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Victor Caillé

30. Juni 1886, Königsberg (Kaliningrad)
25. Oktober 1958, Hannover

Victor Caillé absolviert ein Chemie­studium und über­nimmt nach der Teil­nahme am Ersten Welt­krieg 1918 die Geschäfts­füh­rung der „Färbe­rei und chemi­schen Reini­gungs­anstalt Caillé & Lebelt”, das 1875 von seinem Vater in Königs­berg gegrün­det wurde. 1919 heiratet er Mathilde Michaelis, mit der er vier Kinder bekommt. 

In den Jahren der Weimarer Republik ist Victor Caillé als Stadt­ver­ord­neter der Deutsch­natio­nalen Volks­par­tei (DNVP) in der Kommunal­politik aktiv. Hierbei lernt er Carl Goerdeler kennen, der ebenfalls Mitglied der DNVP und von 1920 bis 1930 Bürger­meister von Königs­berg ist.

1933 legt Caillé sein Stadt­ver­ord­neten­mandat nieder. Wäh­rend des Krieges gehört er einem Kreis von Regime­kritikern um Carl und Fritz Goerdeler an, jener ist seit 1933 Stadt­käm­merer in Königs­berg. Im Fall eines erfolg­reichen Umsturzes soll Caillé ein Amt in der kom­munalen Ver­waltung über­nehmen. 

Victor Caillé wird am 19. Dezember 1944 in seiner Fabrik fest­genom­men, nach Berlin gebracht und am 23. Dezember im Zellen­gefängnis Lehrter Straße 3 inhaf­tiert. Am 20. Februar 1945 über­stellt die Gestapo ihn und andere Häftlinge in das KZ Sach­sen­hausen. Aufgrund der Hilfe seines Freundes und Mit­häft­lings Ernst Riebes über­lebt er den Todes­marsch aus dem Lager.

Von 1946 bis zu seinem Tod 1958 lebt Victor Caillé in Hannover und arbeitet als Färberei­techniker in der Firma eines Freundes und Berufs­kollegen.  

Vielleicht interes­siert es Sie noch, dass ich wahr­schein­lich einer der ganz wenigen bin, die im Januar 45 Carl Goerdeler noch lebend gesehen haben. Ich war vom Lehrter Gefäng­nis, wo ich seit Dezember 44 sass, zum Reichs­sicher­heits­haupt­amt zu einer der üblichen Ver­neh­mungen geholt worden, und da ein ziemlich schwerer Tages­angriff kam, mussten wir alle in den Bunker ... und hierbei kam ich durch Zufall ziem­lich dicht neben Goerdeler zu stehen. Konnte ihm auch noch zunicken, aber leider nicht sprechen. Er sah von den ewigen Ver­hören doch s e h r mitge­nommen aus.

Victor Caillé in einem Brief an Walter Hammer vom 15. Juni 1954

Quelle: Institut für Zeitgeschichte, ED 106/70-175

Portrait: Victor CailléVictor Caillé, Juli 1945