Paulus van Husen
1. September 1971, Münster
Paulus van Husen wird 1920 Regierungsassessor und 1921 stellvertretender Landrat in Schlesien. Als politischer Dezernent beim Regierungspräsidenten in Oppeln gewinnt er Einblick in die Auseinandersetzungen zwischen Polen und Deutschen und gehört bald zu den führenden schlesischen Politikern aus der katholischen Zentrumspartei. 1926 wird er hauptamtliches Mitglied der Gemischten Kommission für Oberschlesien und bemüht sich um einen Ausgleich zwischen Deutschen und Polen.
Zwischen 1934 und 1940 als Oberverwaltungsgerichtsrat beim Preußischen Oberverwaltungsgericht in Berlin tätig, wird er im Mai 1940 zum Oberkommando der Wehrmacht in Berlin einberufen und beginnt regelmäßig im Kreisauer Kreis mitzuarbeiten. In einer neuen Regierung ist er als Staatssekretär im Innenministerium vorgesehen.
Nach dem Scheitern des Umsturzversuches wird er am 12. Oktober 1944 festgenommen und in die Gestapoabteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert. Am 23. Oktober wird er in den Zellenbau des Konzentrationslagers Ravensbrück überstellt und nach Abschluss der Verhöre am 6. Januar in die Lehrter Straße zurückgebracht.
Paulus van Husen wird am 19. April 1945 vom „Volksgerichtshof” zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, am 23. April in das Strafgefängnis Plötzensee überstellt und dort am 25. April von sowjetischen Truppen befreit.
Nach Kriegsende gehört Paulus van Husen zu den Mitbegründern der CDU in Berlin und ist zwischen 1949 und 1959 Präsident des Oberverwaltungsgerichtes und des Verfassungsgerichtshofes von Nordrhein-Westfalen.
Die Luftangriffe waren an sich hinreichend furchtbar. Sie wurden zu maßloser Quälerei für Gefangene, die man im obersten dritten Stockwerk eines nur mit schmalen, verwinkelten Stiegen versehenen Gebäudes allein eingesperrt ließ, während die Wächter erbarmungslos ihren Luftschutzraum aufsuchten. In den beiden Zellen neben mir schlugen Stabbrandbomben durch, derer die Insassen Herr wurden. … Die Gefangenen hämmerten bei den Angriffen mit den Schemeln wie wilde Tiere ohnmächtig gegen die Eisentüren. Niemand hörte sie.
Paulus van Husen über die in der Haft im Zellengefängnis erlebten Luftangriffe
Quelle: Karl-Joseph Hummel (Bearb.), Paulus van Husen 1891-1971. Erinnerungen eines Juristen vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik Deutschland. Paderborn u.a. 2010, S. 365.





