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Gustav Dahrendorf

8. Februar 1901, Hamburg
30. Oktober 1954, Braunlage

Der Kauf­mann Gustav Dahrendorf wird 1932 für die SPD als einer der jüngsten Abgeord­neten in den Reichs­tag gewählt. Er wird als Sozial­demo­krat 1933 zweimal inhaftiert. Seine Tätig­keit im Brenn­stoffgroß­handel nutzt Dahren­dorf für Verbin­dungen zu früheren Partei­freunden um Julius Leber, Carlo Mieren­dorff, Theodor Haubach und Wilhelm Leuschner. Er ist ver­hei­ratet mit Lina Maria Sörnsen, mit der er zwei Söhne hat. Gustav Dahren­dorf beteiligt sich an der Umsturz­planung der Gruppen um Ludwig Beck und Carl Goerdeler und stellt sich als poli­tischer Beauf­tragter für den Wehr­kreis X (Ham­burg) zur Ver­fügung. 

Nach dem geschei­terten Attentat auf Hitler wird der Sozial­demo­krat am 23. Juli 1944 festge­nommen und im Zellen­gefängnis Lehrter Straße inhaf­tiert. Vom 14. August bis zum 28. Septem­ber 1944 wird er im KZ Ravens­brück festge­halten, anschlie­ßend wieder im Zellen­gefäng­nis und ab dem 14. Okto­ber in der Prinz-Albrecht-Straße 8.    

Am 20. Oktober 1944 ver­urteilt der „Volks­gerichts­hof” unter Roland Freisler die Sozial­demo­kraten Julius Leber, Adolf Reich­wein und Hermann Maaß zum Tode, Gustav Dahrendorf erhält eine sieben­jährige Zucht­haus­strafe, welche er in Bran­den­burg-Görden bis zur Befrei­ung durch die Rote Armee ver­büßt. 

Nach dem Krieg wider­setzt er sich in der sowje­tischen Besatzungs­zone der Zwangs­vereini­gung von KPD und SPD zur SED und findet nach seiner Flucht in Hamburg eine neue Aufgabe in der Ent­wick­lung der Konsum­genossen­schaften.

Meine Zelle befand sich im ersten Stock jenes Gefäng­nis­flügels, den die Gestapo für die Häft­linge des 20. Juli hatte räumen lassen. Beim täglichen Heraus­stellen des Kübels und des Wasser­kruges hatte ich jeweils für wenige Sekunden Gelegen­heit, die Zellen auf der gegen­über­liegenden Seite des Erdge­schosses zu sehen. Gleich am ersten oder zweiten Tage meines Auf­ent­halts in der Lehrter Straße sah ich Adolf Reich­wein. ... Er wurde jeden Abend gefesselt. Mit Ketten wurde ein Arm mit beiden Beinen zusam­men­gefesselt: In dieser unglück­lichen Lage musste Reich­wein des Nachts schlafen. Morgens wurden die Fesseln entfernt. Bei diesem Vor­gang sah ich ihn zum ersten Mal.

Gustav Dahrendorf nach 1945 über die Haft im Zellengefängnis

Quelle: Gustav Dahrendorf, Adolf Reichweins letzte Tage, in: Heinrich-Kaufmann-Stiftung (Hg.), Gustav Dahrendorf. Hamburger Bürgermeister des 20. Juli 1944, Hamburg 2004, S. 18ff.

Portrait: Gustav DahrendorfGustav Dahrendorf