Odilo Braun OP
9. August 1981, Braunschweig
Odilo Braun, der sich schon früh der katholischen Jugendbewegung angeschlossen hat, tritt 1926 in den Dominikanerorden ein. Er studiert Philosophie und Theologie und wird im Februar 1933 in Köln zum Priester geweiht. Neben seiner Tätigkeit als Volksmissionar übernimmt er 1936 die Leitung des Albertus-Magnus-Verlages in Vechta, dessen Schließung durch die Nationalsozialisten er jedoch nicht verhindern kann.
Wegen einer regimekritischen Predigt erhält er 1937 von der Gestapo eine Verwarnung. 1938 wird ihm die Aufgabe des Provinzsyndikus in Köln übertragen, 1940 wird er Generalsekretär der Superioren-Vereinigung in Berlin, einem Zusammenschluss der Höheren missionarischen Orden in Deutschland, für dessen Selbstauflösung er sich 1941 einsetzt, um einem Verbot zuvorzukommen. Dem anschließend gegründeten Ausschuss für Ordensangelegenheiten gehört Braun seit seiner Konstituierung an.
Braun steht mit verschiedenen Widerstandskreisen, besonders mit vielen Angehörigen des Kreisauer Kreises, in Verbindung. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch wird er am 27. Oktober festgenommen und im Zellengefängnis Lehrter Straße 3 inhaftiert. Mehrfach wird Odilo Braun verhört und dabei misshandelt. Während der Haftzeit steht er seinen Mitgefangenen als Seelsorger bei und kann in der Zelle die Heilige Messe feiern. Am 12. Februar 1945 wird er aus der Haft entlassen.
Zwischen 1945 und 1958 ist er Gefängnisseelsorger in Berlin und hat zwischen 1946 und 1948 den Vorsitz von vier Entnazifizierungskommissionen inne. Ab 1950 ist er als Seelsorger mit der Flüchtlingsbetreuung in Berlin und Uelzen betraut. Als Kuratoriumsmitglied der Stiftung „Hilfswerk 20. Juli 1944” prägt er von 1968 bis zu seinem Tod 1981 maßgeblich die öffentlichen Gedenkveranstaltungen zum 20. Juli und leitet die jährlichen Gottesdienste in Plötzensee.
Manchmal tat ich Dienst neben ihm. Es hatte begonnen in den Gängen der Lehrter Straße 3. Der Mitgefangene verschaffte mir Oblaten, ich gab ihm von dem Wein aus Ernst von Harnacks Todeszelle. Und jeder konnte seinen Gottesdienst mit und für die Kameraden begehen. ... [D]as Bild unbezwingbarer Treue zu den Heimgesuchten bleibt unausgelöscht.
Eberhard Bethge über Odilo Braun OP in seinem Nachruf vom 13. August 1981
Quelle: Archiv Stiftung Hilfswerk 20. Juli 1944










