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Friedrich Hielscher

31. Mai 1902, Plauen
6. März 1990, Furtwangen

Friedrich Hielscher schließt sein Studium der Rechts­wissen­schaften 1926 mit einer Promotion über den deutschen Rechts­begriff ab. Nach kurzer Tätig­keit im Staats­dienst ent­scheidet er sich für eine Lauf­bahn als poli­tischer Pub­lizist und ver­öffent­licht zahl­reiche Auf­sätze in ver­schie­denen, dem national­revo­lutio­nären Spek­trum zuzu­ord­nenden Zeit­schriften und Büchern. 

Seine Schriften finden weit über die rechts­intellek­tuelle Szene hinaus Beach­tung und er steht in engem Aus­tausch mit Ernst Jünger, Friedrich Wilhelm Heinz und Ernst von Salomon. Hielscher ent­wickelt ein religiös fun­dier­tes Ideen­gebilde aus Heiden­tum, National­bol­sche­wismus und Reichs­mytho­logie und sammelt um sich einen ein­ge­schwo­renen Kreis von Anhängern. 

Trotz teil­weiser ideolo­gischer Über­ein­stimmung steht Hielscher dem Natio­nal­sozia­lismus ablehnend gegen­über. Es gelingt dem Kreis, Ver­folgte des NS-Regimes zu unter­stüt­zen und ihnen die Flucht zu ermög­lichen. Zudem hat er Kontakt zu den Ver­schwö­rern im Amt Aus­land/Ab­wehr sowie zu Ange­hörigen des Kreisauer Kreises. Gleich­zeitig sind jedoch einzelne seiner Anhänger wie Wolfram Sievers, Geschäfts­führer der For­schungs­gemein­schaft Ahnen­erbe, an NS-Ver­brechen beteiligt. 

Auf­grund seiner Kontakte zu den Ver­schwö­rern wird Friedrich Hielscher am 2. Sep­tember 1944 fest­genom­men und zwei Tage später ins Zellen­gefäng­nis Lehrter Straße 3 einge­liefert. Durch Inter­vention von SS-Stan­darten­führer Wolfram Sievers wird er am 19. Dezem­ber 1944 aus der Haft ent­lassen.

Nach Kriegs­ende führt Friedrich Hielscher sein publi­zistisches Schaffen fort und sammelt erneut einen Anhänger­kreis um sich.

Zuweilen sahen wir Diesen und Jenen die Vogel­miere und das kärg­liche Gras des Platzes aus­rupfen und ver­schlingen. Ihre fernen Ange­hörigen konnten ihnen kein Essen bringen. Päckel waren ver­boten. So waren sie auf die Gefängnis­kost ange­wiesen und hungerten erbärm­lich. Wir, die wir in Berlin und Umgegend wohnten und von den Unseren versorgt wurden, erhiel­ten – einer unbegreif­lichen Nach­lässig­keit der Verwal­tung zufolge; oder hatte auch hier Knuth, der insge­heim zu uns haltende, die Hand im Spiele? – die Gefängnis­kost außer­dem und teilten über die Kalfak­toren brüder­lich mit den Unglücks­raben.

Friedrich Hielscher über die Ernährung während der Haft im Zellengefängnis

Quelle: Friedrich Hielscher, Fünfzig Jahre unter Deutschen, Hamburg 1954, S. 418.

Portrait: Friedrich HielscherFriedrich Hielscher, 1939