Friedrich Hielscher
6. März 1990, Furtwangen
Friedrich Hielscher schließt sein Studium der Rechtswissenschaften 1926 mit einer Promotion über den deutschen Rechtsbegriff ab. Nach kurzer Tätigkeit im Staatsdienst entscheidet er sich für eine Laufbahn als politischer Publizist und veröffentlicht zahlreiche Aufsätze in verschiedenen, dem nationalrevolutionären Spektrum zuzuordnenden Zeitschriften und Büchern.
Seine Schriften finden weit über die rechtsintellektuelle Szene hinaus Beachtung und er steht in engem Austausch mit Ernst Jünger, Friedrich Wilhelm Heinz und Ernst von Salomon. Hielscher entwickelt ein religiös fundiertes Ideengebilde aus Heidentum, Nationalbolschewismus und Reichsmythologie und sammelt um sich einen eingeschworenen Kreis von Anhängern.
Trotz teilweiser ideologischer Übereinstimmung steht Hielscher dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber. Es gelingt dem Kreis, Verfolgte des NS-Regimes zu unterstützen und ihnen die Flucht zu ermöglichen. Zudem hat er Kontakt zu den Verschwörern im Amt Ausland/Abwehr sowie zu Angehörigen des Kreisauer Kreises. Gleichzeitig sind jedoch einzelne seiner Anhänger wie Wolfram Sievers, Geschäftsführer der Forschungsgemeinschaft Ahnenerbe, an NS-Verbrechen beteiligt.
Aufgrund seiner Kontakte zu den Verschwörern wird Friedrich Hielscher am 2. September 1944 festgenommen und zwei Tage später ins Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert. Durch Intervention von SS-Standartenführer Wolfram Sievers wird er am 19. Dezember 1944 aus der Haft entlassen.
Nach Kriegsende führt Friedrich Hielscher sein publizistisches Schaffen fort und sammelt erneut einen Anhängerkreis um sich.
Zuweilen sahen wir Diesen und Jenen die Vogelmiere und das kärgliche Gras des Platzes ausrupfen und verschlingen. Ihre fernen Angehörigen konnten ihnen kein Essen bringen. Päckel waren verboten. So waren sie auf die Gefängniskost angewiesen und hungerten erbärmlich. Wir, die wir in Berlin und Umgegend wohnten und von den Unseren versorgt wurden, erhielten – einer unbegreiflichen Nachlässigkeit der Verwaltung zufolge; oder hatte auch hier Knuth, der insgeheim zu uns haltende, die Hand im Spiele? – die Gefängniskost außerdem und teilten über die Kalfaktoren brüderlich mit den Unglücksraben.
Friedrich Hielscher über die Ernährung während der Haft im Zellengefängnis
Quelle: Friedrich Hielscher, Fünfzig Jahre unter Deutschen, Hamburg 1954, S. 418.





