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Franz von Hammerstein

6. Juni 1921, Kassel
15. August 2011, Berlin

Franz von Hammer­stein kommt als sechstes Kind von Kurt Freiherr von Hammer­stein-Equord und seiner Frau Maria zur Welt. Kurt von Hammer­stein, seit 1930 Chef der Heeres­leitung, trägt 1933 Reichs­prä­sident von Hin­den­burg die Bedenken der Heeres­leitung gegen die Ernennung Hitlers zum Kanzler vor und tritt Anfang 1934 von seinem Amt zurück. Franz von Hammer­stein wird aus gesund­heit­lichen Grün­den nicht zum Kriegs­dienst ein­gezogen, sondern in der Industrie dienst­ver­pflich­tet. 

Seine Brüder Kunrat und Ludwig sind aktiv an den Um­sturz­vor­berei­tungen des 20. Juli 1944 beteiligt. Als ihnen nach dem geschei­terten Umsturz­ver­such die Flucht gelingt, wird Franz von Ham­mer­stein fest­ge­nommen, nach dem Verbleib von Kunrat und Ludwig befragt und am 29. August 1944 in die Gestapo-Ab­teilung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 ein­geliefert. 

Am 1. März 1945 wird er gemein­sam mit seiner Mutter und seiner Schwester Hildur, die sich seit Dezem­ber eben­falls in „Sippen­haft” befin­den, in das KZ Buchen­wald ver­schleppt. Für sie beginnt gemein­sam mit anderen „Sippen­häft­lingen” eine Odyssee durch ver­schie­dene Lager. 

Am 16. April 1945 erreicht die Gruppe das KZ Dachau. Bei der Eva­ku­ierung des Lagers müssen sich Franz von Hammer­stein und vier weitere Häft­linge den Häft­lings­kolon­nen anschlie­ßen, die zu Fuß in Richtung Tirol gebracht werden sollen. Ende April kommen die fünf Männer frei. 

Nach Kriegs­ende studiert Franz von Hammer­stein evan­gelische Theo­logie. Er gehört zu den Mit­begrün­dern der Aktion Sühne­zeichen Friedens­dienste und ist von 1966 bis 1975 deren General­sekretär.

Auf unseren Spazier­gängen ‚flüstere‘ ich jetzt meist mit einem Sohn des Gelehr­ten Harnack [d.i. Ernst von Harnack], seines Zeichens Ober­bürger­meister. Er kennt alle Leute hier und ist nett. Es ist komisch, unter lauter stummen Promi­nenten den Hof zu umkreisen ... Nun ein gesundes neues Jahr! Hoffent­lich bringt es uns bald wieder zusammen; denn dieser Zustand ist bei Lichte besehen doch ziemlich uner­träglich.

Kassiber von Franz von Hammerstein an seine Schwester Helga Rossow, die ihn während der Haft im Zellengefängnis mit Lebensmitteln und Kleidung versorgt

Quelle: Institut für Zeitgeschichte München

Wir kannten nur unsere Zelle und einen Hof, wo wir während der seltenen Frei­gänge einzelne Mitge­fangene erkannten ... Ein freund­liches Wort, ein Blick, ein Kopf­nicken zwischen Freunden während des Hof­ganges waren ermutigende Licht­blicke, die wohl jeder Häft­ling dankbar empfand.

Kassiber von Franz von Hammerstein an seine Schwester Helga Rossow

Quelle: Institut für Zeitgeschichte München

Portrait: Franz von HammersteinFranz von Hammerstein, um 1946