Eberhard Bethge
18. März 2000, Wachtberg
Eberhard Bethge studiert Theologie und schließt sich der Bekennenden Kirche (BK) an. Er gehört zu den ersten Vikaren des von Dietrich Bonhoeffer geleiteten Predigerseminars in Finkenwalde. 1936 legt er sein zweites theologisches Examen vor dem Bruderrat der Bekennenden Kirche ab. 1937 untersagt Reichskirchenminister Kerrl die Fortsetzung des Predigerseminars. In „Sammelvikariaten” werden Theologen der BK jedoch bis 1940 weiter auf ihren Dienst vorbereitet. Bethge ist zwischen 1937 und 1940 Studieninspektor des Sammelvikariates in Pommern, anschließend wird er Missionsinspektor in der Gossner-Mission in Berlin.
Ihn verbindet eine enge Freundschaft mit Dietrich Bonhoeffer, über dessen Widerstandsaktivitäten er informiert ist. 1943 heiratet er Bonhoeffers Nichte Renate Schleicher. Im selben Jahr wird er zur Wehrmacht einberufen und in Italien eingesetzt.
Eberhard Bethge wird am 28. Oktober 1944 festgenommen und nach Berlin gebracht. Er wird am 31. Oktober in die Gestapo-Abteilung des Zellengefängnisses Lehrter Straße 3 eingeliefert, wo bereits seit Anfang Oktober Klaus Bonhoeffer und Bethges Schwiegervater Rüdiger Schleicher inhaftiert sind.
Bethge wird im Zellengefängnis zum Seelsorger seiner Mitgefangenen und spendet den verbliebenen Häftlingen noch am 22. April 1945 das Abendmahl. In seiner Funktion als Hilfskalfaktor kann er zudem Nachrichten an Mitgefangene weitergeben.
Nach seiner Haftentlassung am 25. April setzt sich Bethge für die Aufklärung der Morde an seinen Mithäftlingen ein. In den folgenden Jahren gibt er das Gesamtwerk Dietrich Bonhoeffers heraus und wird zu seinem bedeutendsten Biografen.
Manchmal hat man uns zum Rundgang auf den Hof gelassen. Wir wissen voneinander. Ich denke: Wenn sie uns doch heute die Runde machen ließen! Es ist merkwürdig, wie ein paar von uns den ganzen hilflosen Haufen aufmuntern können. Wir dürfen nicht reden. Aber hier genügt die freie Miene, ein Nicken, ein Lächeln. Kaum einer, der nicht ein wenig sicherer und in seinem Innersten geborgener in sein Gelaß zurückkehrt, zu seinem Schemel und seiner Matratze.
Eberhard Bethge über seine Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Eberhard Bethge, In Zitz gab es keine Juden. Erinnerungen aus meinen vierzig Jahren, München 1989, S. 176.
Ich bin die Nummer 235. Die Blechmarke hängt an einer Strippe um meinen Hals. Ich habe gelernt, auf diese Nummer zu hören wie früher auf meinen Namen. Vielleicht noch ein wenig empfindlicher. Ich sitze auf dem Schemel ohne Lehne, vor mir das Klappbrett an der Wand. Ich frage mich, womit meine Vorgänger in vielen Jahrzehnten ihre Runen in das schmutzige Holz gegraben haben.
Eberhard Bethge über seine Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Eberhard Bethge, In Zitz gab es keine Juden. Erinnerungen aus meinen vierzig Jahren, München 1989, S. 175.










