Paul Hahn
2. April 1952, Stuttgart
Paul Hahn ist zunächst als Volksschullehrer tätig und gründet 1911 nach einem Kunststudium eine Werkstatt für graphische Kunst. Bei Ende des Ersten Weltkrieges wird er in den Landessoldatenrat in Stuttgart gewählt und mit dem Aufbau der Sicherheitstruppen betraut. Er hat zudem das Amt des Stuttgarter Oberpolizeidirektors inne, tritt jedoch 1923 zurück.
Ab 1935 ist Hahn für die Robert Bosch GmbH tätig, wo er 1937 Carl Goerdeler kennenlernt. Als ehemaliger Polizeioffizier ist er damit beauftragt, die Oppositionstätigkeit des Bosch-Kreises abzuschirmen. Hahn wird von Goerdeler in die Staatsstreichplanungen eingeweiht und arbeitet im Vorfeld des Attentats für den Fall eines Scheiterns Fluchtpläne für Goerdeler aus. Goerdeler versucht Paul Hahn dafür zu gewinnen, nach einem erfolgreichen Umsturzversuch die Aufgabe des obersten Polizeichefs auf Reichsebene zu übernehmen, was dieser jedoch ablehnt. Er erklärt sich aber bereit, die Führung der württembergischen Polizei zu übernehmen.
Nach dem gescheiterten Umsturzversuch wird Paul Hahn am 5. August 1944 festgenommen und zunächst in das Stuttgarter Polizeigefängnis gebracht. Nach der Festnahme Goerdelers am 12. August 1944 wird Hahn nach Berlin überstellt und am 2. September in das Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert.
Am 28. Februar 1945 wird Paul Hahn vom „Volksgerichtshof“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und am 19. Februar 1945 in das Zuchthaus Brandenburg verlegt, wo er am 27. April 1945 von der Roten Armee befreit wird.
Nun begann die Prozedur der Aufnahme in das Untersuchungsgefängnis der Gestapo in wesentlich schärferer Form als dies in Stuttgart geschah. Man beließ mir überhaupt nichts als was ich auf dem Leibe trug, aber ohne Hosenträger, ohne Krawatte, ohne Sockenhalter und selbst ohne Schnürsenkel, die offenbar als gefährliche Utensilien für Selbstmord angesehen wurden. Der Koffer mit Wäsche und Esswaren wurde mir abgenommen, lediglich Zahnbürste und Kamm und Seife durfte ich in die Zelle mitnehmen.
Paul Hahn in einem Erinnerungsbericht über seine Einlieferung in das Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, M 660 / 156 Bu 43











