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Carl Jörn

21. Juli 1909, Berlin
5. Januar 1982, Princetown, New York

Carl Jörn wächst als Pfarrer­sohn in Berlin-Steglitz auf und studiert Medizin und Philo­sophie in Berlin, Frei­burg und Bonn. 1933/34 ist er als wissen­schaft­licher Assis­tent am Institut für Psycho­logie der Uni­versität Bonn tätig und promo­viert 1934 zum Dr. phil. und 1935 zum Dr. med. Von 1936 bis 1938 ist er als Assis­tent an der Neuro­logi­schen Klinik der Uni­versi­tät Berlin tätig. 

Carl Jörn ist seit Ende der 1930er Jahre mit Nikolaus Christoph von Halem befreun­det, der am 16. Juni 1944 vom „Volks­ge­richts­hof” zum Tode ver­ur­teilt und am 9. Okto­ber 1944 im Zucht­haus Bran­den­burg-Gör­den ermor­det wird. Im Dezem­ber 1943 wird Carl Jörn für einige Wochen in Frei­burg wegen eines Drogen­delikts inhaf­tiert. 

Am 22. November 1944 wird er erneut festge­nom­men und in die Gesta­po-Abtei­lung des Zellen­ge­fäng­nisses Lehrter Straße 3 einge­liefert. Inwie­weit seine Fest­nahme im Zusam­men­hang mit seinen Kontakten zu Halem steht, ist unge­klärt. Carl Jörn wird am 8. Februar 1945 in das Gefängnis in der Großen Ham­burger Straße 26 über­stellt und am 24. März 1945 aus der Haft ent­lassen. 

Ab Mai 1945 ist er als Arzt im Hilfs­kranken­haus Wann­see tätig und emigriert später in die USA. 

Die Haft auf der Lehrter­strasse war beson­ders ver­schärft insofern als ich ... über einen Monat in einer unge­heizten Zelle mit ver­kürz­ten Rationen gefangen gehalten wurde. Lebens­rettend wirkte das Ein­greifen des Kalfak­tors Theo Baensch, der auf eigene Verant­wortung mich in eine geheizte Zelle umquar­tierte und für zusätz­liche Nahrung sorgte. Trotzdem ist mein Gesund­heits­zustand soweit geschä­digt, dass eine völlige Wieder­her­stellung in abseh­barer Zeit nicht zu erwarten ist.

Carl Jörn über die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße, 1. November 1945

Quelle: Landesarchiv Berlin, C Rep 118-01, Nr. 23251

Portrait: Carl JörnCarl Jörn, um 1945