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Hans Karl Fritzsche

3. Januar 1914, Graudenz (Grudziądz)
8. Juni 1999, Bonn

Der Sohn eines Werk­meisters studiert Geschichte, Philo­sophie und Kriegs­wissen­schaften in Heidel­berg und Berlin und schlägt im Anschluss an seine Promotion 1936 eine Offiziers­lauf­bahn ein, zunächst beim Infan­terie­regiment 9 in Potsdam. Im Zweiten Welt­krieg wird er als Infan­terie­offizier in Frank­reich und der Sowjet­union ein­gesetzt. 

Nach­dem er beim Ost­feldzug die Ver­brechen der natio­nal­sozia­listi­schen Kriegs­füh­rung unmittel­bar miterlebt, wird er zum Gegner des Regimes. Nach einem Lazarett­aufent­halt in Freiburg wird Hans Karl Fritzsche zurück in Pots­dam stell­ver­treten­der Komman­deur des Ersatz­heeres und kommt in Kontakt mit Fritz-Dietlof Graf von der Schu­len­burg, der ihn in den Kreis der Ver­schwörer ein­bezieht. 

Während des Umsturz­versuchs am 20. Juli 1944 fungiert Hans Karl Fritzsche im Bendler­block als einer der zahl­reichen Helfer. Er wird am 21. Juli fest­ge­nom­men, zunächst in der Gestapo-Leit­stelle in der Franzö­sischen Straße ver­hört und dann im Zellen­gefäng­nis Lehrter Straße inhaf­tiert, unter­brochen von einer kurz­zeitigen Ver­legung nach Tegel. 

Ohne Prozess wird Hans Karl Fritzsche nach einiger Zeit freige­lassen und begibt sich zu seinem Regiment nach Potsdam, wo er wieder als Bataillons­kom­mandeur ein­gesetzt wird. Er gerät an der tschecho­slowaki­schen Front in sowje­tische Kriegs­gefangen­schaft, aus der er 1948 ent­lassen wird. 

In den folgen­den Jahren ist er als Lehrer tätig. Von 1955 bis 1963 ist er persön­licher Referent des Bundes­tags­präsidenten Eugen Gersten­maier, eines ehe­maligen Mithäft­lings im Zellen­gefängnis.

Wieder das Rasseln des Schlüssel­bundes. Ich bereite mir das Lager und lege mich hin. Die Lampe brennt; sie wird ständig brennen. Nächtlich mehrmals die laute Mahnung: Hände auf die Decke! Das soll sich nun monate­lang wieder­holen. Der erste Morgen dämmert. Vom Lehrter Bahn­hof alle halbe Stunde der Ruf: Nach Potsdam bitte beeilen, bitte Türen schließen! Im Gefäng­nishof ein Nuss­baum.

Hans Karl Fritzsche über seine erste Nacht im Zellengefängnis Lehrter Straße

Quelle: Hans Karl Fritzsche, Ein Leben im Schatten des Verrates. Erinnerungen eines Überlebenden an den 20. Juli 1944, Freiburg 1984, S. 87.

Zu den wenigen ,Abwechs­lungen', die mir zuteil wurden, zählte das Ver­lassen der Zelle, um  für das Ver­brecher­album foto­grafiert zu werden. Bei dieser Gelegen­heit lernte ich übrigens den höchst sympa­thischen Dr. H. K. Fritsche [sic] kennen, der später viele Jahre als persön­licher Referent von Bundes­tags­präsident Dr. Gers­ten­meier tätig war.

Alexander von Hase in einem Zeitzeugenbericht über Hans Karl Fritzsche und die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße

Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Portrait: Hans Karl FritzscheHans Karl Fritzsche, Anfang 1950er Jahre