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Eberhard Bethge

28. August 1909, Warchau
18. März 2000, Wachtberg

Eberhard Bethge studiert Theologie und schließt sich der Bekennenden Kirche (BK) an. Er gehört zu den ersten Vikaren des von Diet­rich Bon­hoeffer gelei­teten Pre­diger­seminars in Finkenwalde. 1936 legt er sein zwei­tes theolo­gisches Examen vor dem Bruder­rat der Beken­nenden Kirche ab. 1937 unter­sagt Reichs­kirchen­minister Kerrl die Fort­setzung des Prediger­seminars. In „Sammel­vika­riaten” werden Theo­logen der BK je­doch bis 1940 wei­ter auf ihren Dienst vor­bereitet. Bethge ist zwischen 1937 und 1940 Studien­inspektor des Sammel­vikariates in Pommern, an­schließend wird er Missions­inspektor in der Gossner-Mission in Berlin. 

Ihn ver­bindet eine enge Freund­schaft mit Diet­rich Bonhoeffer, über dessen Wider­stands­aktivitäten er infor­miert ist. 1943 hei­ratet er Bon­hoeffers Nichte Renate Schleicher. Im selben Jahr wird er zur Wehr­macht einbe­rufen und in Italien ein­gesetzt. 

Eberhard Bethge wird am 28. Oktober 1944 fest­ge­nom­men und nach Berlin ge­bracht. Er wird am 31. Okto­ber in die Gestapo-Ab­teilung des Zellen­gefängnisses Lehrter Straße 3 ein­ge­liefert, wo bereits seit Anfang Oktober Klaus Bonhoeffer und Bethges Schwieger­vater Rüdiger Schleicher inhaftiert sind. 

Bethge wird im Zellen­gefängnis zum Seel­sorger seiner Mit­ge­fangenen und spen­det den verblie­benen Häftl­ingen noch am 22. April 1945 das Abend­mahl. In seiner Funktion als Hilfs­kalfaktor kann er zudem Nach­richten an Mit­gefangene weiter­geben. 

Nach seiner Haft­entlassung am 25. April setzt sich Bethge für die Auf­klärung der Mor­de an seinen Mit­häftlingen ein. In den fol­gen­den Jahren gibt er das Gesamt­werk Dietrich Bonhoeffers heraus und wird zu seinem bedeu­tendsten Bio­grafen.

Manchmal hat man uns zum Rund­gang auf den Hof ge­lassen. Wir wissen von­einander. Ich denke: Wenn sie uns doch heute die Run­de machen lie­ßen! Es ist merk­würdig, wie ein paar von uns den ganzen hilf­losen Haufen auf­muntern können. Wir dürfen nicht re­den. Aber hier genügt die freie Miene, ein Nicken, ein Lächeln. Kaum einer, der nicht ein wenig sicherer und in seinem Innersten gebor­gener in sein Gelaß zurück­kehrt, zu seinem Sche­mel und seiner Mat­ratze.

Eberhard Bethge über seine Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße

Quelle: Eberhard Bethge, In Zitz gab es keine Juden. Erinnerungen aus meinen vierzig Jahren, München 1989, S. 176.

Ich bin die Nummer 235. Die Blechmarke hängt an einer Strippe um meinen Hals. Ich habe gelernt, auf diese Nummer zu hören wie früher auf meinen Namen. Vielleicht noch ein wenig empfindlicher. Ich sitze auf dem Schemel ohne Lehne, vor mir das Klappbrett an der Wand. Ich frage mich, womit meine Vorgänger in vielen Jahrzehnten ihre Runen in das schmutzige Holz gegraben haben.

Eberhard Bethge über seine Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße

Quelle: Eberhard Bethge, In Zitz gab es keine Juden. Erinnerungen aus meinen vierzig Jahren, München 1989, S. 175.

Portrait: Eberhard BethgeEberhard Bethge, um 1949