Justus Delbrück
23. Oktober 1945, Sowjetisches Speziallager Nr. 6, Jamlitz
Justus Delbrück wird nach einem Studium der Rechtswissenschaften 1930 Regierungsrat in Schleswig. Im selben Jahr heiratet er Ellen von Wahl, mit der er drei Kinder bekommt. Während der Weimarer Jahre gehört er der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an, 1933 verweigert er den Eintritt in die NSDAP. 1935 scheidet er aus dem Staatsdienst aus und wechselt in die Privatwirtschaft.
Im Mai 1940 wird Justus Delbrück zur Wehrmacht eingezogen und von Juli 1942 bis März 1943 als Sonderführer im Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht eingesetzt. Er gehört dort zum Kreis der NS-Gegner um Hans Oster und arbeitet mit seinem Schwager Hans von Dohnanyi und Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg an der Verschwörung gegen Hitler mit. Zum Widerstandskreis gehört auch Klaus Bonhoeffer, ein enger Freund und der Mann seiner Schwester Emmi Delbrück.
Als nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 die Kontakte der Militäropposition zur Auslandsabwehr bekannt werden, wird Justus Delbrück am 10. August 1944 in Spandau festgenommen und am 18. August in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert.
Ein Gestapobeamter versucht aus Sympathie das Verfahren gegen ihn zu verzögern. Delbrück bleibt als einziger seiner politischen Freunde von den Mordaktionen der Gestapo verschont und beteiligt sich nach seiner am 25. April 1945 erfolgten Entlassung aus der Haft an der Suche nach ihnen.
Am 20. Mai wird er von einem sowjetischen Offizier erneut festgenommen, um zum Umsturzversuch vernommen zu werden. Vom NKWD zunächst in ein Lager bei Frankfurt/Oder, dann in das Speziallager Nr. 6 Jamlitz bei Lieberose in Brandenburg verschleppt, erliegt Justus Delbrück von der Haft geschwächt und unterernährt am 23. Oktober 1945 einer Diphtherieerkrankung.
Wenn Gott will, kann er durch den Tod eines Menschen mehr sagen als durch sein Leben.
Tagebucheintrag von Justus Delbrück am 21. Dezember 1944 im Gefängnis Lehrter Straße
Quelle: Eberhard und Renate Bethge (Hrsg.), Letzte Briefe im Widerstand. Aus dem Kreis der Familie Bonhoeffer, München 1984, S. 93.








