Theodor Haubach
23. Januar 1945, Berlin-Plötzensee
Theodor Haubach studiert ab 1919 Philosophie und Soziologie und schließt sich bereits in dieser Zeit der SPD an. Er gehört zu den Mitbegründern des republikanischen Schutzverbandes Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und wird 1927 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. 1929 wird er Pressereferent des Reichsinnenministers Carl Severing, 1930 des Berliner Polizeipräsidenten Albert Grzezinski. Zwischen 1930 und 1933 arbeitet Haubach intensiv im Kreis der Religiösen Sozialisten mit.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird er kurze Zeit inhaftiert und versucht nach seiner Haftentlassung, die Verbindungen zwischen Gewerkschaften, Reichsbanner und SPD aufrechtzuerhalten. Am 24. November 1934 wird er erneut festgenommen und bis Mai 1936 im KZ Esterwegen festgehalten. Im Herbst 1942 nimmt Haubach an der zweiten Kreisauer Haupttagung teil und ist nach einem gelungenen Umsturz als Regierungssprecher vorgesehen.
Er wird am 9. August 1944 festgenommen, zunächst in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert und von dort in das Konzentrationslager Ravensbrück überstellt. Ende September wird er nach Berlin zurückgebracht und im Gefängnis Tegel, dann erneut in der Lehrter Straße inhaftiert. Der während der Haft schwer erkrankte Haubach steht am 9. Januar 1945 gemeinsam mit weiteren Angehörigen des Kreisauer Kreises vor dem „Volksgerichtshof“. Das Verfahren gegen ihn wird jedoch abgetrennt.
Theodor Haubach wird am 15. Januar 1945 zum Tode verurteilt. Die Gnadengesuche verschiedener Freunde und seiner Verlobten Anneliese Schellhase bleiben ohne Erfolg. Er wird am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Wir wollen die Dinge doch richtig sehen. Entweder lässt Gott in Gnade und Barmherzigkeit zu, daß alles gut geht … oder er läßt es nicht zu, dann helfen auch alle Götter nicht. … Wo immer Deutschland in Not stand, stand auch immer ich. Einen kleinmütigen und verzagten Angeklagten werden die Herren in mir nicht kennenlernen.
Brief von Theodor Haubach an seine Verlobte Anneliese Schellhase, 6. Januar 1945
Quelle: Walter Hammer, Theodor Haubach zum Gedächtnis, Frankfurt am Main 1955, S. 68.
Wenn man bedenkt, daß die Gefängniskost sehr karg und schlecht war und obendrein für diese Erkrankung ungeeignet und schädlich, so kann man sich ausmalen, wie der an sich stattliche Mann im Laufe von mehreren Wochen abgezehrt und schwach wurde.
Schilderung von Eugen Ense, der während der Haft in der Lehrter Straße seinen Mithäftling Theodor Haubach notdürftig medizinisch versorgt, in einem Brief an Walter Hammer vom 20. Oktober 1954
Quelle: Institut für Zeitgeschichte München, ED, 106/48-123








