Otto Geßler
24. März 1955, Lindenberg im Allgäu
Otto Geßler gehört Ende 1918 zu den Mitbegründern der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Im März 1920 übernimmt er das Amt des Reichswehrministers, das er bis 1928 innehat. Während seiner Amtszeit betont er immer wieder den politischen Führungsanspruch der Regierung gegenüber der Reichswehr. Nach 1933 zieht er sich ins Privatleben zurück, steht jedoch ab Mitte der 1930er Jahre in Kontakt mit dem Kreis um Franz Sperr, dessen Überlegungen vor allem auf die Zeit nach dem Ende des Nationalsozialismus gerichtet sind.
Obwohl Geßler die Planungen der Verschwörer nicht aktiv unterstützt, gilt er vielen Hitlergegnern als zuverlässiger Gewährsmann. Für den Fall eines gelungenen Staatsstreichs ist er als Politischer Beauftragter im Wehrkreis VII (München) vorgesehen. Er wird am 22. Juli 1944 in Lindenberg (Allgäu) festgenommen und in den Zellenbau des Konzentrationslagers Ravensbrück gebracht. Während der Verhöre in der Sicherheitspolizeischule in Fürstenberg-Drögen wird er schwer misshandelt.
Ende Oktober 1944 wird Geßler in die Gestapo-Abteilung des Gefängnisses Lehrter Straße 3 nach Berlin überstellt, jedoch Anfang Dezember 1944 erneut nach Ravensbrück gebracht. Mitte Januar 1945 stürzt er im Hof des Zellenbaus und zieht sich einen Bruch des linken Oberschenkels zu, der nur unzureichend medizinisch versorgt wird. Der stark entkräftete Geßler wird Ende des Monats in die Lehrter Straße zurückgebracht, am 24. Februar aus der Haft entlassen und in das Berliner St. Hedwigs-Krankenhaus eingeliefert.
Nach Kriegsende und seiner Rückkehr nach Lindenberg widmet sich Otto Geßler vor allem dem Aufbau des Bayerischen und Deutschen Roten Kreuzes.
Im Zentral-Zellen-Gefängnis an der Lehrter-Straße in Berlin wurde ich ausgeladen. Ich durfte nun von meinem Gepäck wieder einige Wäsche an mich nehmen und erhielt eine Zelle im 3. Stock dieses alten Gefängnisses. Sie war stärker verwohnt und entbehrte des modernen Komforts von Ravensbrück; es gab viel Ungeziefer; dieses Lager war offensichtlich ein alter Strohsack auf meiner Pritsche.
Otto Geßler über seine Einlieferung in das Zellengefängnis Lehrter Straße im Januar 1945
Quelle: Bundesarchiv, N 1032/46 a








