Gustav Daft
22. Dezember 2002, Moers
Gustav Daft kommt im polnischen Cyców zur Welt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ottilie zieht er ins Ruhrgebiet, wo er als Bergmann arbeitet. 1932 tritt das Ehepaar aus der evangelischen Kirche aus und schließt sich den Ernsten Bibelforschern (Zeugen Jehovas) an.
1935 wird Gustav Daft wegen der Verbreitung von Schriften der Glaubensgemeinschaft zu einem Monat Haft verurteilt. Im August 1937 wird er vom Sondergericht Düsseldorf erneut wegen seiner religiösen Aktivitäten verurteilt und bis zum 5. Mai 1938 im Straf- und Gerichtsgefängnis Wuppertal inhaftiert.
Bereits kurze Zeit nach seiner Haftentlassung wird Daft in „Schutzhaft” genommen und am 20. August 1938 in das KZ Buchenwald verschleppt. Am 6. Mai 1940 wird er in das KZ Sachsenhausen überstellt, von wo er am 29. August 1944 gemeinsam mit weiteren Häftlingen in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 gebracht wird.
Gustav Daft wird in der Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses als Kalfaktor eingesetzt und ist hier, wie aus verschiedenen Häftlingsberichten hervorgeht, vor allem für die Rasur der Mitgefangenen zuständig.
Er wird am 22. April 1945 aus der Haft entlassen. In den folgenden Jahren lebt Gustav Daft in Repelen bei Moers.
Gustav [Daft] aber, der für unseren Flur zuständig war und dessen Familiennamen ich nie erfahren habe, trug eine achtjährige, zum Teil sehr schwere Gefangenschaft mit einer fröhlichen und christlichen Gelassenheit, an der alle Brutalität einer feindlichen Welt völlig spurlos vorübergegangen war. ... Sie können für sich in Anspruch nehmen, die einzigen Kriegsdienstverweigerer großen Stils zu sein, die es im Dritten Reich gegeben hat, und zwar offen und um des Gewissens willen.
Bericht von Hanns Lilje über die im Zellengefängnis als Kalfaktoren eingesetzten Bibelforscher und Gustav Daft
Quelle: Hanns Lilje, Im finstern Tal. Rückblicke auf eine Haft, Hannover 1999, S. 64.






















