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Albrecht Fischer

27. März 1877, Stuttgart
19. Januar 1965, Stuttgart

Albrecht Fischer wird nach einer Lauf­bahn im württem­bergischen Staats­dienst und bei der Ver­einigung württem­bergischer Arbeit­geber­ver­bände 1934 wirt­schafts­politischer Be­rater der Robert Bosch GmbH, für die ab 1937 auch Carl Goerdeler Auf­träge übernimmt. Fischer ist an zahl­reichen Hilfs­maß­nahmen des Unter­neh­mens für Ver­folgte beteiligt und wird von Goerdeler in die Staats­streich­planungen einge­weiht. Er stellt sich schließlich als Beauf­tragter für den Wehr­kreis V (Stutt­gart) zur Ver­fügung. Nach dem Scheitern des Umsturz­versuches wird er in der Nacht zum 21. Juli 1944 fest­genom­men und in die Unter­suchungs­haftan­stalt Stuttgart einge­liefert. 

Nach ersten Ver­nehm­ungen wird Fischer am 18. August nach Berlin gebracht und in der Gesta­po-Abtei­lung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 inhaftiert. Ende Septem­ber wird er in die Straf­anstalt Tegel verlegt, wegen Bombenschäden jedoch am 7. Okto­ber in die Lehrter Straße zurück­gebracht. 

Bereits unmittelbar nach der Fest­nahme Fischers setzen sich leitende Ange­stellte der Bosch GmbH für ihn ein und inter­venieren beim Chef des SS-Haupt­amtes Gottlob Berger. Am 12. Januar 1945 ver­handelt der „Volks­ge­richts­hof“ gegen Fischer und spricht ihn auf­grund der nicht ein­deutigen Beweis­lage vom Vorwurf des „Landes­verrats“ frei. Am 20. Februar 1945 wird er von der Gestapo in das KZ Sachsen­hausen verschleppt und am 3. April 1945 auf Inter­vention Bergers aus der Haft entlassen.

Nach Kriegs­ende gehört Albrecht Fischer dem Aufsichts­rat der Bosch GmbH an.

Im ganzen Gefängnis gab es nur Einzel­zellen mit der üblichen Ausrüs­tung: eisernes Bett, kleiner Tisch, Hocker, Spind und in der Ecke Abort­kübel, dazu ein großer Wasser­krug, eine Schüssel und ein Glas. Vor der Zellen­türe hing ein offenes Futteral, in das das Eßbesteck einge­steckt war (Löffel, Gabel, Messer), daneben das Hand­tuch. Hosen­träger und Krawatte wurden jedem Häftling abgenommen.

Bericht von Albrecht Fischer über seine Einlieferung in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3

Quelle: Institut für Zeitgeschichte München, ZS 1758

Portrait: Albrecht FischerAlbrecht Fischer