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Ruprecht Gehring

8. Oktober 1920, Berlin
23. April 1945, Berlin

Ruprecht Gehring schlägt eine Offi­ziers­lauf­bahn ein. Im Septem­ber 1939 wird er im Rahmen eines Späh­trupp­unter­nehmens an der deutsch-fran­zö­sischen Grenze so schwer verwundet, dass sein rechter Ober­schen­kel ampu­tiert werden muss. Trotz dieser Ver­seh­rung dient er unter anderem als Ordon­nanz­offizier und Zug­führer in ver­schie­denen Heeres­einhei­ten und nimmt an den Feld­zügen gegen Frank­reich, die Sowjet­union und in Nord­afrika teil. Ab dem Winter­semester 1943/44 stu­diert Gehring an der Land­wirt­schaft­lichen Hoch­schule in Berlin. 

Der Ober­leutnant arbeitet aktiv gegen das NS-Regime und hat Ver­bindung zu Kurt Frei­herr von Pletten­berg. Am 18. Januar 1945 wird Ruprecht Gehring fest­ge­nom­men und im Zellen­gefäng­nis Lehrter Straße inhaf­tiert, Mitte Februar wird er in das „Haus­gefäng­nis” der Gestapo verlegt. 

In der Nacht zum 23. April 1945 wird Ruprecht Gehring von der Gestapo mit weiteren Häft­lingen aus der Prinz-Albrecht-Straße zu einer Ruine in der nahe gele­genen Putt­kamer­straße ge­führt und dort per Genick­schuss ermord­et. Nur wenige der Ermor­deten sind nament­lich bekannt. 

Eugen Ense, der eben­falls zunächst im Zellen­gefäng­nis inhaf­tiert war, über­lebt die Mord­aktion leicht ver­letzt und kann sie bezeugen.  

Ich selbst habe mit Ihrem Sohn vom 20.01.1945 bis 20.02.1945 etwa in der Lehrter­straße zusammen­gesessen und mich auf Spazier­gängen öfters mit ihm unter­halten. Er wurde verhaftet wegen eines Gespräches, das er mit irgend­jemandem geführt hatte, der ihn wohl dann verraten hat. Sein Auftrag war gewesen, im Rahmen eines neuen Putsches nach England zu fliegen und Verhand­lungen zu führen. ... Auf den Listen derjenigen, die in Berlin umge­bracht wurden, ist er jeden­falls nicht verzeich­net. Auch ging aus den kurzen verbotenen Gesprächen, die ich in der Lehrter­straße mit ihm führte hevor, daß seine Lage sehr schwierig sei und er wenig Hoffnung habe. Doch war er in seiner Haltung aufrecht und unverzagt.

Eidesstattliche Erklärung von Franz von Hammerstein über die gemeinsame Haft mit Ruprecht Gehring in einem Brief an dessen Mutter, 3. April 1946

Quelle: Privatbesitz

Portrait: Ruprecht GehringRuprecht Gehring