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Fritz Elsas

11. Juli 1890, Cannstadt
4. Januar 1945, KZ Sachsenhausen

Fritz Elsas, Sohn eines jüdi­schen Textil­industri­ellen und Kommer­zien­rats, konver­tiert während seines Studiums der Rechts- und Staats­wissen­schaf­ten zum christ­lichen Glauben. 1914 tritt er in den Dienst seiner Heimat­stadt Stutt­gart, sichert während des Ersten Welt­kriegs die Lebens­mittel­ver­sor­gung der Bevölkerung und wird 1919 zum Stadt­rat (Rechts­rat) gewählt. 

1918 tritt er der Deutschen Demo­kra­tischen Partei (DDP) bei, die er zwischen 1924 und 1926 im Würt­tem­bergi­schen Land­tag vertritt. Ab 1926 Vize­präsi­dent des Deutschen und Preußi­schen Städte­tags, wird Fritz Elsas 1931 zum Zweiten Bürger­meister von Berlin gewählt. 

1933 kommt er seiner Ent­lassung durch ein Urlaubs­gesuch zuvor und führt Bera­tungen für Emigranten durch. Er gehört dem liberalen Wider­stands­kreis um den Berliner Land­gerichts­rat Ernst Strass­mann an und nutzt seine Kontakte, um Liberale mit Gewerk­schafts­gruppen um Wilhelm Leuschner und konser­vativen Regime­gegnern um Carl Goerdeler zu ver­netzen. Für diesen erarbeitet er eine Pro­klama­tion für die Öffent­lich­keit, er selbst soll nach einem erfolg­reichen Umsturz die Reichs­kanzlei leiten. 

Nach dem 20. Juli 1944 ver­steckt die Familie Elsas kurze Zeit den flüch­tigen Carl Goerdeler. Am 10. August 1944 wird Fritz Elsas fest­ge­nommen und in die Gesta­po-Son­derab­teilung des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße 3 gebracht, wo er als „Hilfs­kal­faktor” einge­setzt wird. Seine Frau Marie, geb. Scholl, und die drei Kinder werden in „Sippen­haft” genommen. 

Am 28. Dezember wird Fritz Elsas mit etwa 40 Personen in das KZ Sach­sen­hau­sen überführt und dort am 4. Januar 1945 ohne Gerichts­ver­fahren ermordet.

Über die 40 politischen Häftlinge, die am 28. Dezember nach Sach­sen­hausen gekommen und dort am 4. Januar 1945 erschossen worden sein sollen, kann ich Ihnen leider keine Aus­kunft geben. Einen derselben kannte ich sehr gut, Herrn Dr. Fritz Elsas, der ja in der Lehrter Straße 3 während meiner Haft als Kalfak­tor tätig war, d.h. er wurde beschäf­tigt mit Wegtragen der Kübel und beim Austeilen des Essens. ... Er hatte sich in der letzten Zeit eine Infek­tion am rechten Unter­arm zugezogen, die ihn arbeits­unfähig machte. Er trug den Arm dauernd in einem starken Verband.

Albrecht Fischer über Fritz Elsas im Zellengefängnis Lehrter Straße, 5. Januar 1954

Quelle: Institut für Zeitgeschichte München, ED 106/70

Der Staat will Menschen, die ihn in Liebe bejahen. Gegen den Zwang des befeh­lenden Führers stellt sich die Frei­heit des einzelnen, selbst­verant­wort­lichen Men­schen. Dem Ungeist der Gewalt wirft sich der Geist der Frei­heit entgegen. Er muß aus der Abwehr zum Angriff schreiten ... Seid ihr, Bürger, wie eure Gegner sagen, wirklich ganz über­altert, geschwächt, verfallen, der Ohn­macht preis­gegeben? ... Noch könnt ihr handeln! Noch könnt ihr aus der Abwehr zum Angriff schreiten ...

Fritz Elsas, „Aus der Abwehr zum Angriff”, in: Vossische Zeitung vom 28. Mai 1932

Quelle: Fritz Elsas, Ein Demokrat im Widerstand. Zeugnisse eines Liberalen in der Weimarer Republik. Hrsg. von Manfred Schmid, Gerlingen 1999, S. 32f.

Portrait: Fritz ElsasFritz Elsas, 1930er Jahre