Harry Drucker
7. Juni 1972, Berlin (West)
Zum Zeitpunkt der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist Harry Drucker Geschäftsführer zweier Baufirmen in Berlin. Da er nach den „Nürnberger Rassengesetzen” als „Halbjude“ gilt, ist er erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Repressalien ausgesetzt. Er ist gezwungen, unauffällig zu leben, kann seine als „arisch“ geltende Lebensgefährtin nicht heiraten und das gemeinsame Kind nicht offiziell anerkennen lassen. Um der Verfolgung zu entgehen, ist er gezwungen, sich als Unterstützer des nationalsozialistischen Regimes zu tarnen. Über seinen Mitgesellschafter Karl Arndt kommt Harry Drucker in Kontakt mit Widerstandsnetzwerken. Infolge dieser Kontakte gerät er in den Fokus der Gestapo.
Am 23. Dezember 1944 wird Harry Drucker festgenommen und in das Zellengefängnis Lehrter Straße eingeliefert. Über seine Anwälte kann er die Verlegung in ein Konzentrationslager verhindern und erfährt, dass ein Verfahren wegen Wirtschaftsspionage gegen ihn vorbereitet wird. Offenbar lassen sich jedoch keine ausreichenden Beweise gegen ihn ermitteln und es kommt zu keiner Anklage. Am 27. Januar 1945 wird er in das Untersuchungsgefängnis Moabit überführt und dort am 24. April von der Roten Armee befreit.
Am 19. Mai 1945 heiratet Harry Drucker seine Lebensgefährtin Hildegard Schittek. In der Nachkriegszeit wirkt er an Entnazifizierungsverfahren mit und unterstützt die britischen Besatzungstruppen bei Beschaffungsaufgaben.


