Eduard Hamm
23. September 1944, Berlin
Eduard Hamm wächst in einer liberalen Juristenfamilie auf, tritt nach dem Jurastudium in den Staatsdienst ein und gelangt über das Berliner Kriegsernährungsamt als Legationsrat in das Bayerische Außenministerium.
Nach dem Ersten Weltkrieg gehört der überzeugte Republikaner zu den Mitbegründern der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), die er ab 1919 im Bayerischen Landtag vertritt. Bis 1922 ist er Handelsminister, dann Staatssekretär in der Reichskanzlei und schließlich Wirtschaftsminister im Kabinett von Wilhelm Marx. Ab 1925 Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, kritisiert er wiederholt das NSDAP-Wirtschaftsprogramm.
Nach seinem im Mai 1933 erfolgten Rücktritt arbeitet Eduard Hamm als Rechtsanwalt in München und schließt sich dem Widerstandskreis um Franz Sperr an. Er steht in Kontakt mit dem Kreisauer Kreis und Carl Goerdeler, im Fall eines geglückten Staatsstreichs ist er als Landesverweser für Bayern vorgesehen.
Nach dem Umsturzversuch wird Eduard Hamm am 2. September 1944 in Reit im Winkel festgenommen, in das Berliner Zellengefängnis in der Lehrter Straße 3 eingeliefert und während der Verhöre misshandelt. Am 23. September 1944 nimmt er sich während eines Gestapo-Verhörs das Leben.
Seit meiner eigenen Übersiedlung nach Berlin stand ich mit ihm in engem beruflichem Verkehr, der sich bald zu einer ... persönlichen Freundschaft entwickelt hat. Immer bemüht, sich gleichmäßig über alle wirtschaftlichen, nationalen und internationalen Fragen zu unterrichten, war er charakterlich das Vorbild eines ausgezeichneten Mannes, der unabhängig von Tagesströmungen seine Meinung sagte und vertrat und der in menschlichen Beziehungen ein nie versagender Freund war.
Der Politiker und Mithäftling Fritz Elsas über Eduard Hamm in einem unveröffentlichten Erinnerungsbericht (Kopie im Stadtarchiv Stuttgart), vor 1945
Quelle: Zitiert nach Fritz Elsas, Ein Demokrat im Widerstand. Zeugnisse eines Liberalen in der Weimarer Republik. Hrsg. von Manfred Schmid, Gerlingen 1999, S. 28.






