Albrecht Fischer
19. Januar 1965, Stuttgart
Albrecht Fischer wird nach einer Laufbahn im württembergischen Staatsdienst und bei der Vereinigung württembergischer Arbeitgeberverbände 1934 wirtschaftspolitischer Berater der Robert Bosch GmbH, für die ab 1937 auch Carl Goerdeler Aufträge übernimmt. Fischer ist an zahlreichen Hilfsmaßnahmen des Unternehmens für Verfolgte beteiligt und wird von Goerdeler in die Staatsstreichplanungen eingeweiht. Er stellt sich schließlich als Beauftragter für den Wehrkreis V (Stuttgart) zur Verfügung. Nach dem Scheitern des Umsturzversuches wird er in der Nacht zum 21. Juli 1944 festgenommen und in die Untersuchungshaftanstalt Stuttgart eingeliefert.
Nach ersten Vernehmungen wird Fischer am 18. August nach Berlin gebracht und in der Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 inhaftiert. Ende September wird er in die Strafanstalt Tegel verlegt, wegen Bombenschäden jedoch am 7. Oktober in die Lehrter Straße zurückgebracht.
Bereits unmittelbar nach der Festnahme Fischers setzen sich leitende Angestellte der Bosch GmbH für ihn ein und intervenieren beim Chef des SS-Hauptamtes Gottlob Berger. Am 12. Januar 1945 verhandelt der „Volksgerichtshof“ gegen Fischer und spricht ihn aufgrund der nicht eindeutigen Beweislage vom Vorwurf des „Landesverrats“ frei. Am 20. Februar 1945 wird er von der Gestapo in das KZ Sachsenhausen verschleppt und am 3. April 1945 auf Intervention Bergers aus der Haft entlassen.
Nach Kriegsende gehört Albrecht Fischer dem Aufsichtsrat der Bosch GmbH an.
Im ganzen Gefängnis gab es nur Einzelzellen mit der üblichen Ausrüstung: eisernes Bett, kleiner Tisch, Hocker, Spind und in der Ecke Abortkübel, dazu ein großer Wasserkrug, eine Schüssel und ein Glas. Vor der Zellentüre hing ein offenes Futteral, in das das Eßbesteck eingesteckt war (Löffel, Gabel, Messer), daneben das Handtuch. Hosenträger und Krawatte wurden jedem Häftling abgenommen.
Bericht von Albrecht Fischer über seine Einlieferung in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3
Quelle: Institut für Zeitgeschichte München, ZS 1758
















