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Otto Geßler

6. Februar 1875, Ludwigsburg
24. März 1955, Lindenberg im Allgäu

Otto Geßler gehört Ende 1918 zu den Mitbe­grün­dern der Deutschen Demo­kratischen Par­tei (DDP). Im März 1920 über­nimmt er das Amt des Reichs­wehr­minis­ters, das er bis 1928 innehat. Während seiner Amts­zeit betont er immer wieder den poli­tischen Füh­rungs­an­spruch der Regier­ung gegen­über der Reichs­wehr. Nach 1933 zieht er sich ins Privat­leben zurück, steht jedoch ab Mitte der 1930er Jahre in Kontakt mit dem Kreis um Franz Sperr, dessen Über­legungen vor allem auf die Zeit nach dem Ende des Natio­nal­sozia­lis­mus gerich­tet sind. 

Obwohl Geßler die Planung­en der Ver­schwörer nicht aktiv unter­stützt, gilt er vielen Hitler­geg­nern als zuver­lässiger Gewährs­mann. Für den Fall eines gelung­enen Staats­streichs ist er als Poli­tischer Beauf­tragter im Wehr­kreis VII (München) vorge­sehen. Er wird am 22. Juli 1944 in Linden­berg (Allgäu) festge­nommen und in den Zellen­bau des Kon­zen­trations­lagers Ravens­brück gebracht. Während der Verhöre in der Sicher­heits­polizei­schule in Fürsten­berg-Drögen wird er schwer miss­handelt. 

Ende Oktober 1944 wird Geßler in die Gesta­po­-Abtei­lung des Gefäng­nisses Lehrter Straße 3 nach Berlin über­stellt, jedoch Anfang Dezem­ber 1944 erneut nach Ravens­brück gebracht. Mitte Januar 1945 stürzt er im Hof des Zellen­baus und zieht sich einen Bruch des linken Ober­schenkels zu, der nur unzu­reichend medizi­nisch ver­sorgt wird. Der stark ent­kräftete Geßler wird Ende des Monats in die Lehrter Straße zurück­gebracht, am 24. Februar aus der Haft ent­lassen und in das Ber­liner St. Hedwigs-­Kran­ken­haus einge­liefert. 

Nach Kriegs­ende und seiner Rück­kehr nach Linden­berg widmet sich Otto Geßler vor allem dem Auf­bau des Baye­rischen und Deutschen Roten Kreuzes.

Im Zen­tral-Zellen-Ge­fäng­nis an der Lehrter-Straße in Berlin wurde ich ausge­laden. Ich durfte nun von meinem Gepäck wieder einige Wäsche an mich nehmen und erhielt eine Zelle im 3. Stock dieses alten Gefäng­nisses. Sie war stärker ver­wohnt und entbeh­rte des modernen Komforts von Ravens­brück; es gab viel Unge­ziefer; dieses Lager war offen­sicht­lich ein alter Stroh­sack auf meiner Pritsche.

Otto Geßler über seine Einlieferung in das Zellengefängnis Lehrter Straße im Januar 1945

Quelle: Bundesarchiv, N 1032/46 a

Portrait: Otto GeßlerOtto Geßler