Joseph Ersing
5. August 1956, Rottenmünster
Joseph Ersing absolviert eine Schreinerlehre, die er 1899 mit der Gesellenprüfung abschließt. Während der anschließenden Wanderschaft als Schreinergeselle kommt er in Kontakt zur christlichen Arbeiterbewegung und übernimmt 1906 die Bezirksleitung des Zentralverbandes christlicher Holzarbeiter Deutschlands in Mannheim, später in Frankfurt/Main. 1911 wird er Sekretär des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften für Südwestdeutschland. Ersing gehört der katholischen Deutschen Zentrumspartei an und ist 1919/20 Abgeordneter der Weimarer Nationalversammlung, anschließend bis 1933 Reichstagsabgeordneter.
Im Juni 1933 wird Ersing erstmals für kurze Zeit in Haft genommen. Er hält jedoch die Verbindung zu ehemaligen politischen Freunden wie Eugen Bolz und Jakob Kaiser aufrecht und stellt den Kontakt zwischen Bolz und Carl Goerdeler her.
Nach dem 20. Juli 1944 wird er im Zuge der Verhaftungsaktion „Gewitter” am 5. Oktober 1944 festgenommen, nach Berlin gebracht und in der Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 inhaftiert. Am 19. Oktober wird er in den Zellenbau des KZ Ravensbrück überstellt. Anfang Januar 1945 wird Ersing in die Lehrter Straße zurückgebracht, aufgrund der Kriegsentwicklung kommt es jedoch nicht mehr zu einem Prozess gegen ihn. Er wird am 20. April 1945 formal der Justiz überstellt und fünf Tage später aus der Haft entlassen.
Nach Kriegsende beteiligt er sich an der Gründung der CDU in Württemberg-Baden und gehört von 1946 bis 1950 dem dortigen Landtag an.




