Fritz Elsas
4. Januar 1945, KZ Sachsenhausen
Fritz Elsas, Sohn eines jüdischen Textilindustriellen und Kommerzienrats, konvertiert während seines Studiums der Rechts- und Staatswissenschaften zum christlichen Glauben. 1914 tritt er in den Dienst seiner Heimatstadt Stuttgart, sichert während des Ersten Weltkriegs die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung und wird 1919 zum Stadtrat (Rechtsrat) gewählt.
1918 tritt er der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bei, die er zwischen 1924 und 1926 im Württembergischen Landtag vertritt. Ab 1926 Vizepräsident des Deutschen und Preußischen Städtetags, wird Fritz Elsas 1931 zum Zweiten Bürgermeister von Berlin gewählt.
1933 kommt er seiner Entlassung durch ein Urlaubsgesuch zuvor und führt Beratungen für Emigranten durch. Er gehört dem liberalen Widerstandskreis um den Berliner Landgerichtsrat Ernst Strassmann an und nutzt seine Kontakte, um Liberale mit Gewerkschaftsgruppen um Wilhelm Leuschner und konservativen Regimegegnern um Carl Goerdeler zu vernetzen. Für diesen erarbeitet er eine Proklamation für die Öffentlichkeit, er selbst soll nach einem erfolgreichen Umsturz die Reichskanzlei leiten.
Nach dem 20. Juli 1944 versteckt die Familie Elsas kurze Zeit den flüchtigen Carl Goerdeler. Am 10. August 1944 wird Fritz Elsas festgenommen und in die Gestapo-Sonderabteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 gebracht, wo er als „Hilfskalfaktor” eingesetzt wird. Seine Frau Marie, geb. Scholl, und die drei Kinder werden in „Sippenhaft” genommen.
Am 28. Dezember wird Fritz Elsas mit etwa 40 Personen in das KZ Sachsenhausen überführt und dort am 4. Januar 1945 ohne Gerichtsverfahren ermordet.
Über die 40 politischen Häftlinge, die am 28. Dezember nach Sachsenhausen gekommen und dort am 4. Januar 1945 erschossen worden sein sollen, kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben. Einen derselben kannte ich sehr gut, Herrn Dr. Fritz Elsas, der ja in der Lehrter Straße 3 während meiner Haft als Kalfaktor tätig war, d.h. er wurde beschäftigt mit Wegtragen der Kübel und beim Austeilen des Essens. ... Er hatte sich in der letzten Zeit eine Infektion am rechten Unterarm zugezogen, die ihn arbeitsunfähig machte. Er trug den Arm dauernd in einem starken Verband.
Albrecht Fischer über Fritz Elsas im Zellengefängnis Lehrter Straße, 5. Januar 1954
Quelle: Institut für Zeitgeschichte München, ED 106/70
Der Staat will Menschen, die ihn in Liebe bejahen. Gegen den Zwang des befehlenden Führers stellt sich die Freiheit des einzelnen, selbstverantwortlichen Menschen. Dem Ungeist der Gewalt wirft sich der Geist der Freiheit entgegen. Er muß aus der Abwehr zum Angriff schreiten ... Seid ihr, Bürger, wie eure Gegner sagen, wirklich ganz überaltert, geschwächt, verfallen, der Ohnmacht preisgegeben? ... Noch könnt ihr handeln! Noch könnt ihr aus der Abwehr zum Angriff schreiten ...
Fritz Elsas, „Aus der Abwehr zum Angriff”, in: Vossische Zeitung vom 28. Mai 1932
Quelle: Fritz Elsas, Ein Demokrat im Widerstand. Zeugnisse eines Liberalen in der Weimarer Republik. Hrsg. von Manfred Schmid, Gerlingen 1999, S. 32f.







