Štefan Jurech
Februar 1945, KZ Flossenbürg
Štefan Jurech wird Berufsoffizier in der österreichisch-ungarischen Armee und nimmt am Ersten Weltkrieg teil. Nach Kriegsende meldet er sich im Dezember 1918 zur neu gegründeten tschechoslowakischen Armee und absolviert eine Generalstabsausbildung.
Anfang 1939 wird er Amtsvorsteher der autonomen Slowakei beim Ministerium für Verteidigung in Prag. Kurz nach der Entstehung der Ersten Slowakischen Republik wird er Stabschef des Oberkommandos und ab 1940 Stabschef der Kommandantur des Landheeres und 1941 zum Militärattaché in Budapest und Bukarest ernannt. Im Mai 1942 übernimmt er das Kommando der slowakischen Luftwaffe und wird im September 1942 Kommandant der Schnellen Division an der Ostfront.
Jurech nimmt Kontakt zur sowjetischen Seite auf und plant ein organisiertes Überlaufen der Division. Obwohl die Pläne scheitern, wird gegen ihn ermittelt und er im September 1943 als Kommandant abgesetzt, er wechselt dann an das Militärhistorische Institut in Trencin.
Štefan Jurech steht in Verbindung zur slowakischen Widerstandsbewegung und wird im Frühling 1944 als möglicher Kommandant eines militärischen Aufstandes in der Slowakei vorgeschlagen. Aus Angst, von der Gestapo überwacht zu werden, lehnt er dies jedoch ab. Nach dem Beginn des Slowakischen Nationalaufstandes wird er im September 1944 festgenommen, von der Gestapo in Wien verhört und Anfang Januar 1945 nach Berlin gebracht und am 5. Januar in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert.
Am 6. Februar wird er laut Haftbuch in die Prinz-Albrecht-Straße 8 gebracht. Wahrscheinlich wird er noch im Februar 1945 im KZ Flossenbürg ermordet.
Am 7. Februar [6.2.], als sie mich aus Moabit ins Reichssicherheitshauptamt fuhren, stand ich am Gang mit dem Gesicht zur Wand und wartete auf die Abfahrt. Wir waren mehrere. … [Štefan] Jurech hatte sehr gute Laune. ... Fröhlich gab er mir bekannt, dass er aus Moabit entlassen und laut der Gestapo nach Hause gehen würde. Ich beneidete ihn. Ich wünschte ihm viel Glück und bat ihn, meine Familie zu grüßen und ihnen auszurichten, dass ich gut aussähe und es mir halbwegs gut ginge. Ich bat ihn kein Wort darüber zu verlieren, dass ich verletzt und abgemagert war. ... Damals ahnte ich nicht, dass ich ihn nie wieder sehen würde.
Imrich Karvaš über seine letzte Begegnung mit Štefan Jurech im Zellengefängnis am 6. oder 7. Februar 1945
Quelle: Imrich Karvaš, Moje pamäti. V pazuroch Gestapa, Bratislava 1994.


