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Reinhard Goerdeler

26. Mai 1922, Königsberg (Kaliningrad)
3. Januar 1996, Frankfurt am Main

Reinhard Goerdeler wächst als viertes Kind von Carl und Anne­liese Goerdeler in Königs­berg und Leipzig auf, wo sein Vater ab 1930 Ober­bürger­meister ist. Er beginnt ein Jura­studium und wird kurz darauf zum Kriegsdienst eingezogen. 1941 ist er kurz in Russ­land statio­niert, wird aber bald Ver­bin­dungs­offizier in Italien, wo er nach dem 20. Juli 1944 vom geschei­terten Umsturz­ver­such erfährt, an dem sein Vater und sein Onkel Fritz beteiligt waren.   

Am 8. August 1944 wird er in „Sippen­haft” genom­men, nach Berlin gebracht und zunächst im „Haus­gefäng­nis” der Gesta­po in der Prinz-Albrecht-Straße 8 und dann im Zellen­gefäng­nis Lehrter Straße inhaf­tiert. Die ersten Monate wird er in Einzel­haft ohne Lese- und Schreib­erlaub­nis gehal­ten und dann als Kal­faktor ein­gesetzt, was ihm die Kon­takt­auf­nahme zu anderen Häft­lingen und auch zu seinem Onkel ermög­licht.   

Er und sein Mit­gefan­gener Franz von Hammer­stein werden als „Sippen­häft­linge” am 1. März 1945 in das KZ Buchen­wald ver­legt und von dort von SS-Kom­man­dos immer weiter nach Süden gebracht, bis in das KZ Dachau. Mitte April, bei der Eva­kuie­rung des Lagers, muss Reinhard Goerdeler sich dem „Evakuierungs­marsch” anschlie­ßen. Am 1. Mai werden die Häft­linge von der SS zurück­ge­lassen. 

Reinhard Goerdeler schafft es, sich nach Leipzig durch­zu­schlagen. Er setzt sein Jura­studium in Heidelberg fort und heiratet 1952 Annemarie Weber, aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. 

Als Rechts­anwalt, Wirt­schafts­prüfer und -fach­mann macht er in der Bundes­republik Karriere und enga­giert sich in zahl­reichen Stiftungen und Ver­bänden. 1956 wird er in das Kura­torium des „Hilfs­werks 20. Juli 1944” gewählt und gehört von 1969 bis 1996 dem Vorsitz an.  

Am Sonntag, den 13. August 1944, wurde ich in das Zellen­gefängnis Lehrter Straße 3 überführt. Im Unter­schied zur Prinz-Albrecht-Straße war die Lehrter Straße ein vor der Jahr­hundert­wende errichtetes Zellen­gefängnis in einer zentralen stern­förmigen Anlage, und diese Zellen waren teil­weise voller Unge­ziefer. Auch in der Lehrter­straße ist mir ein Haft­befehl nie verlesen worden, und ich habe so die ersten etwa drei Monate mehr oder weniger schlecht in einer Einzel­zelle verbracht. ... In den letzten Juli­tagen war ich noch an der Front in Italien gewesen – welch ein Unter­schied zu meinem jetzigen Dasein. Die ersten Kontakte – aber erst seit etwa Oktober 1944 – bestanden einmal in der Möglich­keit eines täg­lichen Frei­gangs und eines wöchent­lichen Duschens. So lernte ich nach und nach meine Zellen­nach­barn und -gegen­über kennen.

Aus einem Bericht von Reinhard Goerdeler über seine Haftzeit in Berlin

Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Am 1. März [1945] musste ich erleben, wie mein Onkel Fritz Goerdeler zu seiner Hinrichtung abgeholt wurde: Ich konnte ihn beim Abtransport noch einmal sehen – ob mein Blick ihn erreichte, weiß ich nicht.

Aus einem Bericht von Reinhard Goerdeler über seine Haftzeit in Berlin

Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

1970er JahreReinhard Goerdeler, 1970er Jahre