‹ zurück zur Übersicht

Constantin von Dietze

9. August 1891, Calbe/Saale
18. März 1973, Freiburg im Breisgau

Constantin von Dietze wird 1919 zum Dr. rer. pol. promo­viert und habilitiert sich 1922 am For­schungs­institut für Agrar- und Sied­lungs­wesen in Berlin. 1927 kommt er als ordent­licher Pro­fessor nach Jena, 1932 folgt er dem Ruf an die Ber­liner Fried­rich-Wil­helms-Uni­versität. Von Dietze steht mit sei­ner reli­giösen Hal­tung in Oppo­sition zum NS-Regime und wird 1934 in den Bruder­rat der Be­kennen­den Kirche ge­wählt. 1937 nimmt er einen Ruf an die Uni­versi­tät Freiburg an. Unter dem Ein­druck des November­pogroms 1938 schlie­ßen sich mehrere Pro­fes­soren und Ver­treter beider Kir­chen als „Frei­bur­ger Kreis” zusam­men, um über gesell­schaf­tliche und ethische Fra­gen zu dis­kutieren. Dort wirkt Con­stantin von Dietze be­stim­mend mit. Seit 1937 kennt er Carl Goerdeler und ge­winnt über diesen und Graf York von War­ten­burg großen Ein­fluss auf die Agrar­politik des Krei­sauer Krei­ses. 

Constantin von Dietze wird am 8. Septem­ber 1944 fest­genom­men. Er wird in das Zellen­gefäng­nis Lehrter Stra­ße in Berlin ge­bracht, am 4. Okto­ber für zwei Mo­nate in den Zellen­bau des KZ Ravens­brück ver­legt und En­de Dezem­ber zurück in das Zellen­gefäng­nis ge­bracht. Am 25. April 1945 wird er ent­lassen und kehrt zu sei­ner Fa­milie nach Frei­burg zurück, wo er seine Lehr­tätig­keit wie­der auf­nimmt. 

Von 1946 bis 1949 ist Con­stantin von Dietze Rektor der Frei­burger Uni­versität und bis zu sei­nem Tode Vor­sitzender der von ihm ge­gründeten For­schungs­gesell­schaft für Agrar­poli­tik und Agrar­soziolo­gie.

Es ist ein gro­ßes Zellen­gefäng­nis. Das Ganze sehr ver­wahrlost, dreckig und voller Un­gezie­fer. Die Posten sind freund­lich, aber es herrscht keine Ord­nung. Spazier­gang ist ganz un­regel­mäßig; ich hatte in dieser Woche erst zwei Mal. Höhere Vor­gesetzte sieht man eigent­lich nie­mals, das hat Vor­züge, aber auch Nach­teile. Es hat eine ganze Woche ge­dauert, bis ich ges­tern auf meine wieder­holten Bitten Wasser­eimer und Scheuer­tuch be­kam, um den schlimms­ten Dreck in mei­ner Zelle zu ent­fernen.



Aus einem Kassiber von Constantin von Dietze vom 30. Dezember 1944

Quelle: Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP) der Konrad-Adenauer-Stiftung, Briefe und Nachrichten aus der Haftzeit in Moabit, B-10

Portrait: Constantin von DietzeConstantin von Dietze, 1938