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Albrecht Graf von Bernstorff

6. März 1890, Berlin
24. April 1945, ULAP-Gelände, Berlin-Moabit

Der Diplomat Albrecht Graf von Bernstorff ist bis 1933 Botschafts­rat an der deutschen Bot­schaft in London. Nach seiner Ent­las­sung durch die Natio­nal­sozia­listen ist er vor allem als Privat­bankier tätig und wird 1940 bereits für einige Zeit im Kon­zentrations­lager Dachau inhaf­tiert. 

Albrecht Graf von Bernstorff wird im Zusam­men­hang mit Ermittlun­gen gegen den Kreis um Johanna Solf von der Gehei­men Staats­polizei am 30. Juli 1943 in Berlin fest­ge­nom­men und zuerst in der Prinz-Albrecht-Straße 8, später in der „Führerschule der Sicher­heits­polizei” in Drögen bei Fürs­tenberg und im Zellen­bau des KZ Ravens­brück inhaf­tiert. Dort wird er schwer gefoltert. 

Am 19. Oktober 1944 wird Albrecht Graf von Bernstorff in das Zellen­gefängnis Lehrter Straße 3 ver­legt und kommt dort in die Zelle 269. Die Ver­legung lässt darauf schließen, dass gegen ihn mittler­weile neue Ver­dachts­momente im Zusam­men­hang mit dem 20. Juli 1944 aufge­taucht sind. 

Am 15. Novem­ber 1944 erhebt der Ober­reichs­anwalt beim „Volks­gerichts­hof” Anklage gegen Albrecht von Berns­torff, Johanna Solf und weitere Personen. Die ursprüng­lich für den 13. Dezember ange­setzte Ver­hand­lung vor dem „Volks­gerichts­hof” wird mehr­mals ver­scho­ben.  

Albrecht Graf von Bernstorff wird in der Nacht vom 23. auf den 24. April von einem Son­der­komman­do aus dem Reichs­sicher­heits­hauptamt auf einem Gelände unweit des Zellen­gefäng­nisses Lehrter Straße ermordet. 

Die Bomben­nächte sind furcht­bar, allein in dunkler Zelle. ... Dank für alle Hilfe. Auf ein gutes Wieder­sehen, wenn ich Wärme und Kälte über­stehe. Schreibe oft. Seit 15 Tagen ohne Wärme.

Albrecht Graf von Bernstorff am 7. Dezember 1944 in einem Kassiber an seine Freundin Elly Gräfin Reventlow

Quelle: Privatbesitz

Ostern über­brachte mir Baron v. Sell [Ulrich Freiherr von Sell], der mit Albrecht die letzten Wochen im politischen Gefängnis Lehrter Straße verhaftet gewesen war, dann aber entlassen wurde, Grüße von ihm. Er berichtete vom Leben im Gefängnis, von der fast unfaß­baren Brutalität vieler der Wächter, aber auch von guter Kamerad­schaft und Mut unter den Opfern. ... Albrecht war eine Quelle größter Aufmun­terung für alle dank seiner unge­bän­digten Laune ... Als das Ende sich näherte, wurde verab­redet, daß Bernstorff und seine Freunde zu mir kommen sollten, aber die große Frage war, ob sie lebendig heraus­kommen oder vorher von den Nazis ums Leben gebracht würden.

Vincent von Steensen-Leth über das Anfang April 1945 von Albrecht Bernstorff erhaltene Lebenszeichen

Quelle: Elly Gräfin Reventlow (Hrsg.), Albrecht Bernstorff zum Gedächtnis, Düsseldorf 1952, S. 71.

Portrait: Albrecht Graf von BernstorffAlbrecht Graf von Bernstorff