Adolf Bernt
3. Dezember 1969, Marburg
Adolf Bernt ist als Städtischer Baurat in seiner Heimatstadt Flensburg tätig, bis er im August 1939 zum Kriegsdienst einberufen wird. Nach einer Verwundung wird der Hauptmann im Mai 1943 beim Allgemeinen Heeresamt (OKH/AHA) im Bendlerblock als Bearbeiter für Kriegsmateriallieferungen eingesetzt und erlebt dort am 20. Juli 1944 den Umsturzversuch mit. 1956 veröffentlicht er darüber einen Augenzeugenbericht.
Weil er aus seinem Büro in den frühen Morgenstunden des 21. Juli 1944 einen Verwandten anruft, um ein Lebenszeichen zu geben und die Ereignisse schildert, wird er in das „Hausgefängnis” der Gestapo in die Prinz-Albrecht-Straße 8 gebracht und am Abend in das Zellengefängnis Lehrter Straße überführt. Vier Tage später wird Adolf Bernt aus der Haft entlassen. Am 1. September 1944 erfolgt seine Beförderung zum Major.
Ab 1954 arbeitet Adolf Bernt als Städtischer Baurat in Marburg, wo er bis zu seinem Tod 1969 lebt.
Jetzt beorderte man uns auf den Vorplatz des Kellers und führte uns zum Hof hinauf. Es war spät geworden, gegen 21 Uhr, aber im Juli ist es dann immer noch etwas hell. Wir erblickten einen Polizeiwagen. ... Nach schneller und kurvenreicher Fahrt führte man uns in ein Gefängnis. Es hatte den sternförmigen Grundriß eines Zuchthauses. Hier gab es Wanzen und magere Kost, dabei laufende Beobachtung durchs Guckloch in der schweren Tür, nachts begleitet vom grellen Aufblitzen der Zellenbeleuchtung.
Adolf Bernt über die Überführung vom „Hausgefängnis” der Gestapo in das Zellengefängnis am 21. Juli 1944
Quelle: Adolf Bernt, Der 20. Juli in der Bendlerstraße, in: Die Gegenwart 11 (1956) 269, S. 601.


