Sydney Jessen
30. Juni 1965, Waldshut
Sydney Jessen, Sohn eines Mediziners und seiner aus Australien stammenden Frau, tritt 1911 in die Kaiserliche Marine ein und gerät nach der Versenkung der „Gneisenau” 1914 in britische Kriegsgefangenschaft. 1919 als Oberleutnant zur See verabschiedet, promoviert er 1923 in Berlin zum Dr. rer. pol. und ist als Privatsekretär des Reichstagsabgeordneten Otto Fürst von Bismarck tätig. 1930 übernimmt er in Laufen/Baden ein Weingut der Familie seiner Frau Helene Gräfin von Zeppelin und gründet eine Winzergenossenschaft. 1934 muss er alle öffentlichen Tätigkeiten aufgeben.
Ab 1939 dient Sydney Jessen als Kapitänleutnant im Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) in der Nachrichtenabteilung. 1943 erfährt er von Berthold von Stauffenberg und Alfred Kranzfelder von den Umsturzplanungen. Die Kontrolle über den Nachrichtenapparat des OKM zu erlangen, scheidet wegen der Unzahl selbstständiger Dienststellen aus.
Mitte Juli 1944 erfährt Jessen über Alexander Anton Graf von Welsburg von dem unmittelbar bevorstehenden Attentat und ist selbst am Umsturzversuchs nicht beteiligt. Er wird jedoch durch eine Denunziation des Defätismus beschuldigt.
Sydney Jessen wird am 28. Juli 1944 festgenommen, am 6. August in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert und Ende August 1944 aus der Kriegsmarine ausgestoßen. Zu seiner im April 1945 geplanten Aburteilung durch den „Volksgerichtshof” kommt es kriegsbedingt nicht mehr und er wird am 25. April 1945 aus der Haft entlassen.

