Albrecht Graf von Bernstorff
24. April 1945, ULAP-Gelände, Berlin-Moabit
Der Diplomat Albrecht Graf von Bernstorff ist bis 1933 Botschaftsrat an der deutschen Botschaft in London. Nach seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten ist er vor allem als Privatbankier tätig und wird 1940 bereits für einige Zeit im Konzentrationslager Dachau inhaftiert.
Albrecht Graf von Bernstorff wird im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den Kreis um Johanna Solf von der Geheimen Staatspolizei am 30. Juli 1943 in Berlin festgenommen und zuerst in der Prinz-Albrecht-Straße 8, später in der „Führerschule der Sicherheitspolizei” in Drögen bei Fürstenberg und im Zellenbau des KZ Ravensbrück inhaftiert. Dort wird er schwer gefoltert.
Am 19. Oktober 1944 wird Albrecht Graf von Bernstorff in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 verlegt und kommt dort in die Zelle 269. Die Verlegung lässt darauf schließen, dass gegen ihn mittlerweile neue Verdachtsmomente im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 aufgetaucht sind.
Am 15. November 1944 erhebt der Oberreichsanwalt beim „Volksgerichtshof” Anklage gegen Albrecht von Bernstorff, Johanna Solf und weitere Personen. Die ursprünglich für den 13. Dezember angesetzte Verhandlung vor dem „Volksgerichtshof” wird mehrmals verschoben.
Albrecht Graf von Bernstorff wird in der Nacht vom 23. auf den 24. April von einem Sonderkommando aus dem Reichssicherheitshauptamt auf einem Gelände unweit des Zellengefängnisses Lehrter Straße ermordet.
Die Bombennächte sind furchtbar, allein in dunkler Zelle. ... Dank für alle Hilfe. Auf ein gutes Wiedersehen, wenn ich Wärme und Kälte überstehe. Schreibe oft. Seit 15 Tagen ohne Wärme.
Albrecht Graf von Bernstorff am 7. Dezember 1944 in einem Kassiber an seine Freundin Elly Gräfin Reventlow
Quelle: Privatbesitz
Ostern überbrachte mir Baron v. Sell [Ulrich Freiherr von Sell], der mit Albrecht die letzten Wochen im politischen Gefängnis Lehrter Straße verhaftet gewesen war, dann aber entlassen wurde, Grüße von ihm. Er berichtete vom Leben im Gefängnis, von der fast unfaßbaren Brutalität vieler der Wächter, aber auch von guter Kameradschaft und Mut unter den Opfern. ... Albrecht war eine Quelle größter Aufmunterung für alle dank seiner ungebändigten Laune ... Als das Ende sich näherte, wurde verabredet, daß Bernstorff und seine Freunde zu mir kommen sollten, aber die große Frage war, ob sie lebendig herauskommen oder vorher von den Nazis ums Leben gebracht würden.
Vincent von Steensen-Leth über das Anfang April 1945 von Albrecht Bernstorff erhaltene Lebenszeichen
Quelle: Elly Gräfin Reventlow (Hrsg.), Albrecht Bernstorff zum Gedächtnis, Düsseldorf 1952, S. 71.















