhnchen seit der Taufe so gute Fortschritte gemacht hat. Die treue Mutter wird schon für alles sorgen. Nun lebt wohl u. seid mit Alma u. Schwägerinnen herzlichst gegrüßt u. bedankt. Euer treuer Bruder
Hermann.
Viele gute Wünsche Tante Toni, die ins 81. Jahr geht. Ich sandte Euch bisher zwei Briefe am 13. u. 29. Oktober.

Brief von Hermann Kaiser an seine Schwestern Marie und Hedwig aus dem Zellengefängnis vom 9. November 1944 Privatbesitz
Abs. Hermann Kaiser, Berlin I, NW 40 Lehr[ter]strasse 3
9. November 1944
Fräulein Mariechen u. Hedwig Kaiser,
Kassel-Wilhelmshöhe. Kubergstr. 5
Meine lieben Schwestern.
Heute erhielt ich Eure ersten Briefe, ich war sehr glücklich und danke Euch für Euer treues Gedenken. Besonders habe ich mich über den Brief von Schwester Alma gefreut und die Nachrichten von Rüdiger. Er ist ja dort bei mir als mein Sohn aufgewachsen, und er wird in meinem Herzen immer mein Sohn bleiben. Ich bete zu Gott, daß er in allen Kämpfen besteht so wie er es bisher getan hat, nachdem er viermal verwundet war. Wenn er jetzt eine Batterie führt, so ist dies das schönste Kommando, das ein strebsamer, sich selbst getreuer Soldat haben kann. Vor 29 Jahren hatte ich das gleiche Kommando. - Ich erhielt ferner Eure lieben Briefe vom 7., 15., 22. Oktober. Ich habe sofort die Vollmacht für den Rechtsanwalt Dr. Kurt Valentin (10) Torgau, Postschließfach 120 ausgestellt zur Übernahme der Vertretung meiner Angelegenheit bei den zuständigen Dienststellen. Ich werde darum bitten, daß der Brief heute noch abgeht. Eure lieben Worte haben mir so wohl getan und mich innerlich gestärkt u. erhoben. Habt innigen Dank für Eure Güte und all die Mühe und Arbeit, die Ihr für mich habt. Auch hat es mich beruhigt, daß Ihr bei den letzten Fliegerangriffen
unbeschädigt geblieben seid. An die davon betroffenen denke ich fortgesetzt. Aus Eurem Garten erhielt ich einmal Äpfel, die besonders gut waren. Meine Quartierleute Direktor Gerth sorgen - allwöchentlich mit Wäsche u. Stärkung für mich u. ich bin Ihnen dafür von Herzen dankbar. Wie schön, daß mein Patenkind, Heinis Söhnchen seit der Taufe so gute Fortschritte gemacht hat. Die treue Mutter wird schon für alles sorgen. Nun lebt wohl u. seid mit Alma u. Schwägerinnen herzlichst gegrüßt u. bedankt. Euer treuer Bruder
Hermann.
Viele gute Wünsche Tante Toni, die ins 81. Jahr geht. Ich sandte Euch bisher zwei Briefe am 13. u. 29. Oktober.

Brief von Hermann Kaiser an seine Schwestern Marie und Hedwig aus dem Zellengefängnis vom 9. November 1944 Privatbesitz
Abs. Hermann Kaiser, Berlin I, NW 40 Lehr[ter]strasse 3
9. November 1944
Fräulein Mariechen u. Hedwig Kaiser,
Kassel-Wilhelmshöhe. Kubergstr. 5
Meine lieben Schwestern.
Heute erhielt ich Eure ersten Briefe, ich war sehr glücklich und danke Euch für Euer treues Gedenken. Besonders habe ich mich über den Brief von Schwester Alma gefreut und die Nachrichten von Rüdiger. Er ist ja dort bei mir als mein Sohn aufgewachsen, und er wird in meinem Herzen immer mein Sohn bleiben. Ich bete zu Gott, daß er in allen Kämpfen besteht so wie er es bisher getan hat, nachdem er viermal verwundet war. Wenn er jetzt eine Batterie führt, so ist dies das schönste Kommando, das ein strebsamer, sich selbst getreuer Soldat haben kann. Vor 29 Jahren hatte ich das gleiche Kommando. - Ich erhielt ferner Eure lieben Briefe vom 7., 15., 22. Oktober. Ich habe sofort die Vollmacht für den Rechtsanwalt Dr. Kurt Valentin (10) Torgau, Postschließfach 120 ausgestellt zur Übernahme der Vertretung meiner Angelegenheit bei den zuständigen Dienststellen. Ich werde darum bitten, daß der Brief heute noch abgeht. Eure lieben Worte haben mir so wohl getan und mich innerlich gestärkt u. erhoben. Habt innigen Dank für Eure Güte und all die Mühe und Arbeit, die Ihr für mich habt. Auch hat es mich beruhigt, daß Ihr bei den letzten Fliegerangriffen
unbeschädigt geblieben seid. An die davon betroffenen denke ich fortgesetzt. Aus Eurem Garten erhielt ich einmal Äpfel, die besonders gut waren. Meine Quartierleute Direktor Gerth sorgen - allwöchentlich mit Wäsche u. Stärkung für mich u. ich bin Ihnen dafür von Herzen dankbar. Wie schön, daß mein Patenkind, Heinis Söhnchen seit der Taufe so gute Fortschritte gemacht hat. Die treue Mutter wird schon für alles sorgen. Nun lebt wohl u. seid mit Alma u. Schwägerinnen herzlichst gegrüßt u. bedankt. Euer treuer Bruder
Hermann.
Viele gute Wünsche Tante Toni, die ins 81. Jahr geht. Ich sandte Euch bisher zwei Briefe am 13. u. 29. Oktober.

Brief von Hermann Kaiser an seine Schwestern Marie und Hedwig aus dem Zellengefängnis vom 9. November 1944 Privatbesitz
Abs. Hermann Kaiser, Berlin I, NW 40 Lehr[ter]strasse 3
9. November 1944
Fräulein Mariechen u. Hedwig Kaiser,
Kassel-Wilhelmshöhe. Kubergstr. 5
Meine lieben Schwestern.
Heute erhielt ich Eure ersten Briefe, ich war sehr glücklich und danke Euch für Euer treues Gedenken. Besonders habe ich mich über den Brief von Schwester Alma gefreut und die Nachrichten von Rüdiger. Er ist ja dort bei mir als mein Sohn aufgewachsen, und er wird in meinem Herzen immer mein Sohn bleiben. Ich bete zu Gott, daß er in allen Kämpfen besteht so wie er es bisher getan hat, nachdem er viermal verwundet war. Wenn er jetzt eine Batterie führt, so ist dies das schönste Kommando, das ein strebsamer, sich selbst getreuer Soldat haben kann. Vor 29 Jahren hatte ich das gleiche Kommando. - Ich erhielt ferner Eure lieben Briefe vom 7., 15., 22. Oktober. Ich habe sofort die Vollmacht für den Rechtsanwalt Dr. Kurt Valentin (10) Torgau, Postschließfach 120 ausgestellt zur Übernahme der Vertretung meiner Angelegenheit bei den zuständigen Dienststellen. Ich werde darum bitten, daß der Brief heute noch abgeht. Eure lieben Worte haben mir so wohl getan und mich innerlich gestärkt u. erhoben. Habt innigen Dank für Eure Güte und all die Mühe und Arbeit, die Ihr für mich habt. Auch hat es mich beruhigt, daß Ihr bei den letzten Fliegerangriffen
unbeschädigt geblieben seid. An die davon betroffenen denke ich fortgesetzt. Aus Eurem Garten erhielt ich einmal Äpfel, die besonders gut waren. Meine Quartierleute Direktor Gerth sorgen - allwöchentlich mit Wäsche u. Stärkung für mich u. ich bin Ihnen dafür von Herzen dankbar. Wie schön, daß mein Patenkind, Heinis Söhnchen seit der Taufe so gute Fortschritte gemacht hat. Die treue Mutter wird schon für alles sorgen. Nun lebt wohl u. seid mit Alma u. Schwägerinnen herzlichst gegrüßt u. bedankt. Euer treuer Bruder
Hermann.
Viele gute Wünsche Tante Toni, die ins 81. Jahr geht. Ich sandte Euch bisher zwei Briefe am 13. u. 29. Oktober.


Brief von Hermann Kaiser an seine Schwestern Marie und Hedwig aus dem Zellengefängnis vom 24. Dezember 1944 Privatbesitz
Abs. Hermann Kaiser Berlin 1 NW 40 Lehrterstr. 3
24. Dez. 1944
An Fräulein Mariechen und Hedwig Kaiser
Kassel-Wilhelmshöhe Kuhbergstr. 5
Meine lieben Geschwister.
Am heutigen Abend gedenke ich Euer alle und meiner geliebten Letta in Liebe und Treue. Vor mir liegt der Adventskranz von Alma, mit seinem kräftigen Duft ein Gruß aus der Heimat, in seiner Mitte leuchtet das Licht der Kleinen roten Kerze, die sie mir geschickt. In meinem Ohr erklingen die Weihnachtslieder, ich höre die Botschaft des Lukas Evangeliums, wie sie Hedwig immer vortrug. Und im Geiste bin ich vereint mit unseren teuren Eltern, die uns das Leben geschenkt und uns zuerst das Geheimnis der Weihnachtsbotschaft offenbart haben. Und mit ihnen erscheint uns das Bild unserer seligen Schwester Liesbeth, begleitet von dem treuen Gerwin Almas Sohn, der sein Leben für die Verteidigung des Vaterlandes dahingab und seine Gattin mit Töchterchen uns zu Schutz und Schirm überlassen hat. Unvergeßlich die Erinnerungen unserer Kindheit an diesen Tag und unermeßlich für uns heute die Kraft der Liebe, die aus jenem Quell des Opfergeistes entspringt, die uns alle ergreift und durchdringt in dem seligen Streben, Liebe auszustrahlen, zu helfen und zu geben, zu wirken und zu schaffen, zu kämpfen und zu opfern, selbstlos ohne Gedanken an sich, den Blick gerichtet auf das Ganze, das Volk, das Vaterland, die Mitmenschen, den Nächsten. Immer denke ich dabei an unsere braven Soldaten, die an der Front die härteste Pflicht erfüllen. Täglich bitte ich Gott um Kraft für sie und Stärkung für ihre Seele. Das gilt auch für Rüdiger, den das Vertrauen seiner Vorgesetzten gewürdigt hat, mit sehr jungen Jahren ein wichtiges Amt zu bekleiden. Ich hatte am 21. einen Brief vom 12. Nov. von ihm, in dem er mir zu meiner Freude mitteilt, daß er im Osten auf mir vertrautem Schlachtfeld Chef einer schweren Batterie ist. Und so habe ich seiner heute Abend sehr gedacht, wie er gewiß das Wort an seine ihm anvertrauten Soldaten richtete. Der Geist von Eberbach wird ihn dabei geleitet haben, und so stand ich in jenem Augenblick hinter ihm. Gott schütze ihn auch fernerhin. - Wie mag Bruder Heinrich beseeligt gewesen sein, als er zum ersten Mal das Licht des Weihn. Baumes auch in den Augen seines Knäbleins Peter Michael spiegeln sah und Mutter und Großmutter im Zuschauen ihre stille Freude hatten. Ja, die Phantasie der künstlerischen Seele ist unerschöpflich und in der Tiefe der Empfindungen unergründlich. Mit Andacht las ich in diesen Tagen über das Bild Leonardos d.V. "Die Madonna in der Felsgrotte" aus den Vorträgen Otto Försters, die mir Letta gerade geschickt hatte. Dort kniet die Mutter Marie, beseeligt im Glück gestillt in Demut, im Anblick der zum "Spiel" sich findenden Kinder. Die Studie, der Kopf des Johannesknaben (Louvre) wird Heinrich später zu ähnlichen Versuchen inspirieren. Ich mache ihn übrigens aufmerksam auf ein neues großes Werk über Leonardo da Vinci von Heydenreich, das in diesen Wochen erschienen ist. Er wird es gewiß in der Bibliothek der Dresdner Kunstsammlungen erhalten. Wie schön wäre es, wenn er einmal Ludwigs Kindern, die dafür so empfänglich sind, Vortrag halten wollte. Ich habe sie alle 4 mit ihrer Mutter Anning in mein Herz geschlossen; auch sie dienen der holden Kunst, jede in ihrer Weise und zugleich dem Leben, alle in Ehrfurcht vor Gott, der ihnen die Gabe verliehen und Auftrag zum Dienst an den Menschen gegeben hat. Ihr lieben Geschwister! Ihr habt mich am 21. u. dann überraschend am Heiligen Abend so reich mit Gaben bedacht, daß ich Euch nicht genug danken kann. Es ist viel zu viel. Durch Eure Güte konnte ich noch andere beglücken lassen, die nichts hatten. Und das war die schönste Freude. Leise klang mir durchs Gemüt: "Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still./er betet an und er ermißt, des Gottes Lieb mein Hirte ist." - Meine fortdauernden Gedanken gelten Euch mit meinen innigsten Wünschen für Euer Wohlergehen im Namen Jesu. Möge es dem Vaterland den Frieden bescheren. Euch alle grüße ich in Dankbarkeit und bitte Euch, die Verwandten - insb. Tony - und die Freunde zu grüßen, und Letta bitte ich um Grüße an die teure Mutter und Schwester
Immer Euer treuer Bruder Hermann.
Ich habe alles erhalten, die guten Gaben von Alma, Letta Gerths und Helene, von Anning u. Irmgard, und war ebenso überrascht wie gerührt. Diesen Brief gebe ich am 26./12. ab. Wenn Ihr Klärchen Wetzell einmal sehen solltet, so grüßt sie viel 1000 Mal.
26/12 Gestern erhielt ich Lettas schönes Buch über G v Humboldt, die Tochter Wilhelms v H. wunderbare Menschen

Brief von Hermann Kaiser an seine Schwestern Marie und Hedwig aus dem Zellengefängnis vom 24. Dezember 1944 Privatbesitz
Abs. Hermann Kaiser Berlin 1 NW 40 Lehrterstr. 3
24. Dez. 1944
An Fräulein Mariechen und Hedwig Kaiser
Kassel-Wilhelmshöhe Kuhbergstr. 5
Meine lieben Geschwister.
Am heutigen Abend gedenke ich Euer alle und meiner geliebten Letta in Liebe und Treue. Vor mir liegt der Adventskranz von Alma, mit seinem kräftigen Duft ein Gruß aus der Heimat, in seiner Mitte leuchtet das Licht der Kleinen roten Kerze, die sie mir geschickt. In meinem Ohr erklingen die Weihnachtslieder, ich höre die Botschaft des Lukas Evangeliums, wie sie Hedwig immer vortrug. Und im Geiste bin ich vereint mit unseren teuren Eltern, die uns das Leben geschenkt und uns zuerst das Geheimnis der Weihnachtsbotschaft offenbart haben. Und mit ihnen erscheint uns das Bild unserer seligen Schwester Liesbeth, begleitet von dem treuen Gerwin Almas Sohn, der sein Leben für die Verteidigung des Vaterlandes dahingab und seine Gattin mit Töchterchen uns zu Schutz und Schirm überlassen hat. Unvergeßlich die Erinnerungen unserer Kindheit an diesen Tag und unermeßlich für uns heute die Kraft der Liebe, die aus jenem Quell des Opfergeistes entspringt, die uns alle ergreift und durchdringt in dem seligen Streben, Liebe auszustrahlen, zu helfen und zu geben, zu wirken und zu schaffen, zu kämpfen und zu opfern, selbstlos ohne Gedanken an sich, den Blick gerichtet auf das Ganze, das Volk, das Vaterland, die Mitmenschen, den Nächsten. Immer denke ich dabei an unsere braven Soldaten, die an der Front die härteste Pflicht erfüllen. Täglich bitte ich Gott um Kraft für sie und Stärkung für ihre Seele. Das gilt auch für Rüdiger, den das Vertrauen seiner Vorgesetzten gewürdigt hat, mit sehr jungen Jahren ein wichtiges Amt zu bekleiden. Ich hatte am 21. einen Brief vom 12. Nov. von ihm, in dem er mir zu meiner Freude mitteilt, daß er im Osten auf mir vertrautem Schlachtfeld Chef einer schweren Batterie ist. Und so habe ich seiner heute Abend sehr gedacht, wie er gewiß das Wort an seine ihm anvertrauten Soldaten richtete. Der Geist von Eberbach wird ihn dabei geleitet haben, und so stand ich in jenem Augenblick hinter ihm. Gott schütze ihn auch fernerhin. - Wie mag Bruder Heinrich beseeligt gewesen sein, als er zum ersten Mal das Licht des Weihn. Baumes auch in den Augen seines Knäbleins Peter Michael spiegeln sah und Mutter und Großmutter im Zuschauen ihre stille Freude hatten. Ja, die Phantasie der künstlerischen Seele ist unerschöpflich und in der Tiefe der Empfindungen unergründlich. Mit Andacht las ich in diesen Tagen über das Bild Leonardos d.V. "Die Madonna in der Felsgrotte" aus den Vorträgen Otto Försters, die mir Letta gerade geschickt hatte. Dort kniet die Mutter Marie, beseeligt im Glück gestillt in Demut, im Anblick der zum "Spiel" sich findenden Kinder. Die Studie, der Kopf des Johannesknaben (Louvre) wird Heinrich später zu ähnlichen Versuchen inspirieren. Ich mache ihn übrigens aufmerksam auf ein neues großes Werk über Leonardo da Vinci von Heydenreich, das in diesen Wochen erschienen ist. Er wird es gewiß in der Bibliothek der Dresdner Kunstsammlungen erhalten. Wie schön wäre es, wenn er einmal Ludwigs Kindern, die dafür so empfänglich sind, Vortrag halten wollte. Ich habe sie alle 4 mit ihrer Mutter Anning in mein Herz geschlossen; auch sie dienen der holden Kunst, jede in ihrer Weise und zugleich dem Leben, alle in Ehrfurcht vor Gott, der ihnen die Gabe verliehen und Auftrag zum Dienst an den Menschen gegeben hat. Ihr lieben Geschwister! Ihr habt mich am 21. u. dann überraschend am Heiligen Abend so reich mit Gaben bedacht, daß ich Euch nicht genug danken kann. Es ist viel zu viel. Durch Eure Güte konnte ich noch andere beglücken lassen, die nichts hatten. Und das war die schönste Freude. Leise klang mir durchs Gemüt: "Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still./er betet an und er ermißt, des Gottes Lieb mein Hirte ist." - Meine fortdauernden Gedanken gelten Euch mit meinen innigsten Wünschen für Euer Wohlergehen im Namen Jesu. Möge es dem Vaterland den Frieden bescheren. Euch alle grüße ich in Dankbarkeit und bitte Euch, die Verwandten - insb. Tony - und die Freunde zu grüßen, und Letta bitte ich um Grüße an die teure Mutter und Schwester
Immer Euer treuer Bruder Hermann.
Ich habe alles erhalten, die guten Gaben von Alma, Letta Gerths und Helene, von Anning u. Irmgard, und war ebenso überrascht wie gerührt. Diesen Brief gebe ich am 26./12. ab. Wenn Ihr Klärchen Wetzell einmal sehen solltet, so grüßt sie viel 1000 Mal.
26/12 Gestern erhielt ich Lettas schönes Buch über G v Humboldt, die Tochter Wilhelms v H. wunderbare Menschen

Brief von Hermann Kaiser an seine Schwestern Marie und Hedwig aus dem Zellengefängnis vom 24. Dezember 1944 Privatbesitz
Abs. Hermann Kaiser Berlin 1 NW 40 Lehrterstr. 3
24. Dez. 1944
An Fräulein Mariechen und Hedwig Kaiser
Kassel-Wilhelmshöhe Kuhbergstr. 5
Meine lieben Geschwister.
Am heutigen Abend gedenke ich Euer alle und meiner geliebten Letta in Liebe und Treue. Vor mir liegt der Adventskranz von Alma, mit seinem kräftigen Duft ein Gruß aus der Heimat, in seiner Mitte leuchtet das Licht der Kleinen roten Kerze, die sie mir geschickt. In meinem Ohr erklingen die Weihnachtslieder, ich höre die Botschaft des Lukas Evangeliums, wie sie Hedwig immer vortrug. Und im Geiste bin ich vereint mit unseren teuren Eltern, die uns das Leben geschenkt und uns zuerst das Geheimnis der Weihnachtsbotschaft offenbart haben. Und mit ihnen erscheint uns das Bild unserer seligen Schwester Liesbeth, begleitet von dem treuen Gerwin Almas Sohn, der sein Leben für die Verteidigung des Vaterlandes dahingab und seine Gattin mit Töchterchen uns zu Schutz und Schirm überlassen hat. Unvergeßlich die Erinnerungen unserer Kindheit an diesen Tag und unermeßlich für uns heute die Kraft der Liebe, die aus jenem Quell des Opfergeistes entspringt, die uns alle ergreift und durchdringt in dem seligen Streben, Liebe auszustrahlen, zu helfen und zu geben, zu wirken und zu schaffen, zu kämpfen und zu opfern, selbstlos ohne Gedanken an sich, den Blick gerichtet auf das Ganze, das Volk, das Vaterland, die Mitmenschen, den Nächsten. Immer denke ich dabei an unsere braven Soldaten, die an der Front die härteste Pflicht erfüllen. Täglich bitte ich Gott um Kraft für sie und Stärkung für ihre Seele. Das gilt auch für Rüdiger, den das Vertrauen seiner Vorgesetzten gewürdigt hat, mit sehr jungen Jahren ein wichtiges Amt zu bekleiden. Ich hatte am 21. einen Brief vom 12. Nov. von ihm, in dem er mir zu meiner Freude mitteilt, daß er im Osten auf mir vertrautem Schlachtfeld Chef einer schweren Batterie ist. Und so habe ich seiner heute Abend sehr gedacht, wie er gewiß das Wort an seine ihm anvertrauten Soldaten richtete. Der Geist von Eberbach wird ihn dabei geleitet haben, und so stand ich in jenem Augenblick hinter ihm. Gott schütze ihn auch fernerhin. - Wie mag Bruder Heinrich beseeligt gewesen sein, als er zum ersten Mal das Licht des Weihn. Baumes auch in den Augen seines Knäbleins Peter Michael spiegeln sah und Mutter und Großmutter im Zuschauen ihre stille Freude hatten. Ja, die Phantasie der künstlerischen Seele ist unerschöpflich und in der Tiefe der Empfindungen unergründlich. Mit Andacht las ich in diesen Tagen über das Bild Leonardos d.V. "Die Madonna in der Felsgrotte" aus den Vorträgen Otto Försters, die mir Letta gerade geschickt hatte. Dort kniet die Mutter Marie, beseeligt im Glück gestillt in Demut, im Anblick der zum "Spiel" sich findenden Kinder. Die Studie, der Kopf des Johannesknaben (Louvre) wird Heinrich später zu ähnlichen Versuchen inspirieren. Ich mache ihn übrigens aufmerksam auf ein neues großes Werk über Leonardo da Vinci von Heydenreich, das in diesen Wochen erschienen ist. Er wird es gewiß in der Bibliothek der Dresdner Kunstsammlungen erhalten. Wie schön wäre es, wenn er einmal Ludwigs Kindern, die dafür so empfänglich sind, Vortrag halten wollte. Ich habe sie alle 4 mit ihrer Mutter Anning in mein Herz geschlossen; auch sie dienen der holden Kunst, jede in ihrer Weise und zugleich dem Leben, alle in Ehrfurcht vor Gott, der ihnen die Gabe verliehen und Auftrag zum Dienst an den Menschen gegeben hat. Ihr lieben Geschwister! Ihr habt mich am 21. u. dann überraschend am Heiligen Abend so reich mit Gaben bedacht, daß ich Euch nicht genug danken kann. Es ist viel zu viel. Durch Eure Güte konnte ich noch andere beglücken lassen, die nichts hatten. Und das war die schönste Freude. Leise klang mir durchs Gemüt: "Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still./er betet an und er ermißt, des Gottes Lieb mein Hirte ist." - Meine fortdauernden Gedanken gelten Euch mit meinen innigsten Wünschen für Euer Wohlergehen im Namen Jesu. Möge es dem Vaterland den Frieden bescheren. Euch alle grüße ich in Dankbarkeit und bitte Euch, die Verwandten - insb. Tony - und die Freunde zu grüßen, und Letta bitte ich um Grüße an die teure Mutter und Schwester
Immer Euer treuer Bruder Hermann.
Ich habe alles erhalten, die guten Gaben von Alma, Letta Gerths und Helene, von Anning u. Irmgard, und war ebenso überrascht wie gerührt. Diesen Brief gebe ich am 26./12. ab. Wenn Ihr Klärchen Wetzell einmal sehen solltet, so grüßt sie viel 1000 Mal.
26/12 Gestern erhielt ich Lettas schönes Buch über G v Humboldt, die Tochter Wilhelms v H. wunderbare Menschen

Brief von Hermann Kaiser an seine Schwestern Marie und Hedwig aus dem Zellengefängnis vom 24. Dezember 1944 Privatbesitz
Abs. Hermann Kaiser Berlin 1 NW 40 Lehrterstr. 3
24. Dez. 1944
An Fräulein Mariechen und Hedwig Kaiser
Kassel-Wilhelmshöhe Kuhbergstr. 5
Meine lieben Geschwister.
Am heutigen Abend gedenke ich Euer alle und meiner geliebten Letta in Liebe und Treue. Vor mir liegt der Adventskranz von Alma, mit seinem kräftigen Duft ein Gruß aus der Heimat, in seiner Mitte leuchtet das Licht der Kleinen roten Kerze, die sie mir geschickt. In meinem Ohr erklingen die Weihnachtslieder, ich höre die Botschaft des Lukas Evangeliums, wie sie Hedwig immer vortrug. Und im Geiste bin ich vereint mit unseren teuren Eltern, die uns das Leben geschenkt und uns zuerst das Geheimnis der Weihnachtsbotschaft offenbart haben. Und mit ihnen erscheint uns das Bild unserer seligen Schwester Liesbeth, begleitet von dem treuen Gerwin Almas Sohn, der sein Leben für die Verteidigung des Vaterlandes dahingab und seine Gattin mit Töchterchen uns zu Schutz und Schirm überlassen hat. Unvergeßlich die Erinnerungen unserer Kindheit an diesen Tag und unermeßlich für uns heute die Kraft der Liebe, die aus jenem Quell des Opfergeistes entspringt, die uns alle ergreift und durchdringt in dem seligen Streben, Liebe auszustrahlen, zu helfen und zu geben, zu wirken und zu schaffen, zu kämpfen und zu opfern, selbstlos ohne Gedanken an sich, den Blick gerichtet auf das Ganze, das Volk, das Vaterland, die Mitmenschen, den Nächsten. Immer denke ich dabei an unsere braven Soldaten, die an der Front die härteste Pflicht erfüllen. Täglich bitte ich Gott um Kraft für sie und Stärkung für ihre Seele. Das gilt auch für Rüdiger, den das Vertrauen seiner Vorgesetzten gewürdigt hat, mit sehr jungen Jahren ein wichtiges Amt zu bekleiden. Ich hatte am 21. einen Brief vom 12. Nov. von ihm, in dem er mir zu meiner Freude mitteilt, daß er im Osten auf mir vertrautem Schlachtfeld Chef einer schweren Batterie ist. Und so habe ich seiner heute Abend sehr gedacht, wie er gewiß das Wort an seine ihm anvertrauten Soldaten richtete. Der Geist von Eberbach wird ihn dabei geleitet haben, und so stand ich in jenem Augenblick hinter ihm. Gott schütze ihn auch fernerhin. - Wie mag Bruder Heinrich beseeligt gewesen sein, als er zum ersten Mal das Licht des Weihn. Baumes auch in den Augen seines Knäbleins Peter Michael spiegeln sah und Mutter und Großmutter im Zuschauen ihre stille Freude hatten. Ja, die Phantasie der künstlerischen Seele ist unerschöpflich und in der Tiefe der Empfindungen unergründlich. Mit Andacht las ich in diesen Tagen über das Bild Leonardos d.V. "Die Madonna in der Felsgrotte" aus den Vorträgen Otto Försters, die mir Letta gerade geschickt hatte. Dort kniet die Mutter Marie, beseeligt im Glück gestillt in Demut, im Anblick der zum "Spiel" sich findenden Kinder. Die Studie, der Kopf des Johannesknaben (Louvre) wird Heinrich später zu ähnlichen Versuchen inspirieren. Ich mache ihn übrigens aufmerksam auf ein neues großes Werk über Leonardo da Vinci von Heydenreich, das in diesen Wochen erschienen ist. Er wird es gewiß in der Bibliothek der Dresdner Kunstsammlungen erhalten. Wie schön wäre es, wenn er einmal Ludwigs Kindern, die dafür so empfänglich sind, Vortrag halten wollte. Ich habe sie alle 4 mit ihrer Mutter Anning in mein Herz geschlossen; auch sie dienen der holden Kunst, jede in ihrer Weise und zugleich dem Leben, alle in Ehrfurcht vor Gott, der ihnen die Gabe verliehen und Auftrag zum Dienst an den Menschen gegeben hat. Ihr lieben Geschwister! Ihr habt mich am 21. u. dann überraschend am Heiligen Abend so reich mit Gaben bedacht, daß ich Euch nicht genug danken kann. Es ist viel zu viel. Durch Eure Güte konnte ich noch andere beglücken lassen, die nichts hatten. Und das war die schönste Freude. Leise klang mir durchs Gemüt: "Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still./er betet an und er ermißt, des Gottes Lieb mein Hirte ist." - Meine fortdauernden Gedanken gelten Euch mit meinen innigsten Wünschen für Euer Wohlergehen im Namen Jesu. Möge es dem Vaterland den Frieden bescheren. Euch alle grüße ich in Dankbarkeit und bitte Euch, die Verwandten - insb. Tony - und die Freunde zu grüßen, und Letta bitte ich um Grüße an die teure Mutter und Schwester
Immer Euer treuer Bruder Hermann.
Ich habe alles erhalten, die guten Gaben von Alma, Letta Gerths und Helene, von Anning u. Irmgard, und war ebenso überrascht wie gerührt. Diesen Brief gebe ich am 26./12. ab. Wenn Ihr Klärchen Wetzell einmal sehen solltet, so grüßt sie viel 1000 Mal.
26/12 Gestern erhielt ich Lettas schönes Buch über G v Humboldt, die Tochter Wilhelms v H. wunderbare Menschen


Hermann Kaiser vor dem „Volksgerichtshof”, 17. Januar 1945 Gedenkstätte Deutscher Widerstand


Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Hermann Kaiser und Busso Thoma vom 17. Januar 1945 Bundesarchiv, NS 6/22

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Hermann Kaiser und Busso Thoma vom 17. Januar 1945 Bundesarchiv, NS 6/22

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Hermann Kaiser und Busso Thoma vom 17. Januar 1945 Bundesarchiv, NS 6/22

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Hermann Kaiser und Busso Thoma vom 17. Januar 1945 Bundesarchiv, NS 6/22

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Hermann Kaiser und Busso Thoma vom 17. Januar 1945 Bundesarchiv, NS 6/22

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Hermann Kaiser und Busso Thoma vom 17. Januar 1945 Bundesarchiv, NS 6/22

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Hermann Kaiser und Busso Thoma vom 17. Januar 1945 Bundesarchiv, NS 6/22

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Hermann Kaiser und Busso Thoma vom 17. Januar 1945 Bundesarchiv, NS 6/22

Urteil des „Volksgerichtshofs“ gegen Hermann Kaiser und Busso Thoma vom 17. Januar 1945 Bundesarchiv, NS 6/22
