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Paulus van Husen

26. Februar 1891, Horst/Westfalen
1. September 1971, Münster

Paulus van Husen wird 1920 Regie­rungs­assessor und 1921 stell­ver­treten­der Land­rat in Schle­sien. Als politischer Dezer­nent beim Re­gie­rungs­präsidenten in Oppeln gewinnt er Ein­blick in die Aus­ein­ander­setzungen zwischen Polen und Deutschen und gehört bald zu den führen­den schle­sischen Poli­tikern aus der ka­tho­lischen Zen­trums­partei. 1926 wird er haup­tamtliches Mit­glied der Gemischten Kom­mis­sion für Ober­schlesien und be­müht sich um einen Aus­gleich zwi­schen Deutschen und Polen. 

Zwischen 1934 und 1940 als Ober­ver­wal­tungs­gerichts­rat beim Preu­ßischen Ober­ver­wal­tungs­gericht in Berlin tätig, wird er im Mai 1940 zum Ober­komman­do der Wehr­macht in Berlin ein­berufen und beginnt regel­mäßig im Krei­sauer Kreis mit­zuar­beiten. In einer neuen Regie­rung ist er als Staats­sekre­tär im Innen­minis­terium vor­gesehen. 

Nach dem Schei­tern des Um­sturz­versuches wird er am 12. Oktober 1944 fest­genom­men und in die Gesta­po­abteilung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 ein­gelie­fert. Am 23. Okto­ber wird er in den Zellen­bau des Kon­zen­trations­lagers Ravens­brück über­stellt und nach Abschluss der Ver­höre am 6. Ja­nuar in die Lehrter Stra­ße zurück­gebracht. 

Paulus van Husen wird am 19. April 1945 vom „Volks­ge­richts­hof” zu drei Jahren Zucht­haus ver­ur­teilt, am 23. April in das Straf­gefäng­nis Plötzen­see über­stellt und dort am 25. April von sowje­tischen Trup­pen befreit. 

Nach Kriegs­ende gehört Paulus van Husen zu den Mit­begrün­dern der CDU in Berlin und ist zwischen 1949 und 1959 Präsi­dent des Ober­verwal­tungs­gerichtes und des Ver­fassungs­gerichts­hofes von Nord­rhein-West­falen.

Die Luft­angriffe waren an sich hinreichend furcht­bar. Sie wurden zu maßloser Quälerei für Gefangene, die man im obersten dritten Stockwerk eines nur mit schmalen, verwinkelten Stiegen ver­sehenen Gebäudes allein eingesperrt ließ, während die Wächter erbarmungs­los ihren Luft­schutz­raum aufsuchten. In den beiden Zellen neben mir schlugen Stab­brand­bomben durch, derer die Insassen Herr wurden. …  Die Gefan­genen hämmerten bei den Angriffen mit den Schemeln wie wilde Tiere ohn­mächtig gegen die Eisen­türen. Niemand hörte sie.

Paulus van Husen über die in der Haft im Zellengefängnis erlebten Luftangriffe

Quelle: Karl-Joseph Hummel (Bearb.), Paulus van Husen 1891-1971. Erinnerungen eines Juristen vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik Deutschland. Paderborn u.a. 2010, S. 365.

Portrait: Paulus van HusenPaulus van Husen, nach 1945