Franz Hartmann
25. April 1955, München
Franz Hartmann ist ab 1924 geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Katholischen Akademikerverbandes und der Künstlervereinigung „Sezession”. Er gehört der Zentrumspartei an und arbeitet in der katholischen Laienvereinigung „Katholische Aktion” eng mit Erich Klausener zusammen, der 1934 ermordet wird. Seit 1932 Leiter der Kunst- und Kulturabteilung des 1924 gegründeten Deutschlandsenders, wird er 1933 entlassen.
1937 zieht der Privatgelehrte nach München, wo er den für das Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht tätigen Marineoffizier Franz Maria Liedig kennenlernt. Nach Kriegsbeginn stellt er für diesen Verbindungen zu katholischen Kreisen in Frankreich sowie zum Vatikan her, um Möglichkeiten für Friedensverhandlungen mit den Westmächten zu sondieren. Im August 1941 wird er wegen Spionageverdachts festgenommen und im Oktober 1942 aus der Gestapohaft entlassen, ohne dass es zu einer Anklage gekommen ist.
Im Zuge der Ermittlungen gegen die Verschwörergruppe im Amt Ausland/Abwehr wird Franz Hartmann am 17. Juli 1943 erneut von der Gestapo festgenommen und Ende November in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wird er am 3. November 1944 in das Zellengefängnis Lehrter Straße überführt und erneut verhört.
Am 23. April 1945 wird Franz Hartmann formal der Justiz überstellt und zwei Tage später aus der Haft entlassen, von der er schwere gesundheitliche Schäden und Erwerbsunfähigkeit davonträgt. Von April 1946 bis zu seinem Tod 1955 lebt er in München.
Am 3.11.44 holte man mich dort [KZ Sachsenhausen] ab und überführte mich in das Zellengefängnis der Gestapo Berlin Lehrterstr. 3, um mir den Prozeß als Hoch- und Landesverräter zu machen. Die Eroberung Berlins durch die Russen und meine dadurch erwirkte Befreiung vereitelten diesen Plan. Hunger, Kälte und die von 1941 bis 1945 erduldeten seelischen und körperlichen Qualen hatten meinen Körper und meine Nerven vollkommen zerrüttet, sodas [sic] ich mich nach meiner Befreiung sofort auf 6 Monate in das St. Hedwigs-Krankenhaus Berlin, Große Hamburgerstr. begeben mußte.
Eidesstattliche Erklärung von Franz Hartmann über die Folgen der Gestapohaft, 1. März 1946
Quelle: Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Entschädigungsakte Franz Hartmann, LEA 1440, S. 46.


