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Paul Bernard

29. Oktober 1892, Noisy-le-Sec bei Paris
21. September 1960, Paris

Paul Bernard ist nach der Teil­nahme am Ers­ten Welt­krieg in den Kolonial­truppen im Tschad einge­setzt. 1921 be­ginnt er ein Stu­dium am Cours Supérieur Tech­nique de l'Ar­tillerie, ist an­schlie­ßend in der Tech­nischen Ab­teilung der Artil­lerie tätig und geht 1923 als Or­do­nanz­offizier des General­gouver­neurs nach Indo­china. 1931 wird er Direk­tor der Société Financière Française et Coloniale. 

Im Ja­nuar 1940 über­nimmt er das Kom­man­do über eine schwe­re Artillerie­einheit in Sedan, kehrt sechs Mona­te später jedoch nach Paris zu­rück und schließt sich der Wider­stands­gruppe Réseau Alliance („Netz­werk Allianz”) an. Die Gruppe, die sich aus Ange­hörigen der oberen und mittleren Führungs­schichten aus Mili­tär und Wirt­schaft zu­sammen­setzt, be­treibt vor allem Feind­auf­klärung und gibt In­forma­tionen über Truppen­stär­ken und -bewe­gungen, Nach­schub­wege der Wehr­macht und Aktionen von SS und Gestapo an die Führungs­stäbe des Wider­stands um Char­les de Gaulle weiter. Die Mit­glieder des Netz­werkes benut­zen als Deck­namen Tier­namen, wes­halb die Gruppe von der deut­schen Ab­wehr den Namen „Arche Noah” erhält. Im Okto­ber 1943 über­nimmt Bernard unter dem Deck­namen Martinet die Lei­tung der Gruppe. 

Am 17. März 1944 wird er in Paris von der Gesta­po fest­genom­men und in das Gefäng­nis von Fresnes ge­bracht. Nach wei­teren Haft­statio­nen in Straß­burg und Kehl wird er am 14. Novem­ber 1944 in das Zellen­gefäng­nis Lehrter Straße 3 einge­liefert, wo er bis zum 21. April 1945 fest­gehal­ten wird. 

Nach Kriegs­ende wird Bernard Präsi­dent verschie­dener In­dustrie­gruppen mit Aktivi­täten in den ehe­mali­gen franzö­sischen Kolo­nien.

Ich kam jedoch über­haupt nicht mehr aus meiner Zelle heraus, selbst Spazier­gänge wurden mir verwei­gert. Ich ver­brachte auf diese Wei­se etwa 3 Wochen in voll­kommener Iso­lierung. Im Haupt­quartier der Gestapo in Ber­lin wurde ich dann wieder ver­hört. Während der ersten Wo­chen meiner Haft im Moa­biter Gefäng­nis verschlech­terte sich mein Gesund­heits­zustand auf­grund der äußerst knap­pen Gefängnis­kost, die mir zu­kam, sehr schnell. … Ende 1944 war ich daher extrem abge­magert und schwach. Ich besaß weder Wä­sche noch Schuhe und hatte nicht genug Klei­dung, um mich gegen die Här­te des Berliner Win­ters zu schützen.

Paul Bernard in einem übersetzten Auszug seines Berichts über die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße

Quelle: Robert Hervet, Une valeur humaine Paul Bernard 1892/1960, Paris 1962.

Portrait: Paul BernardPaul Bernard