Alexander von Hase
3. August 2004, Bad Rothenfelde
Alexander von Hase, der Sohn des Berliner Stadtkommandanten Paul von Hase, studiert in Berlin Geschichte. Sein Vater wird bereits am Abend des 20. Juli 1944 festgenommen und am 8. August 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Gemeinsam mit seiner Mutter Margarethe von Hase und seiner Schwester Maria wird Alexander von Hase am 1. August in „Sippenhaft” genommen. Seine Mutter und seine Schwester werden in die Frauenabteilung des Untersuchungsgefängnisses Berlin-Moabit und er in das Zellengefängnis Lehrter Straße eingeliefert. Sein erst sieben Jahre alter Bruder Friedrich-Wilhelm wird in ein Kinderheim nach Bad Sachsa verschleppt.
Alexander von Hase unterliegt einer strengen Einzelhaft ohne Schreib- und Leseerlaubnis oder die Möglichkeit zum Hofgang. Als ein SS-Mann bei einer Zellenkontrolle zwei Bücher entdeckt, die ein anderer Bewacher von Hase trotz des Verbots hat zukommen lassen, übt dieser ihm gegenüber körperliche Gewalt aus.
Als er nach ungefähr zehn Wochen entlassen wird, erhält er gleichzeitig seinen Einberufungsbefehl. Er absolviert eine Ausbildung zum Panzergrenadier in Dänemark und erlebt dort das Kriegsende. Margarethe und Maria von Hase werden im Oktober 1944 aus der Haft entlassen.
Meine Zelle, ein Raum von etwa 10 qm, enthielt einen kleinen Tisch mit einem Schemel, auf dem ich, wie man mir schon am folgenden Tag beibrachte, tags zu sitzen hätte. War es doch den Häftlingen verboten, sich vor 22.00 Uhr auf ihr Bettgestell zu legen. Über dem Tisch war eine Lampe von großer Helligkeit angebracht, deren Schein während der Nacht auch auf den Kopf des Schlafenden fiel. ... Das Verhalten meiner Bewacher war sehr unterschiedlich ... Manche zeigten den Gefangenen gegenüber sogar ein gewisses Mitgefühl, andere begegneten ihnen mit großer Brutalität.
Alexander von Hase in einem Zeitzeugenbericht über die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand
