Günther Harder
14. September 1978, Berlin (West)
Günther Harder studiert Rechtswissenschaften und anschließend Theologie. 1929 tritt er eine Pfarrstelle in Fehrbellin an und heiratet im selben Jahr Käthe Fichtner, aus der Ehe gehen sechs Kinder hervor.
Harders beruflicher Weg ist seit 1933 maßgeblich vom Kirchenkampf geprägt. Er gehört dem Pfarrernotbund an und ist Mitglied im Bruderrat der Bekennenden Kirche (BK) der altpreußischen Union sowie ab 1940 Vorsitzender des Bruderrats der BK in der Provinz Brandenburg. Zudem ist Harder ab 1936 Dozent an der Kirchlichen Hochschule in Berlin, die 1935 bereits kurz nach ihrer Gründung verboten worden ist, jedoch bis 1941 weitergeführt wird. Günther Harder ist wiederholt Repressalien ausgesetzt, wird mehrmals festgenommen und 1941 wegen seiner Lehrtätigkeit zu sieben Monaten Haft verurteilt.
Nach dem Scheitern des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 unterstützt er Arthur Nebe, Hans Bernd Gisevius sowie das Ehepaar Theodor und Elisabeth Strünck bei der Flucht. Nach der Festnahme Nebes, der in den Verhören detaillierte Angaben über seine Fluchthelferinnen und -helfer macht, wird Harder am 22. Januar 1945 festgenommen, von der Gestapo verhört und am nächsten Tag in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert.
Am 23. März 1945 legt der Oberreichsanwalt beim „Volksgerichtshof” die Anklage gegen Harder und weitere Fluchthelfer Nebes vor. Ein für den 21. April 1945 angesetzter Verhandlungstermin kommt aufgrund der Kriegsentwicklung jedoch nicht mehr zustande.
Günther Harder wird am 23. April aus der Haft entlassen. Nach Kriegsende ist er maßgeblich am kirchlichen Wiederaufbau beteiligt.
Wir waren nach dem Kammergericht gebracht worden, doch kam der Termin nicht mehr zustande, weil außer dem Vorsitzenden Dr. Krohne niemand da war, weder die Beisitzer noch die Anwälte. Eine halbe Stunde nachdem wir wieder im Gefängnis waren pfiffen die ersten russischen Granaten über uns hin. Von da an lockerte sich die Ordnung im Gefängnis. Wir waren meistenteils im Keller. Am Sonntag, den 22.4. abends holte ein Rollkommando des SD jene 19 oder 20 [Opfer der Mordaktion] heraus. Mir ist es bis heute noch ein Wunder, dass sie uns nicht alle umgebracht haben. Ich gehörte in den folgenden Tagen zu denjenigen, die auf Anordnung des Reichssicherheitshauptamtes noch entlassen wurden ... . Ebenso habe ich zwischen 5 und 6 Uhr morgens am 23.4. eine Abendmahlfeier in einer Zelle des Kellers für 10 bis 12 Mitgefangene gehalten, in welcher wir fürbittend der am Sonntagabend aus dem Gefängnis herausgeholten gedachten.
Günther Harder über seinen Prozess vor dem „Volksgerichtshof” und die letzten Stunden in der Lehrter Straße 3
Quelle: Archiv Stiftung Hilfswerk 20. Juli 1944


















