Hans Beusch
22. November 1960, Essen
Hans Beusch arbeitet nach einem Medizinstudium ab 1919 im Gesundheitsdienst der Stadt Königsberg und übernimmt 1926 die Leitung der Abteilung Gesundheitsfürsorge des städtischen Wohlfahrtsamtes. Während dieser Zeit lernt er Carl Goerdeler kennen, dem er 1930 nach Leipzig folgt. Hier übernimmt Beusch als Stadtrat die Verwaltung des öffentlichen Gesundheitswesens. Seit 1924 ist er mit Freda Gennrich verheiratet, aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. 1938 geht er nach Essen, wo er die Leitung der ärztlichen und sozialen Einrichtungen des Krupp-Konzerns übernimmt. Auch in dieser Zeit steht er in engem Kontakt zu Carl Goerdeler.
Nach dem Scheitern des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 und der Flucht Goerdelers wird Beusch von der Gestapo mehrfach verhört und zeitweise überwacht. Am 23. Dezember 1944 wird er in Caldenhof bei Hamm festgenommen, nach Berlin gebracht und in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße eingeliefert.
Im März 1945 werden ihm der Haftbefehl und die Anklageschrift des Oberreichsanwalts beim „Volksgerichtshof” zugestellt. Beusch wird vorgeworfen, Kenntnis von den Umsturzplanungen gehabt und diese nicht angezeigt zu haben. Obwohl aus Mangel an Beweisen freigesprochen, wird er nach seiner Verhandlung vor dem „Volksgerichtshof” wieder in die Lehrter Straße 3 gebracht und erst am 21. April 1945 aus der Haft entlassen. Im September 1945 kehrt er zu seiner Familie zurück und nimmt im Dezember seine Tätigkeit bei der Krupp AG wieder auf, wo er großen Anteil am Wiederaufbau des Kruppschen Sozialwerkes hat.
Unglaublich roh hat der Sanitätsdienst an mir gehandelt. Infolge der Gefängniskost bekam ich einen schweren Rückfall meines Magengeschwürleidens, litt unter den heftigsten Schmerzen und war außerstande, irgend etwas zu essen. Die von mir beantragte fachärztliche bzw. Krankenhausbehandlung wurde abgelehnt, weil angeblich kein ausreichender Befund vorlag und meine Beschwerden für Simulation gehalten wurden. … Ich blieb ohne jede Pflege in meiner dunklen, feuchten, eiskalten Zelle mit meinen Schmerzen und hungerte.
Hans Beusch, der während der Verhöre schwer misshandelt worden ist, in einem Bericht über seine Haftsituation
Quelle: Landesarchiv Berlin, A Rep. 001-06, Nr. 2603


