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Günther Harder

13. Januar 1902, Groß-Breesen bei Guben
14. September 1978, Berlin (West)

Günther Harder studiert Rechts­wissen­schaften und anschlie­ßend Theologie. 1929 tritt er eine Pfarr­stelle in Fehrbellin an und heiratet im selben Jahr Käthe Fichtner, aus der Ehe gehen sechs Kinder hervor. 

Harders beruf­licher Weg ist seit 1933 maß­geblich vom Kirchen­kampf geprägt. Er gehört dem Pfarrer­notbund an und ist Mitglied im Bruder­rat der Bekennenden Kirche (BK) der altpreußischen Union sowie ab 1940 Vor­sitzender des Bruder­rats der BK in der Provinz Branden­burg. Zudem ist Harder ab 1936 Dozent an der Kirch­lichen Hoch­schule in Berlin, die 1935 bereits kurz nach ihrer Gründung verboten worden ist, jedoch bis 1941 weiter­geführt wird. Günther Harder ist wieder­holt Repres­salien aus­gesetzt, wird mehr­mals fest­genommen und 1941 wegen seiner Lehr­tätigkeit zu sieben Monaten Haft verurteilt. 

Nach dem Scheitern des Umsturz­versuchs vom 20. Juli 1944 unter­stützt er Arthur Nebe, Hans Bernd Gisevius sowie das Ehepaar Theodor und Elisabeth Strünck bei der Flucht. Nach der Fest­nahme Nebes, der in den Verhören detaillierte An­gaben über seine Flucht­helferin­nen und -helfer macht, wird Harder am 22. Januar 1945 fest­genommen, von der Gestapo verhört und am nächsten Tag in die Gesta­po-Abteilung des Zellen­ge­fängnisses Lehrter Straße 3 ein­ge­liefert. 

Am 23. März 1945 legt der Ober­reichs­anwalt beim „Volks­gerichtshof” die Anklage gegen Harder und weitere Flucht­helfer Nebes vor. Ein für den 21. April 1945 an­ge­setzter Verhand­lungs­termin kommt aufgrund der Kriegs­entwick­lung jedoch nicht mehr zustande. 

Günther Harder wird am 23. April aus der Haft ent­lassen. Nach Kriegs­ende ist er maßgeb­lich am kirch­lichen Wieder­aufbau beteiligt.

Wir waren nach dem Kammer­gericht gebracht worden, doch kam der Termin nicht mehr zu­stande, weil außer dem Vorsitzenden Dr. Krohne niemand da war, weder die Beisitzer noch die Anwälte. Eine halbe Stunde nachdem wir wieder im Gefängnis waren pfiffen die ersten russischen Granaten über uns hin. Von da an lockerte sich die Ordnung im Gefängnis. Wir waren meisten­teils im Keller. Am Sonntag, den 22.4. abends holte ein Roll­kommando des SD jene 19 oder 20 [Opfer der Mordaktion] heraus. Mir ist es bis heute noch ein Wunder, dass sie uns nicht alle umge­bracht haben. Ich gehörte in den folgenden Tagen zu den­jenigen, die auf Anord­nung des Reichs­sicherheits­haupt­amtes noch entlassen wurden ... . Ebenso habe ich zwischen 5 und 6 Uhr morgens am 23.4. eine Abend­mahlfeier in einer Zelle des Kellers für 10 bis 12 Mitge­fangene gehalten, in welcher wir fürbittend der am Sonntag­abend aus dem Gefängnis heraus­geholten gedachten.

Günther Harder über seinen Prozess vor dem „Volksgerichtshof” und die letzten Stunden in der Lehrter Straße 3

Quelle: Archiv Stiftung Hilfswerk 20. Juli 1944

Portrait: Günther HarderGünther Harder, 1948