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Ernst von Harnack

15. Juli 1888, Marburg
5. März 1945, Berlin-Plötzensee

Der Sohn des bekannten Ge­lehrten Adolf von Har­nack beginnt nach einem Jura­studium 1913 seine Beam­ten­lauf­bahn als Re­gierungs­referen­dar bei der Re­gierung in Oppeln. Dort ver­lobt er sich 1914 mit Anna Wiggert, die er 1916 heiratet und mit der er fünf Kinder hat. Nach dem Ende des Ers­ten Welt­krieges tritt Harnack der SPD bei. Inner­halb der Partei gehört er als gläu­biger Christ dem „Bund der Reli­giösen Sozia­listen“ an.

Seit 1929 Regierungs­präsi­dent in Merse­burg wird er nach dem Staats­streich Papens gegen Preußen in den einst­weiligen Ruhe­stand versetzt. In den fol­genden Jahren widmet er sich dem Kampf gegen den erstar­kenden National­sozia­lismus und wendet sich gegen die „Deutschen Chris­ten“. Im Juli 1933 wird er für mehrere Wochen inhaf­tiert, weil er sich für verhaf­tete Sozial­demo­kraten und Gewerk­schafts­führer einsetzt. Auch nach seiner Haft­ent­lassung unter­stützt er weiter­hin politisch und rassisch Ver­folgte. 

In den folgen­den Jahren übt er verschie­denste Tätig­keiten aus. Sein Büro in der Ber­liner Kronen­straße dient als Treff­punkt für politisch Gleich­gesinnte. Auf­grund seiner viel­fälti­gen Verbin­dungen wird er zu einem wichti­gen Ver­mittler zwischen verschie­denen opposi­tionellen Kräften. 

Nach dem gescheiterten Umsturz­versuch vom 20. Juli 1944 wechselt Ernst von Har­nack mehr­fach seinen Auf­enthalts­ort, um sich dem Zu­griff der Gestapo zu ent­ziehen. Am 29. Septem­ber 1944 wird er in der Wohnung des Berliner Pfarrers Arthur Rackwitz fest­genommen und in das Zellen­gefängnis Lehrter Straße einge­liefert. Am 1. Februar 1945 wird er vom „Volks­gerichts­hof“ zum Tode verur­teilt und am 5. März 1945 in Berlin-­Plötzensee ermor­det.

Ihr habt schwer zu tragen, und die kommenden Zeiten werden neue Prüfungen bringen. Da wäre es mein Herzenswunsch, dass der Gedanke an mich nicht zur Verdunkelung Eures Lebens beiträgt, sondern dass von meiner stillen Zelle ein Strom der Beruhigung und Kraft ausgeht, auf Euch und alle, die mir nahe stehen.

Brief von Ernst von Harnack an seine Frau Anna vom 28. Oktober 1944

Quelle: Gustav-Adolf von Harnack: Ernst von Harnack. Jahre des Widerstands 1932-1945, Pfullingen 1989, S. 260.

Ich weiß mich eins mit Euch in Gott und sehe allem Kommenden im Vertrauen auf seine gnädige Führung in gesammelter Ruhe entgegen.

Brief von Ernst von Harnack an seine Frau Anna vom 14. Januar 1945

Quelle: Gustav-Adolf von Harnack: Ernst von Harnack. Jahre des Widerstands 1932-1945, Pfullingen 1989, S. 289.

Portrait: Ernst von HarnackErnst von Harnack, 1944