Friedrich Erxleben
9. Februar 1955, Linz am Rhein
Friedrich Erxleben lässt sich als Sänger und Violinist ausbilden und beginnt 1902 ein Studium der Theologie und Philosophie. 1908 wird er zum Priester geweiht. Als Divisionspfarrer nimmt er am Ersten Weltkrieg teil und wird 1922 in Berlin seelsorgerischer Betreuer der Patienten im Staatskrankenhaus der Polizei und der Bewohner des benachbarten Invalidenhauses.
Den Nationalsozialismus lehnt Friedrich Erxleben entschieden ab. Er wendet sich gegen die nationalsozialistische Kirchenpolitik und unterstützt verfolgte Jüdinnen und Juden. Zudem nimmt er an Treffen im Haus von Johanna Solf teil, bei denen offen Kritik am nationalsozialistischen Regime geäußert wird.
Im Mai 1944 wird Friedrich Erxleben festgenommen und in das KZ Ravensbrück gebracht. Nach dem 20. Juli 1944 wird er in das KZ Sachsenhausen verlegt und am 7. Oktober 1944 in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert.
Am 15. November 1944 erhebt der Oberreichsanwalt beim „Volksgerichtshof” Anklage gegen Johanna Solf, Lagi Gräfin Ballestrem, Richard Kuenzer, Albrecht von Bernstorff, Maximilian von Hagen und Friedrich Erxleben. Die ursprünglich für den 13. Dezember 1944 angesetzte Verhandlung vor dem „Volksgerichtshof” wird mehrmals verschoben und findet schließlich nicht mehr statt. Friedrich Erxleben wird am 23. April 1945 zur Justiz überstellt und einen Tag später aus der Haft entlassen.
Im Herbst 1945 kehrt Friedrich Erxleben nach Koblenz zurück und übernimmt im Juni 1946 die Pfarrei in Müden/Mosel.
Ich konnte mich an meinem 70. Geburtstag, den ich im Februar in Berlin beging, durch die Tröstungen der Religion noch am Abend stärken. Der Theologe Prof. Erxleben, der in der benachbarten Zelle lag und, wie er mir sagte, oft vor Hunger weinte, gab mir nicht nur diese Seelenstärkung, sondern er fand auch Gelegenheit, ,anonym' meine Frau zu verständigen.
Otto Geßler über seine Begegnung mit Friedrich Erxleben im Zellengefängnis
Quelle: Otto Geßler, Reichswehrpolitik in der Weimarer Zeit, Stuttgart 1958, S. 516.


















