Fritz Hermann Goerdeler
1. März 1945, Berlin-Plötzensee
Fritz Goerdeler studiert Jura in Tübingen. 1913 beginnt er seine Verwaltungstätigkeit im Kommunaldienst in Remscheid. Im gleichen Jahr heiratet er seine Schwägerin Sabine Ulrich, aus der Ehe gehen vier Kinder hervor. Er nimmt als Oberleutnant am Ersten Weltkrieg teil. Danach lässt er sich in Marienwerder als Rechtsanwalt nieder. Aus monarchistischer Überzeugung tritt er in die Deutsch-Nationale Volkspartei ein und sitzt als Abgeordneter von der zweiten bis zur fünften Wahlperiode im ostpreußischen Provinziallandtag. 1920 wird er zum Bürgermeister Marienwerders gewählt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gibt er seinen Posten als Bürgermeister auf und geht als Stadtkämmerer nach Königsberg. Beim deutschen Überfall auf Polen im Jahr 1939 wird er als Hauptmann eingezogen und als Batterieführer eingesetzt. Ende des Jahres 1941 stirbt seine Ehefrau Sabine.
Fritz Goerdeler, der seinem älteren Bruder Carl Goerdeler sehr nahe steht, hat auch politisch ähnliche Ansichten. So ist er bereits früh über dessen oppositionelle Tätigkeiten informiert und folgt ihm schließlich in den Widerstand. Er übernimmt die Aufgabe, in Königsberg Verbündete für den geplanten Staatsstreich zu werben. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 nimmt die Gestapo neben anderen Mitgliedern der Familie auch Fritz Goerdeler fest. Er wird am 28. Oktober in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert.
Fritz Goerdeler wird im Februar 1945 vom „Volksge-richtshof“ zum Tode verurteilt und am 1. März 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Reinhard Goerdeler, der sich in dem gleichen Gefängnis in Sippenhaft befand und dort als Kalfaktor eingesetzt war, schrieb über die Haltung seines Onkels in der Haft: ,... kein Wort der Angst, der Verzweiflung, sondern aufrechte Haltung, sie kam wohl aus seinem tiefen Glauben.'
Brief Reinhard Goerdelers an Annedore Leber vom 9. Januar 1955
Quelle: Privatbesitz











