Eugen Bolz
23. Januar 1945, Berlin-Plötzensee
Eugen Bolz wächst in einer katholischen Familie auf und schließt sich früh dem Windthorstbund, der Jugendorganisation der Zentrumspartei, an. 1912 wird er als jüngster Abgeordneter in den Reichstag gewählt, 1919 zum württembergischen Justizminister und 1923 zum Innenminister ernannt. Seit 1920 ist er mit Maria Hoeneß verheiratet, mit der er eine Tochter hat. 1928 wählt ihn eine Rechts-Mitte-Koalition zum württembergischen Staatspräsidenten. Bolz bemüht sich um die Stabilisierung der politischen Verhältnisse und unterstützt die Politik des Reichskanzlers Heinrich Brüning. Anfang 1933 bezieht er deutlich Stellung gegen Hitler und weigert sich, ihm den Schlosshof in Stuttgart für eine Wahlkundgebung zur Verfügung zu stellen.
Am 11. März 1933 wird seine Regierung von den Nationalsozialisten abgesetzt, er selbst im Juni für mehrere Wochen in „Schutzhaft“ genommen. Bolz hält jedoch weiterhin die Verbindung zu seinen politischen Freunden aus der aufgelösten Zentrumspartei, aus der verbotenen SPD und der früheren liberalen Deutschen Staatspartei aufrecht. Seit dem Winter 1941/1942 steht er in Kontakt mit dem Widerstandskreis um Carl Goerdeler und soll nach dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 ein Ministeramt erhalten.
Eugen Bolz wird am 12. August 1944 festgenommen, am 27. August nach Berlin überführt und schließlich in den Zellenbau des Konzentrationslagers Ravensbrück überstellt. Während der Verhöre wird er schwer misshandelt. Am 2. November wird Bolz in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 gebracht, am 21. Dezember vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.
Das Bild von Eugen Bolz bewahre ich als einen der tiefsten und bewegendsten Eindrücke aus meiner Haft. Nie hat ihn die innere Sicherheit und seine in einem tiefen christlichen Glauben verankerte Zuversicht verlassen, und niemals hat er auch nur im geringsten seine menschliche Würde preisgegeben. Er war uns allen ein Vorbild entschlossener, männlicher Haltung, die gerade im tiefsten Unglück sich bewährte und den unerschrockenen Kämpfer für Freiheit, Wahrheit und Recht erkennen ließ.
Auszug aus dem Erinnerungsbericht von Andreas Hermes mit einer Beschreibung von Eugen Bolz
Quelle: Max Miller, Eugen Bolz. Staatsmann und Bekenner, Stuttgart 1951, S. 517f.


















