Joachim Hoepner
23. Mai 1985
Joachim Hoepner ist seit 1943 Major im Generalstab und in Frankreich und in Russland an der Front. Er ist der Sohn von General Erich Hoepner, der wegen seiner Beteiligung am Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 vom „Volksgerichtshof” zum Tode verurteilt und am 8. August 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet wird. Laut eigener Aussage sieht Joachim Hoepner seinen Vater zuletzt Ende 1943 und erfährt zu diesem Zeitpunkt von den Attentatsplänen.
Joachim Hoepner ist zuletzt bei einem Kavalleriekorps der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront eingesetzt. Dort wird er am 25. Juli in „Sippenhaft” genommen, über Warschau nach Berlin gebracht und kurze Zeit im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Lehrter Straße inhaftiert, bevor er am 28. Juli 1944 in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert wird.
Nach zahlreichen Vorsprachen seines Großvaters und Schwagers wird er am 22. Dezember 1944 in die Wehrmachtsfestungshaftanstalt Küstrin verlegt und dort im Frühjahr 1945 von der Roten Armee befreit.
Dabei wußte man nie, wie lange die Haft dauern würde u. ob man nicht eines schönen Tages durch Genickschuß od. auf irgendeine andere Art ins Jenseits befördert werden sollte. ... Die 5 Monate Gefängnishaft bedeuteten für mich vor allem eine starke seelische Belastung, zumal ich über das Schicksal meiner Eltern, Schwester u. weiteren Angehörigen ... nichts erfuhr ... Ich bin dem Schöpfer dankbar, daß er mich diese Probe bestehen ließ – viele nahmen sich aus Verzweiflung das Leben.
Joachim Hoepner über die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Erinnerungsbericht Major i.G. Joachim Hoepner vom 12. Juni 1945, Kopie in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Die Zellen waren völlig verwanzt, sodaß man nachts – selbst bei Beleuchtung, die nachts ständig brannte – nicht schlafen konnte. Ich habe innerhalb von 2 Tagen etwa 200 Wanzen gefangen. ... Die in Kopfhöhe eingelassenen Fenster waren durch Bombenangriffe entzweigegangen u. durch Pappstücke ersetzt worden, die das an sich schon spärliche Licht noch verringerten. Anfangs September wurde es ... so kalt, daß ich schon zu dieser Zeit um einen zu Beginn abgenommenen Mantel bitten mußte, den ich dann endlich nach wiederholtem Nachfragen 1 Woche später erhielt.
Joachim Hoepner über die Haftbedingungen im Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Erinnerungsbericht Major i.G. Joachim Hoepner vom 12. Juni 1945, Kopie in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand









