Eugen Ense
29. Dezember 1978, Berlin (West)
Eugen Ense studiert Medizin und lässt sich 1928 als praktischer Arzt in Berlin nieder. 1942 lernt er durch Hans-Joachim von Reclam-Schlee den seit Frühjahr 1944 flüchtigen Hauptmann Ludwig Gehre kennen. Gehre, der zum Widerstandskreis im Amt Ausland/Abwehr gehört, kann sich durch die Unterstützung verschiedener Freundinnen und Freunde bis November 1944 verborgen halten. Eugen Ense versorgt Gehre mit Lebensmitteln und organisiert Quartiere.
Am 27. Oktober 1944 wird Eugen Ense festgenommen und in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert. Hier bemüht er sich intensiv um seine erkrankten und unter den Folgen von Misshandlungen durch die Gestapo leidenden Mithäftlinge. Innerhalb der Haftanstalt verfügt er über einen relativ großen Bewegungsspielraum und kann so seine Mitgefangenen mit Nachrichten versorgen.
Am 21. Februar 1945 wird er von der Lehrter Straße 3 in das „Hausgefängnis” der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße 8 verlegt. Hier ist seit dem 1. Februar 1945 der schwer erkrankte Hans von Dohnanyi inhaftiert. Nachdem Dohnanyi über Wochen ohne jegliche Hilfe geblieben ist, soll Ense sich nun um den weitgehend gelähmten Gefangenen kümmern. Nach Dohnanyis Einlieferung in das Staatskrankenhaus der Polizei am 19. März 1945, bleibt Ense in der Prinz-Albrecht-Straße in Haft.
Im April 1945 wird er wegen „Feindbegünstigung” und „Landesverrat” angeklagt, der Prozess findet jedoch nicht mehr statt. In der Nacht vom 23. zum 24. April 1945 wird Eugen Ense mit weiteren Häftlingen von der SS zu einer Hausruine in der Puttkammer Straße zum Erschießen geführt. Als Einziger überlebt er die Mordaktion. Nach Kriegsende ist er wieder als Arzt in Berlin tätig.
Der mir diese Nachricht brachte, war einer der besten und mutigsten Männer, die ich in der SS-Haft gefunden habe: Dr. Ense, ein Arzt, wohnhaft in Berlin. Obwohl selbst Gefangener, gelang es ihm, zu uns anderen Gefangenen zu kommen, uns Erleichterungen zu verschaffen, sich manches Kranken anzunehmen, Mitteilungen zu vermitteln, wobei er oft und oft sein Leben aufs Spiel setzte.
Bericht von Augustin Rösch über Eugen Ense, der ihm die Nachricht vom Tod Freislers überbrachte
Quelle: Augustin Rösch, Kampf gegen den Nationalsozialismus, hrsg. von Roman Bleistein, Frankfurt am Main 1985, S. 314f.












