Carl Jörn
5. Januar 1982, Princetown, New York
Carl Jörn wächst als Pfarrersohn in Berlin-Steglitz auf und studiert Medizin und Philosophie in Berlin, Freiburg und Bonn. 1933/34 ist er als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Psychologie der Universität Bonn tätig und promoviert 1934 zum Dr. phil. und 1935 zum Dr. med. Von 1936 bis 1938 ist er als Assistent an der Neurologischen Klinik der Universität Berlin tätig.
Carl Jörn ist seit Ende der 1930er Jahre mit Nikolaus Christoph von Halem befreundet, der am 16. Juni 1944 vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt und am 9. Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden ermordet wird. Im Dezember 1943 wird Carl Jörn für einige Wochen in Freiburg wegen eines Drogendelikts inhaftiert.
Am 22. November 1944 wird er erneut festgenommen und in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert. Inwieweit seine Festnahme im Zusammenhang mit seinen Kontakten zu Halem steht, ist ungeklärt. Carl Jörn wird am 8. Februar 1945 in das Gefängnis in der Großen Hamburger Straße 26 überstellt und am 24. März 1945 aus der Haft entlassen.
Ab Mai 1945 ist er als Arzt im Hilfskrankenhaus Wannsee tätig und emigriert später in die USA.
Die Haft auf der Lehrterstrasse war besonders verschärft insofern als ich ... über einen Monat in einer ungeheizten Zelle mit verkürzten Rationen gefangen gehalten wurde. Lebensrettend wirkte das Eingreifen des Kalfaktors Theo Baensch, der auf eigene Verantwortung mich in eine geheizte Zelle umquartierte und für zusätzliche Nahrung sorgte. Trotzdem ist mein Gesundheitszustand soweit geschädigt, dass eine völlige Wiederherstellung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist.
Carl Jörn über die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße, 1. November 1945
Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep 118-01, Nr. 23251


