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Eugen Ense

10. Juni 1887, Berlin
29. Dezember 1978, Berlin (West)

Eugen Ense studiert Medizin und lässt sich 1928 als praktischer Arzt in Berlin nieder. 1942 lernt er durch Hans-Joachim von Reclam-Schlee den seit Frühjahr 1944 flüchtigen Haupt­mann Ludwig Gehre kennen. Gehre, der zum Widerstands­kreis im Amt Ausland/Abwehr gehört, kann sich durch die Unter­stützung verschiedener Freundinnen und Freunde bis November 1944 verborgen halten. Eugen Ense ver­sorgt Gehre mit Lebens­mitteln und organisiert Quartiere. 

Am 27. Oktober 1944 wird Eugen Ense fest­genommen und in die Gestapo-Abteilung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 ein­ge­liefert. Hier bemüht er sich inten­siv um seine erkrankten und unter den Folgen von Miss­handlungen durch die Gestapo leidenden Mit­häftlinge. Innerhalb der Haft­anstalt verfügt er über einen relativ großen Bewegungs­spielraum und kann so seine Mit­ge­fangenen mit Nach­richten versor­gen. 

Am 21. Februar 1945 wird er von der Lehrter Straße 3 in das „Haus­gefängnis” der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße 8 verlegt. Hier ist seit dem 1. Februar 1945 der schwer erkrankte Hans von Dohnanyi inhaftiert. Nachdem Dohnanyi über Wochen ohne jegliche Hilfe ge­blieben ist, soll Ense sich nun um den weitgehend gelähmten Gefangenen kümmern. Nach Dohnanyis Ein­lieferung in das Staats­krankenhaus der Polizei am 19. März 1945, bleibt Ense in der Prinz-Albrecht-Straße in Haft. 

Im April 1945 wird er wegen „Feind­begünstigung” und „Landes­verrat” angeklagt, der Prozess findet jedoch nicht mehr statt. In der Nacht vom 23. zum 24. April 1945 wird Eugen Ense mit weiteren Häftlingen von der SS zu einer Haus­ruine in der Puttkammer Straße zum Erschießen geführt. Als Einziger überlebt er die Mordaktion. Nach Kriegs­ende ist er wieder als Arzt in Berlin tätig.

Der mir diese Nach­richt brachte, war einer der besten und mutigsten Männer, die ich in der SS-Haft gefun­den habe: Dr. Ense, ein Arzt, wohn­haft in Berlin. Obwohl selbst Gefangener, gelang es ihm, zu uns anderen Gefangenen zu kommen, uns Erleichterungen zu verschaffen, sich manches Kranken anzunehmen, Mitteilungen zu vermitteln, wobei er oft und oft sein Leben aufs Spiel setzte.

Bericht von Augustin Rösch über Eugen Ense, der ihm die Nachricht vom Tod Freislers überbrachte

Quelle: Augustin Rösch, Kampf gegen den Nationalsozialismus, hrsg. von Roman Bleistein, Frankfurt am Main 1985, S. 314f.

Portrait: Eugen EnseEugen Ense