Hans Karl Fritzsche
8. Juni 1999, Bonn
Der Sohn eines Werkmeisters studiert Geschichte, Philosophie und Kriegswissenschaften in Heidelberg und Berlin und schlägt im Anschluss an seine Promotion 1936 eine Offizierslaufbahn ein, zunächst beim Infanterieregiment 9 in Potsdam. Im Zweiten Weltkrieg wird er als Infanterieoffizier in Frankreich und der Sowjetunion eingesetzt.
Nachdem er beim Ostfeldzug die Verbrechen der nationalsozialistischen Kriegsführung unmittelbar miterlebt, wird er zum Gegner des Regimes. Nach einem Lazarettaufenthalt in Freiburg wird Hans Karl Fritzsche zurück in Potsdam stellvertretender Kommandeur des Ersatzheeres und kommt in Kontakt mit Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, der ihn in den Kreis der Verschwörer einbezieht.
Während des Umsturzversuchs am 20. Juli 1944 fungiert Hans Karl Fritzsche im Bendlerblock als einer der zahlreichen Helfer. Er wird am 21. Juli festgenommen, zunächst in der Gestapo-Leitstelle in der Französischen Straße verhört und dann im Zellengefängnis Lehrter Straße inhaftiert, unterbrochen von einer kurzzeitigen Verlegung nach Tegel.
Ohne Prozess wird Hans Karl Fritzsche nach einiger Zeit freigelassen und begibt sich zu seinem Regiment nach Potsdam, wo er wieder als Bataillonskommandeur eingesetzt wird. Er gerät an der tschechoslowakischen Front in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1948 entlassen wird.
In den folgenden Jahren ist er als Lehrer tätig. Von 1955 bis 1963 ist er persönlicher Referent des Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier, eines ehemaligen Mithäftlings im Zellengefängnis.
Wieder das Rasseln des Schlüsselbundes. Ich bereite mir das Lager und lege mich hin. Die Lampe brennt; sie wird ständig brennen. Nächtlich mehrmals die laute Mahnung: Hände auf die Decke! Das soll sich nun monatelang wiederholen. Der erste Morgen dämmert. Vom Lehrter Bahnhof alle halbe Stunde der Ruf: Nach Potsdam bitte beeilen, bitte Türen schließen! Im Gefängnishof ein Nussbaum.
Hans Karl Fritzsche über seine erste Nacht im Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Hans Karl Fritzsche, Ein Leben im Schatten des Verrates. Erinnerungen eines Überlebenden an den 20. Juli 1944, Freiburg 1984, S. 87.
Zu den wenigen ,Abwechslungen', die mir zuteil wurden, zählte das Verlassen der Zelle, um für das Verbrecheralbum fotografiert zu werden. Bei dieser Gelegenheit lernte ich übrigens den höchst sympathischen Dr. H. K. Fritsche [sic] kennen, der später viele Jahre als persönlicher Referent von Bundestagspräsident Dr. Gerstenmeier tätig war.
Alexander von Hase in einem Zeitzeugenbericht über Hans Karl Fritzsche und die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand






