Franz von Hammerstein
15. August 2011, Berlin
Franz von Hammerstein kommt als sechstes Kind von Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord und seiner Frau Maria zur Welt. Kurt von Hammerstein, seit 1930 Chef der Heeresleitung, trägt 1933 Reichspräsident von Hindenburg die Bedenken der Heeresleitung gegen die Ernennung Hitlers zum Kanzler vor und tritt Anfang 1934 von seinem Amt zurück. Franz von Hammerstein wird aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Kriegsdienst eingezogen, sondern in der Industrie dienstverpflichtet.
Seine Brüder Kunrat und Ludwig sind aktiv an den Umsturzvorbereitungen des 20. Juli 1944 beteiligt. Als ihnen nach dem gescheiterten Umsturzversuch die Flucht gelingt, wird Franz von Hammerstein festgenommen, nach dem Verbleib von Kunrat und Ludwig befragt und am 29. August 1944 in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert.
Am 1. März 1945 wird er gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester Hildur, die sich seit Dezember ebenfalls in „Sippenhaft” befinden, in das KZ Buchenwald verschleppt. Für sie beginnt gemeinsam mit anderen „Sippenhäftlingen” eine Odyssee durch verschiedene Lager.
Am 16. April 1945 erreicht die Gruppe das KZ Dachau. Bei der Evakuierung des Lagers müssen sich Franz von Hammerstein und vier weitere Häftlinge den Häftlingskolonnen anschließen, die zu Fuß in Richtung Tirol gebracht werden sollen. Ende April kommen die fünf Männer frei.
Nach Kriegsende studiert Franz von Hammerstein evangelische Theologie. Er gehört zu den Mitbegründern der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und ist von 1966 bis 1975 deren Generalsekretär.
Auf unseren Spaziergängen ‚flüstere‘ ich jetzt meist mit einem Sohn des Gelehrten Harnack [d.i. Ernst von Harnack], seines Zeichens Oberbürgermeister. Er kennt alle Leute hier und ist nett. Es ist komisch, unter lauter stummen Prominenten den Hof zu umkreisen ... Nun ein gesundes neues Jahr! Hoffentlich bringt es uns bald wieder zusammen; denn dieser Zustand ist bei Lichte besehen doch ziemlich unerträglich.
Kassiber von Franz von Hammerstein an seine Schwester Helga Rossow, die ihn während der Haft im Zellengefängnis mit Lebensmitteln und Kleidung versorgt
Quelle: Institut für Zeitgeschichte München
Wir kannten nur unsere Zelle und einen Hof, wo wir während der seltenen Freigänge einzelne Mitgefangene erkannten ... Ein freundliches Wort, ein Blick, ein Kopfnicken zwischen Freunden während des Hofganges waren ermutigende Lichtblicke, die wohl jeder Häftling dankbar empfand.
Kassiber von Franz von Hammerstein an seine Schwester Helga Rossow
Quelle: Institut für Zeitgeschichte München




