Paul Bernard
21. September 1960, Paris
Paul Bernard ist nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg in den Kolonialtruppen im Tschad eingesetzt. 1921 beginnt er ein Studium am Cours Supérieur Technique de l'Artillerie, ist anschließend in der Technischen Abteilung der Artillerie tätig und geht 1923 als Ordonanzoffizier des Generalgouverneurs nach Indochina. 1931 wird er Direktor der Société Financière Française et Coloniale.
Im Januar 1940 übernimmt er das Kommando über eine schwere Artillerieeinheit in Sedan, kehrt sechs Monate später jedoch nach Paris zurück und schließt sich der Widerstandsgruppe Réseau Alliance („Netzwerk Allianz”) an. Die Gruppe, die sich aus Angehörigen der oberen und mittleren Führungsschichten aus Militär und Wirtschaft zusammensetzt, betreibt vor allem Feindaufklärung und gibt Informationen über Truppenstärken und -bewegungen, Nachschubwege der Wehrmacht und Aktionen von SS und Gestapo an die Führungsstäbe des Widerstands um Charles de Gaulle weiter. Die Mitglieder des Netzwerkes benutzen als Decknamen Tiernamen, weshalb die Gruppe von der deutschen Abwehr den Namen „Arche Noah” erhält. Im Oktober 1943 übernimmt Bernard unter dem Decknamen Martinet die Leitung der Gruppe.
Am 17. März 1944 wird er in Paris von der Gestapo festgenommen und in das Gefängnis von Fresnes gebracht. Nach weiteren Haftstationen in Straßburg und Kehl wird er am 14. November 1944 in das Zellengefängnis Lehrter Straße 3 eingeliefert, wo er bis zum 21. April 1945 festgehalten wird.
Nach Kriegsende wird Bernard Präsident verschiedener Industriegruppen mit Aktivitäten in den ehemaligen französischen Kolonien.
Ich kam jedoch überhaupt nicht mehr aus meiner Zelle heraus, selbst Spaziergänge wurden mir verweigert. Ich verbrachte auf diese Weise etwa 3 Wochen in vollkommener Isolierung. Im Hauptquartier der Gestapo in Berlin wurde ich dann wieder verhört. Während der ersten Wochen meiner Haft im Moabiter Gefängnis verschlechterte sich mein Gesundheitszustand aufgrund der äußerst knappen Gefängniskost, die mir zukam, sehr schnell. … Ende 1944 war ich daher extrem abgemagert und schwach. Ich besaß weder Wäsche noch Schuhe und hatte nicht genug Kleidung, um mich gegen die Härte des Berliner Winters zu schützen.
Paul Bernard in einem übersetzten Auszug seines Berichts über die Haft im Zellengefängnis Lehrter Straße
Quelle: Robert Hervet, Une valeur humaine Paul Bernard 1892/1960, Paris 1962.


