Victor Caillé
25. Oktober 1958, Hannover
Victor Caillé absolviert ein Chemiestudium und übernimmt nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg 1918 die Geschäftsführung der „Färberei und chemischen Reinigungsanstalt Caillé & Lebelt”, das 1875 von seinem Vater in Königsberg gegründet wurde. 1919 heiratet er Mathilde Michaelis, mit der er vier Kinder bekommt.
In den Jahren der Weimarer Republik ist Victor Caillé als Stadtverordneter der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) in der Kommunalpolitik aktiv. Hierbei lernt er Carl Goerdeler kennen, der ebenfalls Mitglied der DNVP und von 1920 bis 1930 Bürgermeister von Königsberg ist.
1933 legt Caillé sein Stadtverordnetenmandat nieder. Während des Krieges gehört er einem Kreis von Regimekritikern um Carl und Fritz Goerdeler an, jener ist seit 1933 Stadtkämmerer in Königsberg. Im Fall eines erfolgreichen Umsturzes soll Caillé ein Amt in der kommunalen Verwaltung übernehmen.
Victor Caillé wird am 19. Dezember 1944 in seiner Fabrik festgenommen, nach Berlin gebracht und am 23. Dezember im Zellengefängnis Lehrter Straße 3 inhaftiert. Am 20. Februar 1945 überstellt die Gestapo ihn und andere Häftlinge in das KZ Sachsenhausen. Aufgrund der Hilfe seines Freundes und Mithäftlings Ernst Riebes überlebt er den Todesmarsch aus dem Lager.
Von 1946 bis zu seinem Tod 1958 lebt Victor Caillé in Hannover und arbeitet als Färbereitechniker in der Firma eines Freundes und Berufskollegen.
Vielleicht interessiert es Sie noch, dass ich wahrscheinlich einer der ganz wenigen bin, die im Januar 45 Carl Goerdeler noch lebend gesehen haben. Ich war vom Lehrter Gefängnis, wo ich seit Dezember 44 sass, zum Reichssicherheitshauptamt zu einer der üblichen Vernehmungen geholt worden, und da ein ziemlich schwerer Tagesangriff kam, mussten wir alle in den Bunker ... und hierbei kam ich durch Zufall ziemlich dicht neben Goerdeler zu stehen. Konnte ihm auch noch zunicken, aber leider nicht sprechen. Er sah von den ewigen Verhören doch s e h r mitgenommen aus.
Victor Caillé in einem Brief an Walter Hammer vom 15. Juni 1954
Quelle: Institut für Zeitgeschichte, ED 106/70-175






