Constantin von Dietze
18. März 1973, Freiburg im Breisgau
Constantin von Dietze wird 1919 zum Dr. rer. pol. promoviert und habilitiert sich 1922 am Forschungsinstitut für Agrar- und Siedlungswesen in Berlin. 1927 kommt er als ordentlicher Professor nach Jena, 1932 folgt er dem Ruf an die Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Von Dietze steht mit seiner religiösen Haltung in Opposition zum NS-Regime und wird 1934 in den Bruderrat der Bekennenden Kirche gewählt. 1937 nimmt er einen Ruf an die Universität Freiburg an. Unter dem Eindruck des Novemberpogroms 1938 schließen sich mehrere Professoren und Vertreter beider Kirchen als „Freiburger Kreis” zusammen, um über gesellschaftliche und ethische Fragen zu diskutieren. Dort wirkt Constantin von Dietze bestimmend mit. Seit 1937 kennt er Carl Goerdeler und gewinnt über diesen und Graf York von Wartenburg großen Einfluss auf die Agrarpolitik des Kreisauer Kreises.
Constantin von Dietze wird am 8. September 1944 festgenommen. Er wird in das Zellengefängnis Lehrter Straße in Berlin gebracht, am 4. Oktober für zwei Monate in den Zellenbau des KZ Ravensbrück verlegt und Ende Dezember zurück in das Zellengefängnis gebracht. Am 25. April 1945 wird er entlassen und kehrt zu seiner Familie nach Freiburg zurück, wo er seine Lehrtätigkeit wieder aufnimmt.
Von 1946 bis 1949 ist Constantin von Dietze Rektor der Freiburger Universität und bis zu seinem Tode Vorsitzender der von ihm gegründeten Forschungsgesellschaft für Agrarpolitik und Agrarsoziologie.
Es ist ein großes Zellengefängnis. Das Ganze sehr verwahrlost, dreckig und voller Ungeziefer. Die Posten sind freundlich, aber es herrscht keine Ordnung. Spaziergang ist ganz unregelmäßig; ich hatte in dieser Woche erst zwei Mal. Höhere Vorgesetzte sieht man eigentlich niemals, das hat Vorzüge, aber auch Nachteile. Es hat eine ganze Woche gedauert, bis ich gestern auf meine wiederholten Bitten Wassereimer und Scheuertuch bekam, um den schlimmsten Dreck in meiner Zelle zu entfernen.
Aus einem Kassiber von Constantin von Dietze vom 30. Dezember 1944
Quelle: Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP) der Konrad-Adenauer-Stiftung, Briefe und Nachrichten aus der Haftzeit in Moabit, B-10














