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Paul Hahn

5. April 1883, Stuttgart
2. April 1952, Stuttgart

Paul Hahn ist zunächst als Volks­schul­lehrer tätig und gründet 1911 nach einem Kunst­studium eine Werk­statt für graphische Kunst. Bei Ende des Ersten Welt­krieges wird er in den Landes­soldaten­rat in Stutt­gart gewählt und mit dem Auf­bau der Sicher­heits­truppen betraut. Er hat zudem das Amt des Stutt­garter Ober­polizei­direk­tors inne, tritt jedoch 1923 zurück.

Ab 1935 ist Hahn für die Robert Bosch GmbH tätig, wo er 1937 Carl Goerdeler kennen­lernt. Als ehema­liger Polizei­offizier ist er damit beauf­tragt, die Oppo­sitions­tätigkeit des Bosch­-Kreises abzu­schir­men. Hahn wird von Goerdeler in die Staats­streich­planungen einge­weiht und arbeitet im Vor­feld des Atten­tats für den Fall eines Schei­terns Flucht­pläne für Goerdeler aus. Goerdeler versucht Paul Hahn dafür zu gewinnen, nach einem erfolg­reichen Umsturz­versuch die Auf­gabe des obersten Polizei­chefs auf Reichs­ebene zu über­nehmen, was dieser jedoch ab­lehnt. Er erklärt sich aber bereit, die Führung der würt­tem­bergischen Poli­zei zu über­nehmen. 

Nach dem geschei­terten Umsturz­ver­such wird Paul Hahn am 5. August 1944 fest­genom­men und zunächst in das Stutt­garter Poli­zei­gefäng­nis gebracht. Nach der Fest­nahme Goerdelers am 12. August 1944 wird Hahn nach Berlin über­stellt und am 2. September in das Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 einge­liefert. 

Am 28. Februar 1945 wird Paul Hahn vom „Volks­ge­richts­hof“ zu drei Jahren Zucht­haus verurteilt und am 19. Februar 1945 in das Zucht­haus Branden­burg ver­legt, wo er am 27. April 1945 von der Roten Armee be­freit wird.

Nun begann die Prozedur der Aufnahme in das Unter­suchungs­gefängnis der Gestapo in wesentlich schärferer Form als dies in Stuttgart geschah. Man beließ mir über­haupt nichts als was ich auf dem Leibe trug, aber ohne Hosen­träger, ohne Krawatte, ohne Socken­halter und selbst ohne Schnür­senkel, die offenbar als gefährliche Utensilien für Selbst­mord angesehen wurden. Der Koffer mit Wäsche und Esswaren wurde mir abge­nommen, lediglich Zahn­bürste und Kamm und Seife durfte ich in die Zelle mit­nehmen.

Paul Hahn in einem Erinnerungsbericht über seine Einlieferung in das Zellengefängnis Lehrter Straße

Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, M 660 / 156 Bu 43

Portrait: Paul HahnPaul Hahn