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Justus Delbrück

25. November 1902, Berlin
23. Oktober 1945, Sowjetisches Speziallager Nr. 6, Jamlitz

Justus Delbrück wird nach einem Studium der Rechts­wissen­schaften 1930 Regie­rungs­rat in Schles­wig. Im selben Jahr heira­tet er Ellen von Wahl, mit der er drei Kinder bekommt. Während der Wei­marer Jahre gehört er der Deut­schen Demo­krati­schen Partei (DDP) an, 1933 ver­weigert er den Ein­tritt in die NSDAP. 1935 scheidet er aus dem Staats­dienst aus und wechselt in die Privat­wirt­schaft. 

Im Mai 1940 wird Justus Del­brück zur Wehr­macht ein­ge­zogen und von Juli 1942 bis März 1943 als Son­der­füh­rer im Amt Aus­land/Ab­wehr im Ober­kom­mando der Wehr­macht ein­ge­setzt. Er gehört dort zum Kreis der NS-Gegner um Hans Oster und arbeitet mit seinem Schwager Hans von Dohnanyi und Karl Ludwig Frei­herr von und zu Gutten­berg an der Ver­schwö­rung gegen Hitler mit. Zum Wider­stands­kreis gehört auch Klaus Bon­hoeffer, ein enger Freund und der Mann seiner Schwester Emmi Delbrück.   

Als nach dem geschei­terten Um­sturz­ver­such vom 20. Juli 1944 die Kon­takte der Mili­tär­oppo­sition zur Aus­lands­ab­wehr bekannt werden, wird Justus Del­brück am 10. August 1944 in Spandau fest­ge­nom­men und am 18. August in die Gesta­po-Abtei­lung des Zellen­ge­fäng­nisses Lehrter Straße 3 ein­ge­liefert. 

Ein Gesta­po­beamter ver­sucht aus Sym­pa­thie das Ver­fah­ren gegen ihn zu ver­zö­gern. Del­brück bleibt als einziger seiner poli­tischen Freunde von den Mord­aktio­nen der Gesta­po ver­schont und betei­ligt sich nach seiner am 25. April 1945 erfolg­ten Ent­las­sung aus der Haft an der Suche nach ihnen.   

Am 20. Mai wird er von einem sowje­tischen Offi­zier erneut fest­ge­nom­men, um zum Um­sturz­ver­such ver­nom­men zu werden. Vom NKWD zunächst in ein Lager bei Frank­furt/Oder, dann in das Spezial­lager Nr. 6 Jamlitz bei Liebe­rose in Bran­den­burg ver­schleppt, erliegt Justus Del­brück von der Haft geschwächt und unter­er­nährt am 23. Okto­ber 1945 einer Diph­the­rie­er­kran­kung.

Wenn Gott will, kann er durch den Tod eines Menschen mehr sagen als durch sein Leben.

Tagebucheintrag von Justus Delbrück am 21. Dezember 1944 im Gefängnis Lehrter Straße

Quelle: Eberhard und Renate Bethge (Hrsg.), Letzte Briefe im Widerstand. Aus dem Kreis der Familie Bonhoeffer, München 1984, S. 93.

Portrait: Justus DelbrückJustus Delbrück