Eugen Gerstenmaier
13. März 1986, Remagen
Eugen Gerstenmaier studiert nach einer Lehre als Textilkaufmann Theologie und Philosophie, engagiert sich in der christlichen Jugendbewegung und nach 1933 im kirchlichen Abwehrkampf gegen die „Deutschen Christen”. 1934 wird er erstmals für kurze Zeit inhaftiert. Ab 1936 arbeitet er im kirchlichen Außenamt unter Bischof Theodor Heckel in Berlin. Weil er als Leiter des Ökumenischen Referates auch nach 1939 ins Ausland reisen kann, wird er für oppositionelle Kreise im Auswärtigen Amt bald ein wichtiger Helfer.
Durch Hans Bernd von Haeften und Adam von Trott zu Solz kommt er in Kontakt mit dem Kreisauer Kreis und nimmt an der zweiten und dritten Kreisauer Haupttagung teil. Am 20. Juli 1944 hält er sich im Berliner Bendlerblock auf, um den Umsturzversuch zu unterstützen.
Nach seiner am Abend erfolgten Festnahme wird er zunächst in die Prinz-Albrecht-Straße 8 gebracht und am 22. Juli in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 überstellt. Während der Verhöre wird er schwer misshandelt und mit „Sippenhaftung” seiner Familie bedroht. Am 27. September wird er in das Gefängnis Tegel verlegt.
Vor dem „Volksgerichtshof” wegen Hochverrats angeklagt, kann sich Eugen Gerstenmaier geschickt verteidigen und wird am 11. Januar 1945 zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 14. April 1945 wird er von US-Truppen aus dem Zuchthaus Bayreuth befreit.
1945 übernimmt Eugen Gerstenmaier in Stuttgart die Leitung des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen in Deutschland, von 1954 bis 1969 ist der CDU-Politiker Präsident des Deutschen Bundestages.
Als ich mir den rissigen Holzboden ansah, ahnte ich, daß dieses Lokal eine üble Wanzenbude sein werde. ... Die Wanzen waren nicht zu vertilgen. So viele ich auch umbrachte – jeden Tag und jede Nacht rückten neue an.
Eugen Gerstenmaier über die Einlieferung in das Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Eugen Gerstenmaier, Streit und Friede hat seine Zeit. Ein Lebensbericht, Frankfurt am Main u.a. 1981, S. 199.
Die Bombenangriffe wurden schwerer und schwerer. Wenn es Luftalarm gab, wurde in aller Eile noch einmal geprüft, ob unsere Zellentüren auch doppelt verschlossen seien. In einen Luftschutzraum wurde ich weder in dem Gefängnis Lehrterstraße noch später in Tegel geführt. Wenn die Flak zu feuern anfing, fielen meist auch schon die Sprengbomben, die dem nahegelegenen Lehrter Bahnhof und der großen Bahnlinie galten. ... Die Selbstmordversuche waren während der Luftangriffe am häufigsten.
Eugen Gerstenmaier über die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Eugen Gerstenmaier, Streit und Friede hat seine Zeit. Ein Lebensbericht, Frankfurt am Main u.a. 1981, S. 201.































