Peter Bielenberg
12. März 2001, Wexford
Peter Bielenberg wächst in wohlhabenden Verhältnissen in Hamburg auf und schlägt wie sein Vater eine juristische Laufbahn ein. Als Rechtsreferendar verweigert er den Treueeid auf Hitler. 1934 lernt er Adam von Trott zu Solz kennen, der sein engster Freund wird. Im gleichen Jahr heiratet er die Britin Christabel Burton, mit der er eine Familie gründet.
1938 übernimmt Peter Bielenberg zunächst die Kanzlei seines Vaters, folgt dann jedoch von Trotts Überzeugung, dass Widerstand gegen das NS-Regime aus dem Staatsapparat heraus nötig sei, und nimmt eine Stelle im Berliner Wirtschaftsministerium an. Im Sommer 1939 versuchen beide - von Trott als Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes - Hitler von der Kriegsentschlossenheit der Alliierten zu überzeugen. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion von der Generalität enttäuscht, distanziert sich Bielenberg vom Widerstand und leistet Hilfe im persönlichen Umfeld.
Nach dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wird er am 6. August 1944 von der Gestapo in Graudenz festgenommen und Mitte September 1944 in das Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße 3 überführt. Am 4. Oktober wird er in den Zellenbau des KZ Ravensbrück überstellt.
Nach Intervention seiner Frau, die im Reichssicherheitshauptamt vorspricht, wird Peter Bielenberg Mitte Februar 1945 aus der Haft in ein Strafbataillon entlassen und kann sich bis Kriegsende im Schwarzwald verstecken.
1947 ziehen die Bielenbergs nach Irland und beginnen im Südosten ein Landgut zu bewirtschaften, das Treffpunkt wird von Hinterbliebenen.
Die meisten Verhöre waren nachts in der Prinz-Albrecht-Straße, diejenigen, die danach noch gehen konnten, nun ja, die sind zurückgegangen – die andern wurden in einer Decke in ihre Zelle zurückgetragen – und einfach hineingeschmissen. ... [I]ch glaube, daß mir zum erstenmal seit 1933 meine juristische Schulung geholfen hat. Ich habe Stunden damit zugebracht, mir seine Fragen und meine Antworten ... einzuprägen, meine Antworten mußten immer die gleichen sein.
Peter Bielenberg über die Gestapoverhöre während der Haft im Zellengefängnis
Quelle: Christabel Bielenberg, Als ich Deutsche war 1934–1945. Eine Engländerin erzählt, München 1969, S. 290.
[T]rotz jeder möglichen Fehlinformation konnte es keinen Zweifel geben, daß die Alliiierten wirklich vorankamen. ... Nicht wissen konnten sie, daß die Gefängnisse voll waren von Menschen, die bereits verurteilt waren oder noch auf ihren Prozeß warteten. Menschen, die gebraucht werden würden, wenn der Krieg vorbei war, und deren einzige Chance zu überleben von der Geschwindigkeit der vorrückenden Panzer abhing.
Chris Bielenberg nach der Festnahme ihres Mannes im August 1944
Quelle: Christabel Bielenberg, Als ich Deutsche war 1934–1945. Eine Engländerin erzählt, München 1969, S. 173.




