Ernst von Harnack
5. März 1945, Berlin-Plötzensee
Der Sohn des bekannten Gelehrten Adolf von Harnack beginnt nach einem Jurastudium 1913 seine Beamtenlaufbahn als Regierungsreferendar bei der Regierung in Oppeln. Dort verlobt er sich 1914 mit Anna Wiggert, die er 1916 heiratet und mit der er fünf Kinder hat. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges tritt Harnack der SPD bei. Innerhalb der Partei gehört er als gläubiger Christ dem „Bund der Religiösen Sozialisten“ an.
Seit 1929 Regierungspräsident in Merseburg wird er nach dem Staatsstreich Papens gegen Preußen in den einstweiligen Ruhestand versetzt. In den folgenden Jahren widmet er sich dem Kampf gegen den erstarkenden Nationalsozialismus und wendet sich gegen die „Deutschen Christen“. Im Juli 1933 wird er für mehrere Wochen inhaftiert, weil er sich für verhaftete Sozialdemokraten und Gewerkschaftsführer einsetzt. Auch nach seiner Haftentlassung unterstützt er weiterhin politisch und rassisch Verfolgte.
In den folgenden Jahren übt er verschiedenste Tätigkeiten aus. Sein Büro in der Berliner Kronenstraße dient als Treffpunkt für politisch Gleichgesinnte. Aufgrund seiner vielfältigen Verbindungen wird er zu einem wichtigen Vermittler zwischen verschiedenen oppositionellen Kräften.
Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wechselt Ernst von Harnack mehrfach seinen Aufenthaltsort, um sich dem Zugriff der Gestapo zu entziehen. Am 29. September 1944 wird er in der Wohnung des Berliner Pfarrers Arthur Rackwitz festgenommen und in das Zellengefängnis Lehrter Straße eingeliefert. Am 1. Februar 1945 wird er vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 5. März 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Ihr habt schwer zu tragen, und die kommenden Zeiten werden neue Prüfungen bringen. Da wäre es mein Herzenswunsch, dass der Gedanke an mich nicht zur Verdunkelung Eures Lebens beiträgt, sondern dass von meiner stillen Zelle ein Strom der Beruhigung und Kraft ausgeht, auf Euch und alle, die mir nahe stehen.
Brief von Ernst von Harnack an seine Frau Anna vom 28. Oktober 1944
Quelle: Gustav-Adolf von Harnack: Ernst von Harnack. Jahre des Widerstands 1932-1945, Pfullingen 1989, S. 260.
Ich weiß mich eins mit Euch in Gott und sehe allem Kommenden im Vertrauen auf seine gnädige Führung in gesammelter Ruhe entgegen.
Brief von Ernst von Harnack an seine Frau Anna vom 14. Januar 1945
Quelle: Gustav-Adolf von Harnack: Ernst von Harnack. Jahre des Widerstands 1932-1945, Pfullingen 1989, S. 289.
















