Andreas Hermes
4. Januar 1964, Krälingen (Eifel)
Andreas Hermes studiert Landwirtschaft und Philosophie und promoviert 1905 mit einer Dissertation in Nationalökonomie. 1920 wird er zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft ernannt. Auch nach seiner Entlassung als Minister 1923 bleibt er als Reichstagsabgeordneter einer der einflussreichsten deutschen Zentrumspolitiker. Hermes ist seit 1924 mit Anna Schaller verheiratet, aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor.
1933 widersetzt sich Hermes der Gleichschaltung der Vereinigung der deutschen Bauernvereine, bezieht öffentlich Stellung gegen das NS-Regime und legt wenige Tage vor der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz sein Reichstagsmandat nieder. Am 21. März 1933 wird er wegen angeblicher Korruption festgenommen und zu vier Monaten Haft verurteilt. 1936 geht Andreas Hermes für einige Jahre als Regierungsberater nach Kolumbien, kehrt aber im März 1939 nach Deutschland zurück.
Er findet Kontakt zum Widerstandskreis um das Kölner Ketteler-Haus, in dem sich Oppositionelle aus katholischen Verbänden, christlichen Gewerkschaften und der ehemaligen Zentrumspartei zusammenfinden. Carl Goerdeler führt Hermes in seinen Kabinettslisten als Landwirtschaftsminister.
Zwei Tage nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 wird er festgenommen und in den Zellenbau des Konzentrationslagers Ravensbrück eingeliefert. Am 28. September in das Strafgefängnis Berlin-Tegel überführt, wird er am 7. Oktober 1944 in das Gefängnis Lehrter Straße 3 gebracht. Am 11. Januar 1945 verurteilt der „Volksgerichtshof” Andreas Hermes zum Tode. Seine Ehefrau Anna reicht umgehend ein Gnadengesuch ein und kann schließlich eine Aufschiebung der Vollstreckung des Todesurteils erreichen.
Andreas Hermes wird am 25. April 1945 aus der Haft entlassen. Nach Kriegsende gehört er zu den Mitbegründern der CDU in Berlin.
… abends wurde ich mit v. Lüninck und anderen in die Lehrterstraße überführt, wo ich in einer von Wanzen dicht bevölkerten Zelle untergebracht wurde. Die ersten Wochen waren fürchterlich, viel Hunger und in den Nächten stundenlange Kämpfe mit dem Ungeziefer … .
Auszug aus einem Kassiber von Andreas Hermes an seine Frau Anna
Quelle: Anna Hermes, Und setzet ihr nicht das Leben ein. Andreas Hermes – Leben und Wirken. Nach Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungen, Stuttgart 1971, S. 128.
Zu Beginn der vergangenen Woche wurden 2 Todeskandidaten abgeholt, der frühere Staatssekretär in der Reichskanzlei Kempner, der zusammen mit mir am 11.1.45 verurteilt wurde, und der frühere Regierungspräsident von Merseburg, von Harnack, ein Sohn des berühmten Theologen Adolf von Harnack. Nun sind wir noch 9 in einer Reihe ganz allein D 4 im obersten Stock. Vor einigen Wochen wurden 4 andere Todeskandidaten, darunter der Katholik Leuninger aus Breslau von den christlichen Gewerkschaften, und ein Bruder von Goerdeler, Stadtrat in Königsberg abgeholt. Ich fürchte, dass sie alle nicht mehr am Leben sind. Es ist jedes Mal ein harter Schmerz, wenn man erleben muss, wie aus der unmittelbaren Nähe wackere Männer von Verbrechern in den Tod geschickt werden ... .
Haftbrief von Andreas Hermes an seine Frau Anna vom 11. März 1945, in dem er schildert, wie seine Mithäftlinge aus den benachbarten Zellen zur Hinrichtung abgeholt werden.
Quelle: Archiv für Christlich-Demokratische Politik, 01-090-176/3




