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Friedrich Erxleben

29. Januar 1883, Koblenz
9. Februar 1955, Linz am Rhein

Friedrich Erxleben lässt sich als Sänger und Violinist aus­bilden und beginnt 1902 ein Studium der Theo­logie und Philo­sophie. 1908 wird er zum Priester geweiht. Als Divisions­pfarrer nimmt er am Ersten Weltkrieg teil und wird 1922 in Berlin seel­sorge­rischer Betreuer der Patienten im Staats­kranken­haus der Polizei und der Bewohner des benach­barten Inva­liden­hauses.

Den National­sozialismus lehnt Friedrich Erxleben ent­schieden ab. Er wendet sich gegen die national­sozia­lis­tische Kirchen­politik und unter­stützt verfolgte Jüdinnen und Juden. Zudem nimmt er an Treffen im Haus von Johanna Solf teil, bei denen offen Kritik am natio­nal­sozia­lis­tischen Regime geäußert wird. 

Im Mai 1944 wird Friedrich Erxleben fest­ge­nommen und in das KZ Ravensbrück gebracht. Nach dem 20. Juli 1944 wird er in das KZ Sachsen­hausen verlegt und am 7. Oktober 1944 in die Gestapo-Abteilung des Zellen­gefängnisses Lehrter Straße 3 ein­ge­liefert. 

Am 15. November 1944 erhebt der Ober­reichs­anwalt beim „Volks­ge­richts­hof” Anklage gegen Johanna Solf, Lagi Gräfin Ballestrem, Richard Kuenzer, Albrecht von Bernstorff, Maximilian von Hagen und Friedrich Erxleben. Die ur­sprünglich für den 13. Dezember 1944 an­ge­setzte Ver­handlung vor dem „Volks­gerichtshof” wird mehr­mals ver­schoben und findet schließlich nicht mehr statt. Friedrich Erxleben wird am 23. April 1945 zur Justiz über­stellt und einen Tag später aus der Haft ent­lassen.

Im Herbst 1945 kehrt Friedrich Erxleben nach Koblenz zurück und über­nimmt im Juni 1946 die Pfarrei in Müden/Mosel.

Ich konnte mich an meinem 70. Geburts­tag, den ich im Februar in Berlin beging, durch die Trös­tungen der Religion noch am Abend stärken. Der Theo­loge Prof. Erx­leben, der in der benach­barten Zelle lag und, wie er mir sagte, oft vor Hunger weinte, gab mir nicht nur diese Seelen­stärkung, sondern er fand auch Gelegen­heit, ,anonym' meine Frau zu ver­stän­digen.

Otto Geßler über seine Begegnung mit Friedrich Erxleben im Zellengefängnis

Quelle: Otto Geßler, Reichswehrpolitik in der Weimarer Zeit, Stuttgart 1958, S. 516.

Portrait: Friedrich ErxlebenFriedrich Erxleben, August 1948