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Andreas Hermes

16. Juli 1878, Köln
4. Januar 1964, Krälingen (Eifel)

Andreas Hermes studiert Land­wirt­schaft und Philo­sophie und promo­viert 1905 mit einer Dissertation in National­ökonomie. 1920 wird er zum Reichs­minister für Ernährung und Land­wirt­schaft ernannt. Auch nach seiner Entlassung als Minister 1923 bleibt er als Reichs­tags­ab­geord­neter einer der ein­fluss­reichsten deutschen Zen­trums­poli­tiker. Hermes ist seit 1924 mit Anna Schaller ver­hei­ratet, aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor. 

1933 widersetzt sich Hermes der Gleich­schaltung der Ver­einigung der deutschen Bauern­vereine, bezieht öffentlich Stellung gegen das NS-Regime und legt wenige Tage vor der Abstim­mung über das Ermächti­gungs­gesetz sein Reichstags­mandat nieder. Am 21. März 1933 wird er wegen angeblicher Korruption fest­ge­nommen und zu vier Monaten Haft verurteilt. 1936 geht Andreas Hermes für einige Jahre als Regie­rungs­berater nach Kolumbien, kehrt aber im März 1939 nach Deutschland zurück. 

Er findet Kontakt zum Wider­stands­kreis um das Kölner Ketteler-Haus, in dem sich Opposi­tionelle aus katho­lischen Verbänden, christ­lichen Gewerk­schaften und der ehemaligen Zentrums­partei zusammen­finden. Carl Goerdeler führt Hermes in seinen Kabinetts­listen als Land­wirtschafts­minister. 

Zwei Tage nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 wird er fest­genommen und in den Zellen­bau des Konzen­tra­tions­lagers Ravens­brück eingeliefert. Am 28. September in das Straf­gefängnis Berlin-Tegel über­führt, wird er am 7. Oktober 1944 in das Gefängnis Lehrter Straße 3 gebracht. Am 11. Januar 1945 verur­teilt der „Volksge­richtshof” Andreas Hermes zum Tode. Seine Ehefrau Anna reicht umgehend ein Gnaden­gesuch ein und kann schließlich eine Auf­schie­bung der Voll­streckung des Todes­urteils erreichen. 

Andreas Hermes wird am 25. April 1945 aus der Haft ent­lassen. Nach Kriegs­ende gehört er zu den Mitbe­grün­dern der CDU in Berlin.

… abends wurde ich mit v. Lüninck und anderen in die Lehrter­straße überführt, wo ich in einer von Wanzen dicht bevöl­kerten Zelle unter­gebracht wurde. Die ersten Wochen waren fürchterlich, viel Hunger und in den Nächten stunden­lange Kämpfe mit dem Unge­ziefer … .

Auszug aus einem Kassiber von Andreas Hermes an seine Frau Anna

Quelle: Anna Hermes, Und setzet ihr nicht das Leben ein. Andreas Hermes – Leben und Wirken. Nach Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungen, Stuttgart 1971, S. 128.

Zu Beginn der vergan­genen Woche wurden 2 Todes­kandidaten ab­geholt, der frühere Staats­sekretär in der Reichs­kanzlei Kempner, der zusammen mit mir am 11.1.45 verur­teilt wurde, und der frühere Regie­rungs­präsident von Merse­burg, von Harnack, ein Sohn des berühmten Theo­logen Adolf von Harnack. Nun sind wir noch 9 in einer Reihe ganz allein D 4 im obersten Stock. Vor einigen Wochen wurden 4 andere Todes­kandidaten, darunter der Katholik Leuninger aus Breslau von den christ­lichen Gewerk­schaften, und ein Bruder von Goerdeler, Stadt­rat in Königs­berg abgeholt. Ich fürchte, dass sie alle nicht mehr am Leben sind. Es ist jedes Mal ein harter Schmerz, wenn man erleben muss, wie aus der unmittel­baren Nähe wackere Männer von Ver­brechern in den Tod geschickt werden ... .

Haftbrief von Andreas Hermes an seine Frau Anna vom 11. März 1945, in dem er schildert, wie seine Mithäftlinge aus den benachbarten Zellen zur Hinrichtung abgeholt werden.

Quelle: Archiv für Christlich-Demokratische Politik, 01-090-176/3

Portrait: Andreas HermesAndreas Hermes