Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg
24. April 1945, ULAP-Gelände, Berlin-Moabit
Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg gründet nach seinem Geschichtsstudium 1930 die Arbeitsstelle für konservatives Schrifttum, aus der 1934 das Organ „Weiße Blätter. Zeitschrift für Geschichte, Tradition und Staat” hervorgeht. Er ist mit Therese Prinzessin zu Schwarzenberg verheiratet, mit der er zwei Töchter und einen Sohn hat.
Für die „Weißen Blätter” gewinnt Guttenberg im Laufe der Zeit Autoren wie Reinhold Schneider, Jochen Klepper und Ulrich von Hassell. Im August 1939 kann Guttenberg den ersten Kontakt zwischen Carl Goerdeler und dem Diplomaten Ulrich von Hassell vermitteln. Wie andere Hitlergegner wird Guttenberg mit Hilfe von Ludwig Beck zum Wehrdienst beim Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht unter Admiral Canaris eingezogen und gehört dort zum Kreis um Hans Oster und Hans von Dohnanyi.
Wenige Tage nach dem Umsturzversuch wird Guttenberg in Zagreb festgenommen, nach Deutschland gebracht und im KZ Ravensbrück und in der Schule der Sicherheitspolizei in Drögen inhaftiert. Am 17. August 1944 kommt er in das Zellengefängnis und wird bei Verhören in der Prinz-Albrecht-Straße schwer gefoltert. Da es auf Weisung Hitlers keinen Prozess gegen Angehörige der Abwehr geben soll, bleibt Guttenberg in Haft.
Während Hans von Dohnanyi am 9. April 1945 im KZ Sachsenhausen, Wilhelm Canaris, Ludwig Gehre und Dietrich Bonhoeffer am 9. April im KZ Flossenbürg ermordet werden, wird Guttenberg erst in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1945 von einem Sonderkommando aus dem Reichssicherheitshauptamt ermordet.
Er war sich schon damals klar darüber, daß wir alles, was unsere Haft uns etwa an Vertrauen im In- und Auslande eintragen könnte, falls wir am Leben blieben, für diese Hilfe einzusetzen haben würden. Er hatte sich die volle Fähigkeit bewahrt, an andere zu denken; und der Grund dafür war die einfache Tatsache, daß er ein Christ war. An ihm konnte man lernen, daß Güte und Mut auf eine verborgene Weise zusammengehören.
Hanns Lilje über seinen Mithäftling Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg
Quelle: Hanns Lilje, Im finstern Tal. Rückblicke auf eine Haft, Hannover 2016, S. 73.





