Adam Kaiser
10. Dezember 1987, Hammelburg
Adam Kaiser wächst als eines von zehn Kindern des Buchbindermeisters Johann Kaiser und dessen Frau Elisabeth im unterfränkischen Hammelburg auf, sein Vater ist in kommunalen Ämtern tätig.
Adam Kaiser wird ebenfalls Buchbinder und übernimmt das väterliche Geschäft. 1920 tritt er in die Bayerische Volkspartei (BVP) ein und engagiert sich kommunalpolitisch als Ratsherr im Stadtrat von Hammelburg. Im Juni 1933 wird die BVP verboten, Adam Kaiser seines Amtes enthoben und kurzzeitig inhaftiert.
Sein zwei Jahre älterer Bruder Jakob Kaiser ist christlicher Gewerkschafter, bis 1933 stellvertretender Vorsitzender der Zentrumspartei und verbindet während der NS-Zeit christliche und militärische Widerstandskreise mit Gewerkschaftern. Nach dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 kann er in Babelsberg untertauchen.
Adam Kaiser wird am 21. Januar 1945 an der Front im Elsaß festgenommen, nach Berlin überstellt und am 23. Januar in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße eingeliefert. Ihm wird Mitwisserschaft vorgeworfen, es kommt jedoch zu keiner Verurteilung mehr durch den „Volksgerichtshof”. Am 23. April wird er der Justizverwaltung überstellt und zwei Tage später aus der Haft entlassen.
Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt gehört er zu den Mitbegründern der dortigen CSU und wird im Januar 1946 zum Bürgermeister gewählt. Von 1948 bis 1970 ist er Landrat im Landkreis Hammelburg.
Meine geringe Kenntnis über diese Vorgänge [Mordaktionen der Gestapo Ende April 1945] während der letzten Hafttage liegt in meinem damaligen schlechten Gesundheitszustand begründet. Ich hatte Anfang April 1945 einen Herzinfarkt erlitten und in meiner Haftzeit derart an Körpergerwicht verloren, daß ich bei meiner Entlassung nur noch ca. 90 Pfund wog. Aus vorstehenden Gründen habe ich die turbulenten Ereignisse der letzten Apriltage 1945 nur noch schwach bzw. unklar in Erinnerung.
Aussage von Adam Kaiser über seinen gesundheitlichen Zustand und die Mordaktionen der Gestapo im April 1945, 16. März 1967
Quelle: Bundesarchiv, B 162/3232




